Dresden will fünf städtische Kultureinrichtungen in zwei Eigenbetrieben zusammenführen. Eigentlich eine vernünftige Idee. Aber aus der Reform ist ein Projekt mit Sparvorgaben in Millionenhöhe geworden. Wie konnte das passieren?
In Dresden wird fusioniert. Die Philharmonie und die Musikfestspiele sollen künftig gemeinsam organisiert werden. Auch Staatsoperette, Theater Junge Generation (tjg) und HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste sollen unter einem organisatorischen Dach zusammengefasst werden. Der ursprüngliche Plan war: Eine gemeinsame Verwaltung könnte Kosten sparen, ohne die künstlerische Eigenständigkeit anzutasten.
Doch inzwischen hat sich die Debatte verändert. Für die drei Einrichtungen des geplanten Eigenbetriebs Bühne stehen Einsparungen von rund 7,2 Millionen Euro bis 2031 im Raum. Die Staatsoperette befürchtet, dass bis zu 20 Prozent der Stellen gefährdet sein könnten.
Am Anfang stand ein anderes Versprechen
Die ursprünglichen Pläne wurden im Januar 2026 im Kulturausschuss vorgestellt. CDU-Kulturpolitiker Mario Schmidt hielt eine Zusammenführung grundsätzlich für sinnvoll, kritisierte aber die Einbeziehung von HELLERAU. Das Projekt sollte auf 2029/2030 verschoben werden.
Noch am 17. Juni erklärte David Klein, Leiter des Amtes für Kultur und Denkmalschutz, explizit, dass die Fusion nicht als Sparprojekt geplant sei. Die Häuser sollten ihre Profile behalten. Vor allem aber versprach Klein, dass weder Stellen abgebaut noch Zuschüsse reduziert würden. Die Devise war: Die Kultur sollte ihre Mittel besser einsetzen, nicht schrumpfen.
Der Haushalt verändert die Reform
Aber Dresden steht – wie viele andere Städte in Deutschland – unter massivem finanziellem Druck. Mit den Planungen für den Doppelhaushalt 2027/2028 hat sich die Dimension der strukturellen Neuordnung massiv verändert.
Kommentar
Die Kassen sind klamm, überall fehlt Geld: beim Publikum und beim Staat. Kultur wird noch immer nachgefragt, aber der öffentliche Rückhalt in der Bevölkerung scheint zu schwinden. Viele Menschen haben gerade andere Probleme.
In dieser Ausgangslage ist die Politik verlockt, schnelle und brutale Sparmaßnahmen einzuleiten. Wir sehen das in Dresden, in Bonn, Chemnitz, in Berlin und in ganz Sachsen.
Klar, die Politik (das Gemeinwesen von uns allen!) muss sparen. Aber viele Beschäftigte im Kulturbereich haben längst verzichtet, in Chemnitz ebenso wie in Dresden.
Gleichzeitig ist nicht zu verhehlen, dass die Krise uns vor Augen führt, wie veraltet und aufgebläht die Strukturen unserer Kulturbetriebe zum Teil sind. Dass Strukturen zu unflexibel geworden sind und manche Institutionen nicht mehr auf der Höhe der Zeit spielen, dass wir es mit einem uverhätnismäßigen Paygap zwischen wenigen Millionenverdienern und sehr vielen prekär Beschäftigten in der Kultur zu tun haben. Es ist unübersehbar, dass unser System krank ist!
Dass ein von Entlassung bedrohter Audi-Mitarbeiter gerade wenig Verständnis für die Privilegien der Kultur hat, ist nachvollziehbar. Aber das darf nicht dazu führen, dass die Politik jetzt kurzen Prozess macht.
Niemand stellt die Notwendigkeit eines grundlegenden Strukturwandels infrage. Es gibt gute Beispiele, etwa die Gründung der Berliner Opernstiftung in den 2000er Jahren.
Jetzt ist die Zeit, gemeinsam zu überlegen, welche Kultur wir wollen, wie viel sie uns wert ist – und in welchen Strukturen sie stattfinden soll. Dabei können durchaus neue Mischformen entstehen: Stagione neben Ensembletheatern, Spielstätten für freie Gruppen neben Häusern mit eigenen Ensembles. Es geht darum, die Kreativität der Kultur endlich auch für ihre Strukturen zu nutzen.
Was nicht geht, ist ein reflexhaftes Festhalten an überkommenen Privilegien. Aber was noch weniger geht, ist ein abrupter, radikaler Raubbau an der Kultur.
Inzwischen ist geplant, dass die Einrichtungen einen Teil ihrer Kostensteigerungen selbst auffangen. Für den künftigen Eigenbetrieb Bühne stehen Einsparungen von 7,2 Millionen Euro im Raum.
Und hier liegt die Crux: Werden Zuschüsse begrenzt und Tarifsteigerungen nicht ausgeglichen, entsteht zusätzlicher Spardruck. Viele Beobachter zweifeln inzwischen an, dass die erhofften strukturellen Synergien ausreichen, um die Sparvorgaben zu erfüllen.
Die Staatsoperette spricht von einer »Mogelpackung«
Besonders deutlich protestiert die Staatsoperette. Intendantin Kathrin Kondaurow nennt den »Zukunftspakt Kultur« eine »Mogelpackung«. Nach Berechnungen des Hauses könnten bis zu 20 Prozent der Stellen wegfallen – nicht nur in Verwaltung und Technik, sondern auch in Orchester, Chor, Ballett und Solistenensemble. Als rechnerische Alternativen nennt das Theater eine Verdopplung der Eintrittspreise, eine Halbierung des Spielplans oder mehr kommerzielle Vermietungen.
Nach Angaben des Hauses haben Beschäftigte zwischen 2009 und 2021 bereits auf acht Prozent ihres Gehalts verzichtet. Inzwischen wenden sich Ensemblemitglieder nach Vorstellungen unter dem Motto »Damit der Vorhang offenbleibt« ans Publikum.
Nicht jede Fusion ist gleich
Hinzu kommt: Die drei Bühnen arbeiten grundverschieden. Das tjg macht Kinder- und Jugendtheater, die Staatsoperette unterhält eigene Musiktheaterensembles, HELLERAU produziert und präsentiert zeitgenössische Kunst mit internationalen Gästen und freien Gruppen. Auch Philharmonie und Musikfestspiele arbeiten mit unterschiedlichen Strukturen.
Während Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) den Haushalt stabilisieren will und Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch auf Gespräche mit den Häusern und dem Stadtrat setzt, wenden Kritiker sich nicht grundsätzlich gegen Synergien, sondern gegen Sparziele, deren Folgen für die Kunst noch nicht geklärt sind.
Die Haushaltsentscheidungen stehen noch aus. Offen ist vor allem, wie die 7,2 Millionen Euro erreicht werden sollen und welcher Anteil tatsächlich durch gemeinsame Verwaltung eingespart werden kann.

