Liebes Festspiel-Gestern,

April 21, 2026
1 min read
Bosner vor dem Salzburger Festspielbezirk

manchmal liest man ja über Themen, die gar keine sind. Zum Beispiel: »Wird Helgoland jetzt zwischen den USA und Iran vermitteln?« Oder: »Holt Simbabwe die Fußball-WM 2030?« Unmöglich ist es nicht.

Oder: »Werden die Wiener Philharmoniker im Sommer von Salzburg nach Wien umziehen?« Das stand kürzlich tatsächlich in einem österreichischen Nachrichtenmagazin, das so gern ernstgenommen werden würde.

Immerhin: Der Clickbait funktioniert. Sogar die britische Klassik-Gossip-Seite SlippedDisc käut den Quatsch jetzt wieder.

Entstanden ist die Story wahrscheinlich beim tiefen Blick ins Heurigenglas: Weil der Philharmoniker-Vertrag mit den Festspielen 2026 ausläuft, orakelt eine österreichische Musik-Medien-Mumie plötzlich, dass das Orchester ohne seinen alten Kumpel Markus Hinterhäuser vielleicht gar nicht an der Salzach verlängern will – und stattdessen an der Donau »Sommerhackn« geht.

Und weil man schon beim Träumen ist, können gleich noch 1/4 Altherren-Fantasien und 1/8 Russlandliebe in den feuchten Sommer-Spritzer gerührt werden: Teodor Currentzis als Cashcow am Opernring! Deutsche Millionärinnen als willige Wien-Sponsoren! Und die alten Hardcore-Hinterhäuser-Unterstützer als geniale Künstler-Kolonie!!!

Und mittendrin … der alte Klassik-Opi! Ach, dann wäre seine Welt noch einmal so schön wie früher, als der Markus und der Daniel und der Michi ihn noch ernst genommen haben.

Wie? Was? Gestern ist schon vorbei? Der Kampf ist verloren?

Klar, träumen darfst Du immer! So wie Helgoland oder Simbabwe.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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