Missstände und Fehlverhalten an österreichischen Theatern werden nach einer Untersuchung häufig gar nicht erst innerhalb der Häuser gemeldet. 85 Prozent der Fälle, die dem unabhängigen Verein »Das zeitgemäße Theater« für seinen neuen Jahresbericht geschildert wurden, waren zuvor nicht bei den jeweiligen Institutionen angezeigt worden.
Als Gründe nennt der Verein unter anderem Angst vor Konsequenzen, unklare Zuständigkeiten und mangelndes Vertrauen in bestehende Beschwerdestrukturen.
Für die Spielzeit 2025/26 wertete der Verein 60 Schilderungen aus neun österreichischen Theater- und Festivalbetrieben aus. Dabei identifizierte er 84 rechtlich relevante Sachverhalte, unter anderem aus den Bereichen Arbeitsrecht, Gleichbehandlung, Compliance, Fürsorgepflicht und Strafrecht. Die Untersuchung sei allerdings nicht repräsentativ für den gesamten österreichischen Theaterbetrieb, betont der Verein.
Strukturen statt Einzelfälle
Das zentrale Problem sieht der Verein weniger im Fehlen von Schutz- und Beschwerdemechanismen als darin, dass diese in der Praxis nicht funktionieren oder nicht genutzt werden. Wiederkehrende Probleme seien Führungsversagen, unklare Meldewege, fehlende Verantwortlichkeit und Defizite in der Kommunikation. Teilweise sei Beschäftigten nicht einmal klar, wer ihnen unmittelbar vorgesetzt sei, sagte Vereinsobfrau Charlotte Koppenhöfer dem »Standard«.
Kritik gibt es auch an den Arbeitsbedingungen. Verträge würden teilweise nicht korrekt ausgestellt, vergleichbare Tätigkeiten unterschiedlich bezahlt. Dabei gebe es auch geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Gagen.
Kritik an Führung und Aufsicht
Nach Ansicht des Vereins liegt ein Teil des Problems in den Führungsstrukturen der Theater. Bei der Besetzung von Leitungspositionen spiele künstlerische Reputation und öffentliche Wahrnehmung traditionell eine große Rolle. Die Führung eines Betriebs mit teilweise mehreren hundert Beschäftigten verlange jedoch zusätzliche Managementkompetenzen. Ein bloßer Wechsel an der Spitze löse strukturelle Probleme deshalb nicht automatisch.
Auch Kulturpolitik und Aufsichtsgremien müssten stärker in die Verantwortung genommen werden. Nach Einschätzung des Vereins fehlen teilweise klare Vorgaben dazu, was ordnungsgemäße Geschäftsführung bedeutet, wann Interessenkonflikte vorliegen und nach welchen Kriterien Aufsichtsräte die Arbeit eines Hauses kontrollieren sollen.
Der Verein fordert deshalb langfristig eine systematische Beobachtung solcher Fälle durch die Kulturpolitik. Dass das Thema nicht erledigt ist, zeigt nach Angaben Koppenhöfers bereits die neue Saison: Noch bevor die Spielzeit eine Woche alt gewesen sei, seien die ersten neuen Meldungen eingegangen.
Dieser Text ist in der Recherche auch mit Hilfe von KI entstanden. Aber jeder Text wird bei BackstageClassical vor der Veröffentlichung redaktionell überarbeitet.

