GEMA-Reform ist gescheitert

Mai 15, 2025
1 min read
Ein Extrablatt ist eine Zeitungsbeilage der »Neuen Musikzeitung«, die offensichtlich auf der Konferenz gelesen wurde (Foto: Privat)

Verleger und Komponisten haben auf der Generalversammlung der GEMA gegen die vorgebrachte Reform der Geldverteilung zwischen E- und U-Musik gestimmt. Nun muss neu verhandelt werden.

English summary: At GEMA’s general assembly, composers voted against the proposed reform of royalty distribution between serious (E) and popular (U) music. The reform failed, prompting a fresh round of negotiations. Critics argued it created new injustices and lacked proper dialogue with E-music composers.

Heute ist bei der Generalversammlung der GEMA die von der Verwertungsgesellschaft eingebrachte Reform der Verteilungsschlüssel zwischen E- und U-Musik gescheitert (Hintergründe hier). Die GEMA wollte die Verteilungsschlüsse zwischen E- und U-Musik neu ausrichten, hatte dabei aber einen Großteil der E-Musik Komponistinnen und Komponisten nicht mitgenommen. Das rächte sich nun offensichtlich in den Abstimmungen.

Sowohl die Kurie der Verleger als auch der Komponisten stimmte gegen die Reform, die unter Punkt 22a eingebracht wurde. Die Ablehnung des Antrags durch nur eine Kurie hätte bereits gereichte, um das Vorhaben scheitern zu lassen.

Mit dem Abstimmungsergebnis haben sich die E-Musik Komponisten gegen den größeren Teil der U-Musiker durchgesetzt, unter anderem sprach sich der Musiker Helge Schneider noch während der Konferenz für eine Reform aus. Ausschlaggebend für den überraschenden Sieg war wohl, dass die Kritiker der Reform mit ihrer Argumentation überzeugen konnten, dass eine Neuordnung nur im Dialog funktionieren könne, und dass die aktuellen Pläne sowohl im Bereich von E-Musik als auch in der U-Musik neue Ungerechtigkeiten geschaffen hätte.

Es mag ein Zufall gewesen sein, aber als die Verstorbenen des Jahres gewürdigt wurden, fehlten zwei wichtige Komponisten: Peter Ablinger und Wolfgang Rihm, der langjähriger Aufsichtsrat und Preisträger der GEMA war. Für manche Klassik-Künstler im Publikum ein Zeichen, welche Rolle die GEMA-Verantwortlichen der E-Musik zudenken.

Der Vorsitzende des Deutschen Komponistenverbandes, Moritz Eggert, der den Protest gegen die geplante Reform mit organisiert hatte, zeigte sich gegenüber BackstageClassical erleichtert. »Als Präsident des DKV repräsentiere ich sowohl U als auch E, daher bin ich grundsätzlich für eine Reform. Die vorliegende Reform hätte jedoch viele Probleme für beide Sparten mit sich gebracht und vor allem dem sehr großen E-Musik-Umfeld irreparablen Schaden zugefügt. Ich bin froh, dass wir das gemeinsam verhindern konnten und der GEMA signalisiert haben, dass dringender Redebedarf besteht. Die Kulturschaffenden müssen in eine solche Reform einbezogen werden, denn das Thema ist zu groß, um es hinter verschlossenen Türen zu besprechen. Ich kann nur hoffen, dass dieser Weg gemeinsam beschritten werden kann.«

Es ist davon auszugehen, dass eine Reform der GEMA-Verteilungsmechanismen nun vollkommen neu aufgerollt wird, wahrscheinlich im engen Dialog aller drei Kurien.

Korrektur: In einer älteren Version dieses Textes hieß es, dass das »Extrablatt« auf dem Foto verteilt wurde, um die Ablehnung der Reform zu feiern. Es handelt sich aber um eine Zeitungsbeilage der »Neuen Musikzeitung«, die bereits vor der Konferenz gedruckt und verteilt wurde.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Liebe Buhrufer,

ich war einer von Euch. Was habe ich gebuht, damals, in Stuttgart – beim Ring von vier Regisseuren. Ich habe die Inszenierungen persönlich genommen. Als Beleidigung meiner Wagner-Welt. Ach was: Meines Weltbildes!

Buhs zur »Todesfuge«?

Samstagabend im Stuttgarter Opernhaus: Es gibt Zwischenrufe in der »Meistersinger«-Premiere, ausgerechnet in der »Todesfuge«. Versuch einer Einordnung von Johannes Lachermeier.

Lieber Simon Strauß,

vollkommen legitim, dass Sie Ihre FAZ-Feder spitzen, um Intendant Hinterhäuser im Amt zu halten. Merkwürdig nur, wie Sie das tun: Sie wittern eine Intrige gegen den kongenialen »König« und schieben die Schuld

Der auf den Grenzen tanzt

Biografie eines genialen Exzentrikers: »Pianist – Musiker – Freigeist« heißt ein Buch, in dem sich der Musikwissenschaftler Rüdiger Albrecht den ganz unterschiedlichen Facetten von Friedrich Gulda widmet. Ein exklusiver Vorabdruck bei BackstageClassical.

Dear Yannick Nézet-Séguin,

The conductor defends the clumsy waltz version of Florence Price at the New Year’s Concert — and in doing so also reveals himself.

Tenor Aaron Pegram verstorben

Die Semperoper Dresden trauert um den Tenor Aaron Pegram. Wie das Opernhaus am Montag mitteilte, starb das langjährige Ensemblemitglied am Sonntag in Dresden völlig unerwartet. Pegram gehörte seit der Spielzeit 2009/10 zum

Schlittenfahren mit der Musik 

heute mit einem Neujahrsschwindel, weiteren Entlassungen in der Musikkritik, mit Blicken hinter die Salzburger Festspiel-Kulissen und einer sportlichen Enttäuschung.

Lieber Daniel Froschauer,

Der Vorstand der Wiener Philharmoniker weist Kritik am Arrangement von Florence Prices »Rainbow Waltz« zurück – und macht die Sache damit nur noch schlimmer.

Lieber Michael Andor Brodeur,

Sie sind die gewissenhafte Klassikstimme der Washington Post. Keiner, der große Themen ausgräbt, der Musik in die Mitte der Gesellschaft stellt – aber ein guter Kritiker. Einer der alten Schule.  Nun müssen Sie

Verpassen Sie nicht ...