Die Schlichtheit des großen Dramas

April 20, 2024
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Die Jenufa in der Inszenierung von Tatjana Gürbaca in Duisburg (Foto: Theater Duisburg, Aumüller)

Tatjana Gürbaca inszeniert Jenůfa in Duisburg – das letzte Dirigat von Axel Kober als GMD. Eine kleine Presseschau.

Eine große Premiere, die trotz höchster musikalischer Qualität und packender Inszenierung nicht wirklich gut besucht war: Tatjana Gürbaca inszenierte Leoš Janáčeks Oper Jenůfa als intimes Drama auf engstem Raum. Heiko Schmitz schreibt in der Rheinischen Post: »Alles spielt sich während dieser fast drei Stunden auf einer Bühne ab, deren Bild sich nur durch die Bewegung der Akteure verändert und die einer riesigen Holzkrippe mit Spitzdach gleicht.«

Judith von Sternburg schwärmt in der Frankfurter Rundschau: »Nur wir wissen, dass Jenufa, die bereits schwanger war, heimlich entbinden muss und die Küsterin das Kind tötet, damit der eifersüchtige Mitbewerber von einst die verlassene Jenufa nimmt. Alle bekommen dann wieder mit, wie der kleine Leichnam gefunden wird und der Alptraum der Küsterin wahr wird. Alle zeigen mit dem Finger auf sie, und zu Recht. Was hart und schlimm wirkt, was auch hart und schlimm ist, wird unter Gürbacas Händen nun aber ein zartes menschliches Schicksal.«

Christoph Schulte im Walde schreibt in der NMZ: »Bei Gürbaca ist Jenůfa eine, die trotz aller Ängste, die sie wegen ihres unehelichen Kindes aussteht, stetig an Selbstbewusstsein gewinnt. Aus allen Tragödien, die ihr widerfahren, scheint sie Kraft und Ruhe zu generieren, um ihr Schicksal zu meistern. Und Jacquelyn Wagner singt durchsetzungsfähig, schlicht und geradeheraus. Sie legt Angst und Gefühle gnadenlos offen. Und eben deshalb offenbart sie Jenůfa als eine durchweg starke Person.« 

Patrick Bahners in der FAZ über die Musik: »Generalmusikdirektor Axel Kober, der die letzte Premiere seiner vierzehnjährigen Amtszeit dirigiert, achtet strikt auf Präzision und lässt das Orchester gleichwohl atmen. Es soll nicht wie eine Maschine klingen; die Industrialisierung kam sozusagen noch nicht bis ins mährische Bauernleben.« Die NMZ stimmt zu: »Axel Kober und die Duisburger Philharmoniker lassen Janáčeks zutiefst emotionale Musik durchscheinend ertönen, drehen in den richtigen Momenten aber auch mal richtig auf und zeichnen so das Drama auf der Bühne packend und unmittelbar im Graben nach.«

Die FAZ bejubelt ebenfalls die schlichte Inszenierung: »Auf der Duisburger Bühne ist kein Requisit aus der romantischen Müllerswelt zu sehen, weder Mehlsack noch Brotlaib, und das Schicksalssymbol des Mühlrads schon gar nicht. Und doch ist das Verhältnis der Inszenierung zum Werk buchstäblich realistisch im Sinne eines abbildenden Verfahrens.« Bahners schreibt: »Der Jubel für das Sängerensemble, namentlich Rosie Aldridge (Küsterin), Jacquelyn Wagner (Jenůfa) und Laca (Giorgi Sturua) gilt der Kunst, eine Linie herauszuholen und durchzuziehen, wo in den Noten Schleifen stehen.« 

★★★★☆

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