Nobelpreisträgerin über den Mut der Kultur

November 9, 2024
1 min read

Die russische Kulturwissenschaftlerin und Menschenrechtsaktivistin Irina Scherbakowa warnt vor der Lage politischer Gefangener in Russland.


Die russische Kulturwissenschaftlerin und Menschenrechtsaktivistin Irina Scherbakowa, Mitgründerin der mittlerweile in Russland aufgelösten Organisation Memorial und Friedensnobelpreisträgerin von 2022, warnte gegenüber der österreichischen Zeitung Die Presse eindringlich vor der Lage politischer Gefangener in Russland. Zu den Inhaftierten zählen auch zahlreiche Künstlerinnen und Künstler, die häufig Isolation und Folter ausgesetzt sind.

Scherbakowa betonte, dass künstlerische Gesten in Russland zunehmend eine Form des Widerstands gegen staatliche Repression darstellen. Die staatliche Kontrolle über die Kunst habe jedoch den Druck auf Kulturschaffende massiv erhöht, sodass Schweigen für viele Kunstschaffende tödlich sei. Viele gingen daher ins Exil, während diejenigen, die bleiben und in der Diktatur aktiv bleiben, einen hohen Preis zahlen würden.

Scherbakowa stellte heraus, dass sich der staatliche Umgang mit Künstlern unter dem Putin-Regime in autoritäre und teilweise faschistische Züge verwandele, begleitet von einer ideologischen Verbindung zur russisch-orthodoxen Kirche.

Irina Scherbakowa sieht die mögliche Wiederwahl Donald Trumps kritisch und als potenziell gefährlich. Sie betont, dass seine Positionen zur Ukraine unklar und unberechenbar seien. Zudem stuft sie Trump als autoritär ein und sieht seine Wahl als Warnsignal für die politische Linke.

In ihren Augen sollte die Linke daraus lernen, da Trumps Erfolg auch eine Reaktion auf die von ihr als einengend empfundene Identitätspolitik, den militanten Feminismus und die strikte Political Correctness ist: »Trumps Wahl ist eine Kampfansage gegen die Verengung, in die sich die Linke begeben hat – mit einer Politik der Identitäten, einem militanten Feminismus, der
schlicht gegen Männer gerichtet ist, einer Political Correctness, die in sehr vulgärer
Form auftritt und diktiert, wie die Menschen sich benehmen sollen.«

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Lieber Kai Goliath Gniffke,

na, da haben Sie aber wieder einen rausgehauen! Die Qualitätsmedien müssten ihre Perspektive überdenken, haben Sie der katholischen Nachrichtenagentur gesagt: »Wir sind Anwalt der Wirklichkeit und nicht Anwalt der vermeintlich Schwachen, der

Ulrich Peters als Interimsintendant in Coburg

Das Landestheater Coburg bekommt einen neuen Intendanten: Der Theatermacher Ulrich Peters übernimmt mit Wirkung zum 1. Juni die Interimsintendanz und wird damit Nachfolger von Neil Barry Moss.

Brüssel streitet über Shani

Streit um Lahav Shani in Brüssel: Rücktritte im Bozar‑Aufsichtsrat, politische Vorwürfe und Boykottdebatten eskalieren. Der Dirigent gerät zwischen Kultur, Kritik und Nahostkonflikt.

Performatives Gähnen?

Podcast Live vom Deutschen Orchestertag: Dieses mal geht es hoch her zwischen Hannah Schmidt und Axel Brüggemann. Sie debattieren über Skandale, die Zukunft der Orchester und einen Notfonds für Kulturinstitutionen.

Erst Kultur-Club, dann Oper

Auf dem Grundstück des ehemaligen Kaufhofs am Wehrhahn in Düsseldorf soll in einigen Jahren das neue Opernhaus der Stadt entstehen; noch in diesem Sommer aber könnte bereits die Dachterrasse als provisorischer Kulturort

 Der Verbrenner-Motor der Klassik

Selbst bei Christian Thielemann bleiben inzwischen Plätze leer. Große Namen garantieren nicht mehr automatisch volle Häuser. Es wäre gefährlich, das zu ignorieren. Die Klassik droht, den Wandel zu verpennen.

Marien-Erscheinungen

Korngolds »Die tote Stadt« an der Staatsoper Hannover wurde in einer gleichermaßen durchdachten wie originellen Neuinszenierung zu einem Triumph.

Die Reichsbürger der Kultur

Ist Milo Rau der neue Schlingensief? Natürlich nicht! Ihm oder Florentina Holzinger fehlt es an Schalk, an Humor und an Schlingensiefs grundsätzlichem Verständnis von Kunst.