Neue Chorakademie bietet Freiburger Domsingschule Paroli

März 11, 2025
1 min read
Domkapellmeister Boris Böhmann während Proben mit dem Freiburger Domchor für den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Freiburg.

Affront gegen die Freiburger Domsingschule: Der gefeuerte Freiburger Domkapellmeister Boris Böhmann wird Leiter einer neu gegründeten Chorakademie in Freiburg.

English summary: Fired Freiburg Cathedral Choir Director Boris Böhmann will lead a newly founded choir academy, seen as a challenge to the Freiburg Cathedral Music. Many supported Böhmann after his dismissal, and 130 singers have already joined. The academy opens on March 11, 2025.

FREIBURG – Viele Menschen in Freiburg sind in den letzten Monaten für Boris Böhmann, den von der Erzdiözese gefeuerten Domkapellmeister, auf die Straße gegangen (BackstageClassical hat berichtet). Nun ziehen seine Unterstützer eine weitere Konsequenz, die der Kirche wehtun dürfte: In einer Art Konkurrenz zur Dommusik haben sie eine neue Chorakademie gegründet, die von Böhmann geleitet werden soll.

»Die Gründungsmitglieder der Chorakademie Freiburg sind dem Bedürfnis nachgekommen, erstklassige musikalische Leistung in einer tragfähigen und freundschaftlich verbundenen Chorgemeinschaft zu ermöglichen«, heißt es in einer Pressemeldung. »Sängerinnen und Sänger jeden Lebensalters und Ausbildung finden in der auf einem ganzheitlichen Konzept beruhenden Freiburger Chorakademie eine Heimat, in der die abendländische Chormusik auf hohem Niveau gepflegt und weitergegeben wird – getragen von der Freude am gemeinsamen Singen und einem respektvollen Miteinander.«

Boris Böhmann und andere auf der BackstageClassical Playlist bei Qobuz

Die Chorakademie nimmt am 11. März 2025 offiziell ihre Arbeit auf. Bereits 130 Sängerinnen und Sänger haben sich angemeldet, um in den verschiedenen Formationen der Chorakademie zu singen. »Es ist eine Freude, mit jungen Sängerinnen und Sängern sowie erfahrenen Chormitgliedern, die teilweise seit Jahrzehnten in der Kirchenmusik aktiv sind, gemeinsam eine lebendige Gemeinschaft zu formen und sie auf ihrem musikalischen Weg zu begleiten«, sagt Böhmann. »Dankbar bin ich für das mir entgegengebrachte Vertrauen, meine musikalische und pädagogische Erfahrung hier einbringen und in der Zusammenarbeit mit einem engagierten Team in eine gute Zukunft führen zu dürfen.«

In der Chorakademie Freiburg werden verschiedene Chorformationen vereint, die alle jeweils durch eine lebendige Chorgemeinschaft geprägt sind. Zur ansprechenden und fördernden Chorpädagogik, die motiviertes Lernen in jedem Lebensalter ermöglicht, gehören neben der stimmlichen Förderung ab auch Angebote in Musiktheorie, Einzelstimmbildung (Start: April 2025) sowie interdisziplinäre Projekte in Kooperation mit anderen Institutionen.  

Gerade erst hatte Godehard Weithoff, Diözesankirchenmusikdirektor und Leiter des Amts für Kirchenmusik, die Aufgabe Böhmanns am Freiburger Münster übernommen. Anlass des Streites war offensichtlich ein Streit zwischen Böhmann und der Leiterin der Mädchenkantorei  Martina van Lengerich. Ob es viele Abwanderungen von der Dommusik zur Chorakademie gegeben hat, ist nicht bekannt.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Liebe Künstlerinnen und Künstler,

dieses Mal war es das Berliner Boulevard-Blatt BZ, das die Kosten-Rechnung aufgemacht hat: Während man in der Hauptstadt durchschnittlich 62,20 Euro für ein Opernticket hinblättert, zahlt der Staat für jedes verkaufte Ticket noch mal 251,60

Mickischs Leitmotiv-Erbe in Buchform

Bei seinem ersten Bayreuth-Besuch traf Stephan Knies den Wagner-Experten Stefan Mickisch. Aus seiner Leidenschaft für Wagners Leitmotive entstand nun ein Buchprojekt, das seine einzigartige Analyse des »Rings« fortführt und erstmals in Buchform

Theater Chemnitz wehrt sich gegen Sparmaßnahmen

Die Theaterleitung der Städtischen Theater Chemnitz warnt vor massiven Einschnitten für das künstlerische Angebot, sollte der Vorschlag umgesetzt werden, alle Sparten künftig nur noch im Opernhaus zu bündeln und das Schauspielhaus aufzugeben.

Opernhäuser beraten Umbauten

Die führenden Opernhäuser im deutschsprachigen Raum trafen sich in München, um enger bei teuren Sanierungen und Interimsspielstätten zusammenzuarbeiten und ihre künstlerische Kontinuität zu sichern.

Graben im Klang des Schicksals

In der Komischen Oper Berlin treffen MOOR MOTHERs radikale Klangkunst und Tschaikowskis fünfte Symphonie aufeinander. Ein Abend über kollektive Erinnerung, Befreiung und die tiefen Resonanzen von Trauma und Triumph in Musik.

Anna Handler geht nach Los Angeles

Die deutsch-kolumbianische Dirigentin und Pianistin Anna Handler wird ab der Saison 2026/27 »Conductor-in-Residence« beim Los Angeles Philharmonic.

Probier doch mal was Neues!

Jeder will eine Stradivari. Wirklich jeder? Es gibt großartige Instrumente, die heute gebaut werden. Im BackstageClassical-Podcast erklärt Geigenbauerin Julia Pasch, warum ein neues Instrument durchaus Vorteile für Solisten aber auch für Orchester

Lieber Teodor Currentzis,

ich habe mich lange genug an Ihnen abgearbeitet. Besonders, als Sie noch SWR-Kohle von unseren öffentlich-rechtlichen Rundfunkgebühren kassiert haben und Ihr russisches Ensemble gleichzeitig Rubel von Gazprom und der VTB-Bank abgegriffen hat. 

Liebe Oper,

Du hast es auch nicht immer leicht. Was für schöne Namen haben wir Dir schon gegeben! Du warst unser »Kraftwerk der Gefühle« (Alexander Kluge),  »Debattenort unserer Städte« oder – ganz früher –

Verpassen Sie nicht ...