Spannungen im Komponistenverband: Eggert kündigt Rücktritt an

März 21, 2026
1 min read
Der Komponist Moritz Eggert (Foto: Ackermann)

Der Komponist Moritz Eggert stellt sich nicht für eine weitere Amtszeit als Präsident des Deutschen Komponistenverbandes (DKV) zur Verfügung.

English summary: Composer Moritz Eggert will not seek re-election as head of the German Composers‘ Association. He cites internal conflicts over GEMA reforms, criticizes board dynamics, and calls for independence and leadership renewal.

In einem an die Mitglieder gerichteten Schreiben kündigte Moritz Eggert an, sein Amt bis zur in etwa zwei Monaten anstehenden Neuwahl nur noch formal auszuüben und bis dahin keine weitere Arbeit für den Verband zu übernehmen. Eine Kandidatur für eine erneute Präsidentschaft schloss er aus.

Hintergrund der Entscheidung

Eggert begründet seinen Schritt mit tiefgreifenden Spannungen im Vorstand des Berufsverbands, die sich an der umstrittenen Reform der Kulturförderung durch die Verwertungsgesellschaft GEMA entzündet hätten. Er habe sich in dieser Frage deutlich positioniert und sieht nach eigenen Worten den DKV in der Pflicht, die Interessen der Komponistinnen und Komponisten unabhängig zu vertreten. Stattdessen seien Diskussionen im Vorstand zunehmend konfliktreich verlaufen.

In seinem Schreiben wirft Eggert Teilen des Vorstands vor, der Verband werde instrumentalisiert und kritische Stimmen zur GEMA-Reform würden ausgebremst. Wörtlich beschreibt er Vorstandssitzungen als »Minenfeld« und spricht von einem Klima, in dem sachliche Arbeit kaum noch möglich gewesen sei. Nach seinen Angaben kam es wiederholt zu Rücktrittsforderungen gegen ihn sowie zu vereinsinternen Auseinandersetzungen, die zu Austritten und finanziellen Einbußen führten.

Kritik an GEMA und Verbandsstrukturen

Zugleich übt der Komponist scharfe Kritik an der aktuellen Zusammensetzung des GEMA-Aufsichtsrats, dem er eigennützige Entscheidungen zulasten bestimmter Bereiche des Musiklebens vorwirft. Er warnt vor personellen Verflechtungen zwischen GEMA-Gremien und dem DKV-Vorstand und sieht die Unabhängigkeit des Berufsverbands dadurch gefährdet. Der Verband müsse nach seiner Auffassung Interessenvertretung betreiben, ohne sich an einzelne Institutionen zu binden.

Kritik an Eggerts Internet-Aktivismus

Moritz Eggert hat sich im Rahmen seiner Präsidentschaft im DKV durch intensive Internet-Aktivitäten gegen die umstrittene Kulturförderungsreform der GEMA positioniert, darunter offene Briefe, Blogbeiträge und Social-Media-Kampagnen, die er auf Plattformen wie seinem Bad Blog Of Musick und auf Instagram veröffentlichte. Diese Beiträge, in denen er die Reform als Bedrohung für die Unabhängigkeit zeitgenössischer Komponistinnen und Komponisten darstellte, stießen auf Kritik, insbesondere aus den Reihen der Film- und Medienkomponisten (DEFKOM), die Eggert vorwarfen, mit polarisierenden und einseitigen Darstellungen den Dialog zu blockieren und den Verband zu spalten. Während Eggert-Anhänger seine Online-Aktivitäten als notwendigen Weckruf lobten, sahen Gegner darin eine unprofessionelle Dramatisierung, die zu Rücktrittsforderungen und Austritten führte.

Für die im Mai geplante Neuwahl spricht Eggert sich für einen personellen Neubeginn im Vorstand aus. In seinem Schreiben ruft er die Mitglieder auf, sich aktiv an der künftigen Ausrichtung des Verbands zu beteiligen und die Unabhängigkeit des DKV gegenüber der GEMA und anderen Institutionen zu sichern. Er betont, dass Mut, Lautstärke und Unbestechlichkeit für den Verband essenziell seien.

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