Mit Bach Mal eben die Welt retten

September 24, 2025
2 mins read
Still aus dem Film »Partita«

Der Regisseur Eric Fraad hat das Label »Heresy« gegründet und will mit Bachs Partiten die Welt retten. Ein Podcast.

English summary: Eric Fraad, director and founder of the Irish label Heresy, believes in music’s transformative power even in crisis. Moving from New York to Dublin, he left traditional opera to create hybrid works of music, theater, and dance. With Heresy, he champions concept-driven projects spanning Irish traditions to Philip Glass, aiming to revitalize classical music. His latest film Partita blends Bach, poetry, and performance to confront today’s global “polycrisis,” offering art as a path to transcendence and renewal.

Podcast auch bei ApplePodcast oder für alle andern Player

Eric Fraad, Regisseur und Gründer des irischen Musiklabels Heresy, erklärte im Podcast von BackstageClassical, warum er ausgerechnet in Zeiten der Krise an die Kraft der Musik und den Erfolg seines Labels glaubt. Fraad hat als Regisseur begonnen, zog von  New York nach Dublin und fand die traditionelle Oper irgendwann zu eng. Er entwickelte neue Theaterformen, in denen er Musik, Oper, Drama und Tanz miteinander verbindet, so brachte er etwa Oratorien wie Händels Messiah auf die Bühne.

Ein Label für neue Ideen

Die Gründung des Labels Heresy (Häresie) war anfänglich eine Möglichkeit, seine Produktionen festzuhalten. Der Name sei bewusst gewählt: »Ich wollte etwas Subversives innerhalb der konservativen Klassikwelt auf die Beine stellen. Eine Idee, die im Laufe der Zeit bereit ist, den eigenen Plan über den Haufen zu werfen.«

Das Label versteht sich als Fundgrube neuer Ideen und deckt dabei ein breites Spektrum ab: Ein Schwerpunkt ist die irische Musiktraditionen (wie die Wexford Carols) – ein Bogen von Alter Musik bis zu zeitgenössischen Komponisten wie Philip Glass. 

Am Anfang steht das Konzept

Im Gegensatz zu Repertoire-basierten Aufnahmen setzt Heresy auf konzeptgesteuerte Produktionen, die oft aus einer Zusammenarbeit mit Künstlern entstehen. Fraad glaubt, dass dieser Ansatz eine Antwort auf die Stagnation in der klassischen Musik sein könnte. Zusätzlich zu seiner Arbeit als Labelgründer weitete er sein Feld auf Video und Film aus. 

Preview von »Partita«

Fraad dreht seit über zehn Jahren Musikvideos (Pop- und Klassik) und später auch abendfüllende Spielfilme – oft mit Unterstützung des Irish Arts Council. Sein aktuelles Filmprojekt, Partita, ist ein eigenständiges Kunstwerk, das klassische Musik, Inszenierung, Film und Tanz miteinander verschmilzt. Der Film greift das Gefühl der weltweiten »Polykrise« auf, die durch Kriege, Seuchen, politische Spaltung und technologische Umbrüche gekennzeichnet ist.

Musik gegen die Polykrise

Inhaltlich geht es bei Partita um nicht weniger als um die Rettung der Welt. Zwei Magier, ein Ehepaar, das in einem spektakulären irischen Herrenhaus (dem Russborough House) lebt, laden Künstler ein, um in einer 24-stündigen Zeremonie durch besondere magische Darbietungen auf spiritueller Ebene die Welt zu heilen. Dafür wurden Bachs Partiten für Tasteninstrumente neu arrangiert und mit Texten der renommierten amerikanischen Pulitzer-Preisträgerin Jorie Graham unterlegt.

Fraad sieht in der konzeptuellen Kunst einen Weg in die Zukunft. Kunst schaffe »völlig anderen Raum, egal ob dieWelt religiös geprägt war oder wie heute säkular ist, die Menschen haben in der Kunst immer nach ähnlichen Erfahrungen gesucht: Nach Transzendenz, Freude und einer Perspektive«.

Link zum Label Hersey

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

BackstageClassical ist in den Sommerferien

Die Klassik-Welt dreht weiter, aber wir machen Ferien. Am 1. September sind wir wieder für Sie da – mit täglichen News aus der Welt der Klassik. Bis dahin hier ein wenig Lektüre und

Publikumsbeschimpfug ist auch keine Lösung, Herr Mondtag

Ersan Mondtag nennt das Salzburger Publikum nach den Buh-Rufen für seine „Ariadne auf Naxos“ provinziell. Doch wer Kritik als Unfähigkeit abtut, verwechselt künstlerischen Anspruch mit Überheblichkeit – und verliert den Respekt vor

Friedman, Rienzi, Ring und Co. – eine Bayreuth-Bilanz

Peter Huth, ehemaliger Chefredakteur der Welt am Sonntag und Kommunikationschef von Axel Springer, bespricht mit Axel Brüggemann die erste Festspielwoche im Podcast von BackstageClassical. Auch Nathalie Stutzmann, Michel Friedman oder Katharina Wagner

Warum fällt Hinterhäuser der Abschied so schwer?

Markus Hinterhäuser ist nicht mehr Intendant der Salzburger Festspiele. Dennoch ist er allgegenwärtig. Der Streit um seine Trennung wirft Fragen nach Transparenz auf – und nach der Fähigkeit, ein Amt auch wirklich

Rienzi ist Wagners Monster

Die Dirigentin Natalie Stutzmann und die Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka haben in Bayreuth mit ihrer Lesart von Wagners Rienzi begeistert – hier blicken sie hinter die Kulissen und erklären Ihre Ansätze.

Neuer Blick auf Karajan

Karajans Rolle im Nationalsozialismus muss historisch genau betrachtet werden, sagt Biograf Wolfgang Rathert und fordert wissenschaftliche Sachlichkeit in der Karajan-Debatte. Dabei attestiert er dem Dirigenten Skrupellosigkeit in seiner Karriere.

12 Wurstfinger und ein König

Der KI-Ring in Bayreuth ist ein anstrengendes Unterfangen. Die von Marcus Lobbes kuratierten Bilder erinnern an die Pionierzeit der künstlichen Intelligenz. All das scheint nicht nur das Publikum abzulenken, sondern auch das

Diktator sind wir alle

150 Jahre Bayreuth: Zwischen Festakt und Rienzi drehen die Festspiele ihre eigene Geschichte durch den Necker-Würfel. Ein Essay über Erinnerung, Macht, Populismus – und die Verantwortung jedes Einzelnen.

Lieber Igor Levit,

Igor Levit und Danger Dan dürfen beim ZDF nicht auftreten – nun stilisieren sie sich zum Opfer. So geht PR.

Verpassen Sie nicht ...