Schumann-Forscher Gerd Nauhaus mit 84 Jahren gestorben

Oktober 1, 2026
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Er gehörte zu den wichtigsten Bewahrern und Erforschern des musikalischen Erbes von Robert und Clara Schumann: Der Musikwissenschaftler Gerd Nauhaus ist tot.

Der langjährige Direktor des Robert-Schumann-Hauses in Zwickau starb am 25. September im Alter von 84 Jahren, wie die Stadt mitteilte.

Mehr als ein halbes Jahrhundert beschäftigte sich Nauhaus mit dem Leben und Werk der Schumanns. Dabei gehörte er zu einer Generation von Musikwissenschaftlern, die den Blick auf Komponisten nicht durch neue Deutungen verändern wollte, sondern durch die genaue Arbeit an den Quellen. Nauhaus machte Briefe, Tagebücher und Manuskripte zugänglich – und damit auch das private, oft widersprüchliche Leben hinter den großen Werken.

Der 1942 in Erfurt geborene Nauhaus studierte Musikerziehung, Germanistik und Musikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Nach einer Tätigkeit als Musikdramaturg am Theater Zwickau kam er 1970 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Robert-Schumann-Haus. 1985 übernahm er die Leitung des Archivs, von 1993 bis 2005 war er Direktor des Hauses.

Das Leben hinter der Musik

Zu Nauhaus’ wichtigsten Arbeiten gehören die Edition von Robert Schumanns Tagebüchern sowie die Herausgabe der Jugendtagebücher Clara Schumanns und der gemeinsamen Ehetagebücher. Gerade diese Quellen veränderten den Blick auf das berühmte Künstlerpaar: Clara Schumann erschien nicht länger nur als Ehefrau und Interpretin ihres Mannes, sondern zunehmend als eigenständige Musikerin und Komponistin.

Nauhaus gab außerdem zahlreiche Bände der »Schumann-Studien« und Notenerstausgaben von Werken Clara Schumanns heraus. Insgesamt veröffentlichte er rund 100 Bücher und Aufsätze. Seine Arbeit führte ihn weit über Zwickau hinaus und machte ihn zu einem international gefragten Ansprechpartner der Schumann-Forschung.

Zugleich blieb Nauhaus seiner Stadt und dem Robert-Schumann-Haus eng verbunden. Als Direktor erweiterte er das Archiv um bedeutende Autographen. Von 1989 an gehörte er dem Vorstand der Robert-Schumann-Gesellschaft Zwickau an, von 2006 bis 2012 war er deren Vorsitzender und anschließend Ehrenvorsitzender. Zwischen 2000 und 2008 leitete er zudem den Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerb für Klavier und Gesang.

Für seine Arbeit erhielt Nauhaus 1986 den Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau, 2008 wurde er mit der Martin-Römer-Ehrenmedaille ausgezeichnet.

Mit Gerd Nauhaus stirbt einer jener Musikwissenschaftler, deren Arbeit selten im Rampenlicht steht und ohne die unser Bild der Musikgeschichte ein anderes wäre. Er hat Robert und Clara Schumann nicht neu erfunden. Er hat dafür gesorgt, dass wir sie genauer lesen können.

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