Liebe Konzertdirektion Adler,

Dezember 2, 2025
1 min read
Anzeige bei Facebook.

ich weiß, der Klassik-Markt ist kein leichter! Aber, hey: Wie tief müsst ihr denn noch sinken, um Eure Igor-Levit-Karten an die Männer und Frauen zu bringen? Erst muss der arme Mann einen gelben Jonas-Kaufmann-Gedächtnis-Weihnachts-Pulli mit roten Sternchen anziehen, und wir sollen Tickets zu seinen Konzerten im März 2026 auf die Gabentische legen. Meinetwegen.

Aber wie geht das damit zusammen, dass wir gleichzeitig (Achtung: O-Ton Eurer Werbung!) »Ein wahres Once-in-a-Lifetime-Ereignis« besuchen sollen, wenn Igor gemeinsam mit Iván Fischer (mit dem Budabest Festival Orchestra!) in Berlin auftritt? Ein Ereignis, das man – so sagt ihr – nur ein Mal im Leben erleben kann: und das gleich an drei Abenden!

Superlativismus! Ich weiß, wenn Igor Brahms spielt, ist niemand so genial wie Johannes, spielt er Beethoven, ist keiner so toll wie Ludwig – nun tritt er mit Iván auf: einmalig im Leben! Was sagt Christian nur dazu? Oder ist der bei einem andern Veranstalter?  Ach ja, und im Januar tritt Igor auch mit Iván auf – dann allerdings »nur« mit den Wiener Philharmonikern.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Die 5 der Woche: Zwischen Meeresrausch und Orgelwahn

Fünf neue Aufnahmen, fünf kleine Abenteuer: Vaughan Williams zwischen Meer und Monument, Galuppis Geschlechterkampf auf der Operninsel, Kopatchinskaja und Say im kontrollierten Wahnsinn, Hans Winterberg als große Wiederentdeckung – und Alkan mit

Lob und Kritik : Thielemann bleibt bis 2034 in Berlin

Die Berliner Staatsoper verlängert die Verträge von Christian Thielemann und Elisabeth Sobotka. Doch die Entscheidung ist nicht unumstritten: Kritik gibt es am Zeitpunkt, an Thielemanns künstlerischer Ausrichtung und zuletzt auch an leeren

Liebe Anne, Gemütlichkeit ist keine Kunst!

BRSO-Musikerin Anne Schoenholtz wirft Axel Brüggemann auf Instagram mangelnden Respekt vor Simon Rattle vor. Hier antwortet der Autor mit einem Brief über die Kunst der Polemik, die Wohlfühlwelt der Orchester und die

Vom Kopf auf die Füße?

In den letzten Wochen ist bei BackstageClassical die Welt der Vorsingen für Opernhäuser unter die Lupe genommen worden. Hier schreibt der Geschäftsführende Dramaturg der Oper Rostock, Stephan Knies, warum derartige Wettbewerbe gar

Gefangen in der Erinnerung

Die Hölle hat ein Gedächtnis. In ihr wird das Vergangene zur dauernden Gegenwart. Pascal Dusapins »Il Viaggio, Dante« macht diese Wiederkehr an der Staatsoper Hannover zu einer bemerkenswerten Theatererfahrung: Claus Guths Inszenierung

Die fünf Neuerscheinungen der Woche

Fünf neue Aufnahmen, fünf sehr unterschiedliche Welten: Schostakowitsch mit Wucht und Tiefenschärfe, eine fast vergessene Revolutionsoper, Barock zwischen Himmel und Hölle, Fatma Said vor den Pyramiden – und Susan Tomes mit einem

Lieber Simon Rattle,

Simon Rattle verlängert seinen Vertrag beim BRSO. Als Maskottchen ist das sicherlich eine gute Wahl – aber musikalisch stagniert das Orchester.

Verpassen Sie nicht ...