Das Abenteuer der digitalen Noten

Juni 15, 2025
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Der RIAS Kammerchor mit digitalen Noten (Foto: Schellhorn)

Die ROC in Berlin arbeitet schon lange mit digitalen Noten. Joshua Neumann koordiniert die Digitalisierung und erklärt Vor- und Nachteile. Am 24. Juni lädt die ROC alle Interessierten zu einem Online-Workshop.

English summary: The ROC in Berlin has long used digital scores. Joshua Neumann, Digital Transformation Manager, coordinates this shift and outlines pros and cons. Digital scores boost efficiency, flexibility, and logistics but pose hardware and ergonomic challenges. A public workshop takes place on June 24.

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Die Rundfunk Orchester und Chöre GmbH in Berlin (ROC) hat die digitale Transformation fest in seiner Unternehmensstrategie ROC 2026 verankert und setzt dabei verstärkt auf digitale Noten. Joshua Neumann, Digital Transformation Manager der ROC, ist für die Entwicklung und Steuerung der digitalen Strategie für die gesamte Organisation und ihre Klangkörper zuständig. Eine im Jahr 2023 zusammen mit den Beschäftigten erarbeitete digitale Roadmap umfasst über 30 Projekte, die sich in vier Handlungsfelder einordnen lassen: interne Verwaltung, künstlerischer Betrieb, Marketing und Vertrieb sowie digitale Angebote.

Ein ambitioniertes und zentrales Projekt im Bereich des künstlerischen Betriebs ist die Umstellung auf digitale Noten. Bereits im Jahr 2022 begannen erste Testläufe mit dem Rundfunkchor, gefolgt vom RIAS Kammerchor. Die Entscheidung zur umfassenden Einführung in den regulären Betrieb, in dem beide Chöre seit dieser Spielzeit arbeiten, basierte auf einer großen Befragung unter den Sängerinnen und Sängern im Jahr 2023, an der sich 90 Prozent der Festangestellten beteiligten. Die Ergebnisse zeigten ein gemischtes, ambivalentes Stimmungsbild, lieferten aber wertvolle Erkenntnisse darüber, wo »der Schuh drückt«.

Laut Neumann bietet die Umstellung auf digitale Noten zahlreiche Vorteile:

Effizienzgewinne im Probenbetrieb: Digitale Noten ermöglichen es, Anmerkungen und Hinweise der Dirigenten und Einstudierer bereits vor der ersten Probe digital bereitzustellen. Dies kann eine Probe pro Projekt einsparen und bedeutet, dass Eintragungen exakt und vorab zur Verfügung stehen.

Flexibilität und Archivierung: Sänger können eigene Eintragungen flexibler vornehmen und diese auch bei geliehenem Notenmaterial archivieren, um sie bei späteren Projekten wiederzuverwenden, ohne neu schreiben oder radieren zu müssen.

Logistische Erleichterung: Der Umgang mit Notenmaterial an mehreren Probenstandorten und auf Tourneen wird vereinfacht. Die Notenbibliothekare werden entlastet und können sich stärker auf die qualitative Optimierung der Noten konzentrieren, um sie perfekt auf die Bedürfnisse der Sänger auszurichten.

Verbesserte Aufnahmen: Blättergeräusche, die bei physischen Noten entstehen, stören bei digitalen Noten die Aufnahmen nicht mehr.

Trotz der Vorteile gibt es auch Herausforderungen und Kritikpunkte:

Hardware-Anpassung: Die derzeit verwendeten Standard-Tabletcomputer im größten Format (etwa A4-Größe) werden von einigen Sängern als schwerer empfunden als Papiernoten und stellen nur eine Seite dar. .

Muskulär-skelettale Belastungen: Eine Kooperationsstudie mit Frau Professor Dr. Steinmetz von der Uniklinik Greifswald untersucht die muskulär-skelettalen Belastungen für Sänger bei der Nutzung digitaler Noten, um mögliche Haltungs- und Gewichtsbelastungen zwischen analogen und digitalen Noten zu verstehen. Dies ist eine echte Innovation im wissenschaftlichen Betrieb der Musikermedizin.

Qualität und Beschaffung des Notenmaterials: Eine der größten Herausforderungen ist die Beschaffung von hochqualitativem digitalem Notenmaterial. Verlage können dieses, insbesondere für Nicht-Standard-Chorliteratur, oft nicht in ausreichender Qualität oder nur mit aufwendiger Vorbereitung durch die ROC-Notenbibliothek liefern.

Arbeitsschutz: Die Qualitätsstandards für digitales Arbeitsmaterial müssen im Einklang mit der Arbeitsstättenverordnung und dem Arbeits- und Gesundheitsschutz diskutiert und eingehalten werden, was eine Herausforderung für das Projekt darstellt.

Die Anschaffung der Hardware und die Lizenzen für digitales Notenmaterial waren anfänglich mit höheren Kosten verbunden, da die Sänger zuvor keinerlei digitale Ausstattung hatten. Langfristig werden Effizienzgewinne im Personalbereich erwartet, auch wenn bisher in der ersten Saison keine großen Kosteneinsparungen festgestellt wurden.

Joshua Neumann wird am 24. Juni um 13 Uhr in einem für jedermann offenen Online-Workshop gemeinsam mit anderen Diskutanten weitere Details und Diskussionen über die Vor- und Nachteile sowie die Herausforderungen digitaler Noten anbieten.

Der Podcast wurde mit Hilfe von KI zusammengefasst

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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