Robert Wilson ist tot

Juli 31, 2025
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MOBY DICK von Robert Wilson (Foto: Wilson)

Der Theatermacher und Regisseur Robert Wilson starb mit 83 Jahren in New York

New York/Berlin (BC) – Der US-amerikanische Theatermacher und Regisseur Robert Wilson ist tot. Der »Visionär des Avantgarde-Theaters« starb am Donnerstag im Alter von 83 Jahren in seinem Wohnsitz im Water Mill, New York, wie das von ihm gegründete Watermill Center und sein Presseteam mitteilten. Wilson erlag einer kurzen, schweren Krankheit.

Wilson, geboren am 4. Oktober 1941 in Waco, Texas, prägte über Jahrzehnte die internationale Theater- und Opernszene wie kaum ein Zweiter. Nach Architekturstudien am Pratt Institute in Brooklyn entwickelte er einen einzigartigen Stil, der Theater, Bildende Kunst, Musik, Licht und Bewegung zu eindrücklichen Gesamtkunstwerken verband. Zu seinen berühmtesten Produktionen zählt die gemeinsam mit Philip Glass geschaffene Oper Einstein on the Beach, die 1976 beim Festival von Avignon Weltruhm erlangte und bis in die 2010er Jahre weltweit aufgeführt wurde.

Robert Wilson (Foto: Jansch)

Insbesondere in Europa galt Wilson als stilprägend für Generationen von Künstlern. Produktionen an der Berliner Schaubühne, Kooperationen mit dem Dichter Heiner Müller und Inszenierungen wie The Black Rider prägten seinen künstlerischen Ruf auch im deutschsprachigen Raum. Über sein Schaffen hinaus inspirierte Wilson als Bühnenbildner, Lichtdesigner und bildender Künstler zahlreiche nachfolgende Künstlergenerationen. Das von ihm auf Long Island gegründete Watermill Center bleibt als Labor für interdisziplinäre Kunst ein bedeutendes Vermächtnis.

Wilson und die Oper

Robert Wilson gilt als einer der wichtigsten Erneuerer des modernen Musiktheaters. Mit seinen radikal reduzierten, oft hypnotischen Bühnenbildern und dem choreographierten Spiel revolutionierte er die Opernbühne weltweit. Den internationalen Durchbruch erzielte Wilson mit Einstein on the Beach, der in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Philip Glass entstand. Die avantgardistische Oper verzichtete weitgehend auf eine klassische Handlung, setzte auf Wiederholungen und kraftvolle Bildwelten und gilt heute als Meilenstein der Operngeschichte.

Wilson inszenierte darüber hinaus zahlreiche Werke des Opernkanons neu, darunter Wagners Parsifal, Puccinis Madama Butterfly und Offenbachs Les Contes d’Hoffmann, aber auch Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten. Seine Markenzeichen – präzises Licht, strenge Komposition und ein unverwechselbares, fast meditatives Tempo – fanden an den großen Häusern der Welt Anklang, von der Metropolitan Opera in New York über die Mailänder Scala bis zur Staatsoper Unter den Linden in Berlin.

Wilson arbeitete mit renommierten Regisseuren, Komponisten und Sängern zusammen, darunter Jessye Norman, Tom Waits und Lou Reed, und prägte so Generationen von Opernschaffenden. Für viele Musiktheaterfreunde steht sein Name für eine Öffnung der Oper hin zu neuen künstlerischen Ausdrucksformen und für den Dialog zwischen den Künsten.

Robert Wilson wurde für sein Lebenswerk vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goldenen Löwen der Biennale in Venedig und dem Bundesverdienstkreuz 2014. Er galt als kompromissloser Ästhet und Perfektionist, dessen Werke ebenso für ihre Strenge wie ihre magische Bildsprache berühmt waren.

»Wir sind untröstlich, den Verlust von Robert M. Wilson bekanntgeben zu müssen«, erklärte sein Team. »Bis zuletzt arbeitete er voller Leidenschaft an neuen Projekten. Die Theaterwelt verliert einen ihrer größten Erneuerer.« Abschiedsfeiern und Gedenkveranstaltungen sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden.

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