Caruso war ein genialer Werbeträger. Und ist es offenbar noch heute. Zwei große Feuilletons lutschen begeistert am neuen Caruso-Bonbon – und liefern dem Hersteller nebenbei die schönste Werbung.
Enrico Caruso war einer der ersten Klassik-Mega-Marketingstars! Dass er Schallplatten und gleichzeitig auch die Schallplattenspieler von Victor verkaufte: Geschenkt! Aber Caruso schmetterte auch für Tuxedo-Zigaretten: »Aus Sicht eines Sängers reizt Tuxedo meinen Hals nicht!«
Inzwischen wurde der Name Caruso auch von Hustenbonbons gekapert. Und dort sitzen besonders kluge Marketingleute. Irgendwie haben sie es geschafft, dass Thomas Lindemann in der FAZ einen vollkommen kritiklosen Lobhudel-Text verfasst hat: »Endlich!«, freut er sich, gebe es ein Bonbon gegen das Husten im Konzert. Und dann porträtiert er – mit viel Empathie – Hans-Dieter Mock, der das alte Bonbon-Label aufkaufte und nun hofft, die seine Caruso-Lutschbonbons an Theater zu verticken. Lindemann zitiert Mock mit dem Satz: »Es wirkt wirklich.«
Wenig später sprang dann auch die ZEIT auf das Thema auf: Isolde Sellin verfasste hier einen launigen Text über das Caruso-Bonbon und feierte dennoch das Husten in Konzerten. Die Kulturseiten hatten den Drops endgültig gelutscht!
Guter Job, liebe Marketingabteilung von Caruso. Zwei Zeitungen, die wir lange für seriösen und unkorrumpierbaren Journalismus gefeiert haben, lutschen Eure PR-Drops. Und die Pointe?
Gestern bekamen wir bei BackstageClassical ein Angebot: Ob wir die Caruso-Bonbons nicht in unserem Shop verkaufen wollen. »Vielleicht kennen Sie auch die beigefügten Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und aus der ZEIT«, heißt es im Anschreiben. Ja, kennen wir! Wir haben uns schon in einem unserer Newsletter über das neue, vollkommen unkritische Sommerloch-Feuilleton lustig gemacht!
Der Link, den Caruso uns schickte, verweist auf eine Seite, auf der auch Veranstalter das »Kulturbonbon in der leisen Dose« beziehen können. Zielgruppe: Opern- oder Konzerthäuser! Der Türöffner: das gute alte Feuilleton!
Verzeihung, ich bekomme gerade Reizhusten…
Ich erinnere mich noch an die Theater mit den kostenlosen Ricola-Bonbons in den Glaskästen. Und hat nicht Maria Callas …
P.S.: Liebe Caruso- oder Ricola-Halsbonbons: Gern könnt Ihr bei uns für Eure Lutscher werben – aber eine schriftliche Kaufempfehlung gibt es bei uns nicht.

