Per Hauber geht, einen Nachfolger gibt es offenbar nicht. Schon 2024 hatte sich Michael Brüggemann zurückgezogen. Sony Classical bleibt – aber seine Eigenständigkeit schwindet. Dahinter steht eine größere Frage: Wie viel ist Klassik den großen Plattenkonzernen noch wert?
English summary: Per Hauber is leaving, and there is apparently no successor. Michael Brüggemann had already stepped down in 2024. Sony Classical will remain – but it is losing its independence. Behind this lies a bigger question: How much is classical music still worth to the major record companies?.
Bei Sony Classical geht der radikale Umbau weiter. Per Hauber verlässt das Unternehmen nach 15 Jahren. Seit 2019 war er President von Sony Classical, zuletzt mit Dienstsitz in New York, aber weiterhin eng mit Berlin verbunden. Einen Nachfolger für Hauber gibt es offenbar nicht. Seine Aufgaben werden verteilt.
Damit verliert Sony Classical eine weitere prägende Führungspersönlichkeit. Bereits 2024 hatte sich Michael Brüggemann nach mehr als 31 Jahren aus dem Unternehmen zurückgezogen. Er hatte das Klassikgeschäft von Sony im deutschsprachigen Raum lange geprägt und nach eigenen Angaben einen Marktanteil von rund 20 Prozent erreicht. Sein Nachfolger Sven Schuhmann übernahm als Vice President Sony Classical / Jazz GSA.
Erst Brüggemann, jetzt Hauber
Nun also Hauber. Noch Anfang 2025 war er als President Sony Classical direkt Sony-Music-Chef Rob Stringer unterstellt. Diese Position scheint mit seinem Abschied zu verschwinden. Künftig sollen Sven Schuhmann, Alexander Buhr und Sarah Thwaites Teile seiner Aufgaben übernehmen. Auffällig ist auch die Sprache: Mark Cavell, President Sony Masterworks, spricht in der Mitteilung bereits von »Sony Classical / Masterworks«.
In der Klassikbranche kursieren seit Längerem Gerüchte, dass Sony sein Klassikgeschäft umbauen und verkleinern könnte. Belege für eine Schließung von Sony Classical Deutschland gibt es bislang nicht. Im Gegenteil: Das Label arbeitet weiter und verpflichtet neue Künstlerinnen und Künstler. Noch im Juni unterschrieb das Gitarrenduo Café del Mundo bei Sony Classical.
Trotzdem werden die Zeichen einer Verschlankung deutlicher. Auch bei der Deutschen Harmonia Mundi gibt Sony Aufgaben aus der Hand: Seit März hat Naxos Deutschland den weltweiten physischen Vertrieb des Katalogs übernommen, außerdem Teile der Rechteadministration.
Michael Brüggemann ist weg. Per Hauber ist weg. Einen neuen President Sony Classical gibt es bislang nicht. Und aus »Sony Classical« wird in der Konzernsprache zunehmend »Sony Classical / Masterworks«.
Wer bezahlt die Aufnahme?
Dahinter steht ein Klassikgeschäft, das sich grundsätzlich verändert hat. Aufnahmen sind teuer, die möglichen Erlöse überschaubar. Ein Orchester, ein Saal, Tonmeisterinnen und Tonmeister, Schnitt und Produktion müssen bezahlt werden. Gleichzeitig hat das Streaming die ökonomische Logik der Branche verändert. Klassik konkurriert hier mit Musik, die wesentlich billiger produziert wird und in wesentlich kürzeren Titeln wesentlich häufiger gestreamt werden kann.
Und längst finanziert das Label nicht mehr selbstverständlich jede Aufnahme. Künstlerinnen und Künstler produzieren selbst, suchen Förderer und Stiftungen oder liefern dem Label gleich das fertige Master. Vom klassischen Modell – das Label investiert in eine Künstlerin oder einen Künstler und trägt dafür das wirtschaftliche Risiko – bleibt immer weniger übrig.
Das führt zu einer ziemlich einfachen Frage: Wenn Künstlerinnen und Künstler das Geld für ihre Aufnahme selber mitbringen – wozu brauchen sie dann noch ein großes Label?
Was ist das Sony-Logo noch wert?
Natürlich gibt es Antworten darauf. Große Labels haben internationale Vertriebsstrukturen, Marketing, Playlisten-Kontakte, Pressearbeit und vor allem einen Namen. Ein Sony-Logo auf dem Cover bedeutet noch immer etwas. Aber wie viel?
Vielleicht ist genau das der Hintergrund der Entwicklung bei Sony Classical. Klassik verschwindet nicht. Aber sie muss sich im Konzern immer stärker rechtfertigen: mit Reichweite, verwertbaren Katalogen und möglichst geringen Produktionskosten. Damit geht es am Ende um mehr als um Per Hauber oder Sony. Es geht um eine grundsätzliche Frage: Wie viel ist Klassik den großen Plattenkonzernen eigentlich noch wert?
Dieser Text ist in der Recherche auch mit Hilfe von KI entstanden. Aber jeder Text wird bei BackstageClassical vor der Veröffentlichung redaktionell überarbeitet.

