Der Streik beim Cleveland Orchestra ist nach drei Tagen beendet. Musiker und Management haben sich nach intensiven Verhandlungen auf einen neuen Tarifvertrag über drei Jahre verständigt. Damit kann auch die bereits gefährdete Europatournee unter Franz Welser-Möst wie geplant am 2. Oktober in Hamburg beginnen.
Die Einigung wurde nach Angaben des Orchesters in der Nacht zum Sonntag erzielt und anschließend von den Musikern ratifiziert. Nach Informationen von BackstageClassical war zwischenzeitlich auch eine Absage der gesamten Europatournee im Gespräch. Die Instrumente sollten bereits am Montag auf die Reise geschickt werden, die Musiker am Dienstag folgen. Zwei Konzerte in den USA waren wegen des Streiks abgesagt worden.
Im Zentrum des Konflikts standen Bezahlung, Mitspracherechte bei Vorspielen sowie Gesundheits- und Arbeitsschutz. Die Musiker hatten ursprünglich Gehaltssteigerungen von insgesamt 25 Prozent über drei Jahre gefordert. Sie argumentierten unter anderem mit Kaufkraftverlusten durch die Inflation und einem wachsenden Gehaltsabstand zu vergleichbaren US-Spitzenorchestern. Das Management hatte die Forderung als finanziell nicht tragbar bezeichnet. Das bisherige garantierte Mindestjahreseinkommen lag bei 165.516 Dollar.
Fünf Prozent mehr pro Jahr
Der nun geschlossene Vertrag sieht Gehaltserhöhungen von jeweils fünf Prozent in jedem der drei Jahre vor. Das garantierte Grundeinkommen steigt damit bis zum Ende der Laufzeit auf 191.620 Dollar. Zudem erhalten die Musiker vertraglich abgesicherte Mitspracherechte in den Auswahlkommissionen bei Vorspielen. Die endgültige Entscheidung über Neueinstellungen bleibt beim Musikdirektor. Vereinbart wurden außerdem Änderungen beim Gesundheitsschutz und bei der Krankenversicherung.
Die Europatournee vom 2. bis 21. Oktober ist die letzte internationale Tournee von Franz Welser-Möst als Musikdirektor des Cleveland Orchestra. Nach 25 Jahren gibt er den Posten am Ende der Saison ab. Geplant sind 15 Konzerte in neun Ländern. Stationen sind Hamburg, Dortmund, Luxemburg, Paris, Brüssel, Bratislava, Linz, Budapest, Wien, Ljubljana, Thessaloniki und Athen. In Wien spielt das Orchester gleich dreimal – zweimal im Musikverein und einmal im Konzerthaus.
Strauss, Schostakowitsch und Musik aus Cleveland
Die Programme spiegeln zugleich Welser-Mösts Arbeit mit dem Orchester. Zum Auftakt in der Hamburger Elbphilharmonie erklingen Richard Strauss’ »Vier letzte Lieder« mit Golda Schultz und Schostakowitschs Achte Symphonie. Weitere Programme kombinieren unter anderem Mozarts 34. Symphonie, Liszts »Orpheus«, Brahms’ Zweite und Strauss’ »Symphonia domestica«. Hinzu kommen Martinůs Zweite Symphonie, die 1943 vom Cleveland Orchestra uraufgeführt wurde, sowie »Intensity« des österreichischen Komponisten Bernd Richard Deutsch, ein Auftragswerk des Orchesters.

