Mit einer bewegenden Rede bei den Bayreuther Festspielen mahnt Michel Fiedman dazu, die Freiheit zu verteidigen, indem wir uns der Vergangenheit stellen.
Hier die wichtigsten Passagen seiner Rede:
1. Richard Wagner und der Antisemitismus
Michel Friedman eröffnet mit zwei Zitaten Richard Wagners aus Das Judenthum in der Musik (1850). Sie zeigen, dass Wagners Judenhass kein Randaspekt seiner Biografie war, sondern Teil seines Weltbildes. Gerade deshalb dürfe Bayreuth die Geschichte des Komponisten nicht von seinem Werk trennen.
„Der Jude […] herrscht und wird so lange herrschen als das Geld die Macht bleibt vor welcher all unser Tun und Treiben seine Kraft verliert. Wir haben nicht erst nötig, die Verjüdung der modernen Kunst zu bestätigen, sie springt in die Augen und bestätigt sich den Sinnen von selbst.“
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2. Schluss mit dem Schweigen
Ein zentrales Motiv der Rede ist die Kritik am jahrzehntelangen Schweigen über Bayreuths NS-Vergangenheit. Friedman stellt den berühmten Aufruf Wielands und Wolfgang Wagners von 1951 der heutigen Erinnerungskultur gegenüber und dankt Katharina Wagner dafür, diesen Kurs bewusst zu verlassen.
„Im Interesse einer reibungslosen Durchführung der Festspiele bitten wir von Gesprächen und Debatten politischer Art auf dem Festspielhügel freundlichst absehen zu wollen. Hier gilt’s der Kunst.“
Dazu sagt Friedman:
„Ich möchte mich bei Katharina Wagner bedanken, dass das 150. Jubiläum der Bayreuther Festspiele, 75 Jahre nach den ersten Nachkriegsspielen, sich diesem Wunsch ihres Vaters und ihres Onkels von 1951 entgegenstellt.“
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3. Die Lebenslügen der Nachkriegszeit
Friedman weitet den Blick von Bayreuth auf die Bundesrepublik insgesamt. Das Schweigen über die NS-Zeit sei kein Bayreuther Sonderfall gewesen, sondern Ausdruck einer Gesellschaft, die sich lieber entlastete, als sich ihrer Vergangenheit zu stellen.
„Wie Wieland und Wolfgang Wagner wünschte sich auch der Makrokosmos – die Bundesrepublik Deutschland – im Interesse einer reibungslosen Entnazifizierung der eigenen Lebensfestspiele und Biografien von Millionen Menschen, Gespräche und Debatten politischer Art zu verbannen. Die Lebenslegenden, der Selbstbetrug, waren mit vielen Ausnahmen Alltag geworden.“
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4. Antisemitismus als Warnsignal der Demokratie
Friedman verbindet Geschichte mit der Gegenwart. Antisemitismus sei nicht nur ein Problem für Juden, sondern ein Gradmesser für den Zustand einer demokratischen Gesellschaft. Seine Warnung richtet sich ausdrücklich an die gesamte Öffentlichkeit.
„Der Judenhass ist das Thermometer für den Zustand der Demokratie. Das Thermometer hat aktuell einen Wert von 40 Grad.“
Er ergänzt:
„Jüdisches Leben war seit 1945 in diesem Land […] noch nie so gefährdet wie heute.“
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5. Bayreuth als Ort der Erinnerung
Zum Schluss richtet Friedman einen konkreten Appell an die Festspiele. Bayreuth solle nicht nur seine künstlerische Tradition pflegen, sondern dauerhaft die Geschichte Richard Wagners und seiner Familie dokumentieren. Erinnerung müsse Teil des Ortes selbst werden.
„Ich würde mir wünschen, dass in diesem Festspielhaus, im nächsten Jahr, bei den 151. Festspielen, im Foyer eine Dauerausstellung über die antisemitische Biografie des Musikers Richard Wagner Realität werden würde. Und über die naziaffine Familiengeschichte bis weit in die Siebzigerjahre.“
Sein Schluss fasst die Botschaft der gesamten Rede zusammen:
„Alles geht – wenn wir es wollen. Ich will. Wollen Sie auch?“

