Ruzicka fordert Missbrauchsverfahren gegen GEMA

April 20, 2026
1 min read
Der Dirigent und Komponist Peter Ruzicka (Foto: Kirchbach)

Der Komponist und Dirigent Peter Ruzicka geht juristisch gegen die GEMA vor: Beim Bundeskartellamt hat er Beschwerde eingelegt, um die geplante Reform der Kulturförderung kurzfristig zu stoppen. Er sieht die Existenz der Ernsten Musik bedroht.

English summary: Composer and conductor Peter Ruzicka has taken legal action against GEMA, filing a complaint with Germany’s Federal Cartel Office to halt a planned reform of cultural funding. He warns the changes threaten the very survival of contemporary classical music and accuses the collecting society of distorting competition.

Der Komponist und Dirigent Peter Ruzicka hat beim Bundeskartellamt eine Beschwerde gegen die GEMA eingereicht. Er fordert die sofortige Einleitung eines Missbrauchsverfahrens sowie einstweilige Anordnungen, um die geplante Abstimmung über den Antrag »Die neue Kulturförderung« in der Mitgliederversammlung der GEMA am 6. und 7. Mai 2026 auszusetzen.

BackstageClassical liegt das Schreiben des Komponisten an das Bundeskartellamt vor. Ruzicka befürchtet, dass die GEMA-Reform auf »einen Vernichtungsschlag gegen die E-Musik« abziele, »deren Priorisierung aber vom Gesetzgeber ausdrücklich gewollt ist«.

Der Komponist wirft der Verwertungsgesellschaft vor, mit der Reform die Sparte der Ernsten-Musik (E-Musik) existenziell zu schädigen. Das Wertungsverfahren für Komponisten solle entfallen, was zu Einnahmeverlusten von jährlich durchschnittlich 70 Prozent führe und die wirtschaftliche Basis vieler Betroffener zerstöre. Dabei stützt er sich auf Modellrechnungen des Deutschen Komponistinnenverbands  sowie interne GEMA-Daten.

Als marktbeherrschendes Unternehmen verstoße die GEMA gegen das Diskriminierungsverbot (§ 19 GWB) und behindere den Marktzugang der E-Musik unbillig. Zudem würden Nachwuchskomponisten durch sinkende Tantiemen die Schwelle für Stimmrechte in der Mitgliederversammlung verfehlen, was die demokratische Mitbestimmung untergrabe. Ruzicka argumentiert, die Änderungen seien irreversibel und ohne sachliche Rechtfertigung.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Lieber Kai Goliath Gniffke,

na, da haben Sie aber wieder einen rausgehauen! Die Qualitätsmedien müssten ihre Perspektive überdenken, haben Sie der katholischen Nachrichtenagentur gesagt: »Wir sind Anwalt der Wirklichkeit und nicht Anwalt der vermeintlich Schwachen, der

Ulrich Peters als Interimsintendant in Coburg

Das Landestheater Coburg bekommt einen neuen Intendanten: Der Theatermacher Ulrich Peters übernimmt mit Wirkung zum 1. Juni die Interimsintendanz und wird damit Nachfolger von Neil Barry Moss.

Brüssel streitet über Shani

Streit um Lahav Shani in Brüssel: Rücktritte im Bozar‑Aufsichtsrat, politische Vorwürfe und Boykottdebatten eskalieren. Der Dirigent gerät zwischen Kultur, Kritik und Nahostkonflikt.

Performatives Gähnen?

Podcast Live vom Deutschen Orchestertag: Dieses mal geht es hoch her zwischen Hannah Schmidt und Axel Brüggemann. Sie debattieren über Skandale, die Zukunft der Orchester und einen Notfonds für Kulturinstitutionen.

Erst Kultur-Club, dann Oper

Auf dem Grundstück des ehemaligen Kaufhofs am Wehrhahn in Düsseldorf soll in einigen Jahren das neue Opernhaus der Stadt entstehen; noch in diesem Sommer aber könnte bereits die Dachterrasse als provisorischer Kulturort

 Der Verbrenner-Motor der Klassik

Selbst bei Christian Thielemann bleiben inzwischen Plätze leer. Große Namen garantieren nicht mehr automatisch volle Häuser. Es wäre gefährlich, das zu ignorieren. Die Klassik droht, den Wandel zu verpennen.

Marien-Erscheinungen

Korngolds »Die tote Stadt« an der Staatsoper Hannover wurde in einer gleichermaßen durchdachten wie originellen Neuinszenierung zu einem Triumph.

Die Reichsbürger der Kultur

Ist Milo Rau der neue Schlingensief? Natürlich nicht! Ihm oder Florentina Holzinger fehlt es an Schalk, an Humor und an Schlingensiefs grundsätzlichem Verständnis von Kunst.

Verpassen Sie nicht ...