Die 5 der Woche: Zwischen Bach, Gipfelrausch und Wiederentdeckungen

November 7, 2026
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Die 5 der Woche (Bild: KI)

Fünf Aufnahmen, fünf sehr eigene Welten: Víkingur Ólafsson setzt seinen Bach-Kosmos fort, Sophie Heinrich und Maria Radutu rücken Komponistinnen ins Zentrum, Thomas Adès verbindet Kurtág, Tippett und eigene Musik – dazu Strauss ganz analog auf dem Gipfel und Havergal Brian als erstaunliche Wiederentdeckung aus der britischen Musikgeschichte.

Bach: »Continuum II« – Víkingur Ólafsson, Siggi String Quartet, Xun Yang · Deutsche (Grammophon)

Er kann es einfach! Ólafsson ist ein moderner Bach-Inbterpret, der die Partituren nicht als Heiligtum behandelt – aber mit größtem Respekt. Nun hat er Bach neu zusammengesetzt: Choralbearbeitungen, Klaviertranskriptionen und Kammermusik. Eine intime Fortsetzung von Ólafssons schier unendlichem  Bach-Kosmos. Großartig!

★★★★☆

Sophie Heinrich / Maria Radutu: »All About Eve« – Sophie Heinrich, Violine; Maria Radutu, Klavier (Quinton Records)

Ein starkes Plädoyer für Komponistinnen – und für einen anderen Blick auf Musikgeschichte. Heinrich und Radutu spielen Werke unter anderem von Amy Beach, Dora Pejačević, Lera Auerbach, Florence Price, Nkeiru Okoye und Nadia Boulanger. Das Programm verbindet Bekanntes und Entdeckungen zu einem sehr persönlichen Kammermusik-Statement. Gerade deshalb gehört es unbedingt in die Wochen-Auswahl.  Zum Interview mit den beiden: Hier entlang!

★★★★☆

Kurtág, Adès, Tippett: Konzerte und Orchesterwerke – Anthony Marwood, Nicolas Altstaedt, Dénes Várjon, Hallé Orchestra, Thomas Adès · (Hallé)

Kllug! Thomas Adès stellt seine eigenen Werke neben György Kurtág und Michael Tippett. Kurtágs Doppelkonzert für Klavier, Cello und Orchester ist konzentriert, spröde und hochexpressiv; Adès steuert mit »Air – Homage to Sibelius« und der orchestrierten Fassung von »Lieux retrouvés« zwei sehr persönliche Stücke bei. Den großen Abschluss bildet Tippetts rund halbstündiges Tripelkonzert mit Violine, Cello und Klavier. Ein Album, das nicht nach »Neuer Musik« klingt, sondern nach drei sehr eigenen musikalischen Welten. 

★★★★☆

Richard Strauss: »Eine Alpensinfonie« – Wiener Symphoniker, Petr Popelka (Accentus Music, LP)

Nichts zu Streamen, stattdessen: Strauss ganz analog: Die Wiener Symphoniker und ihr Chefdirigent Petr Popelka haben die »Alpensinfonie« live im Großen Saal des Wiener Musikvereins aufgenommen – im Reel-to-Reel-Verfahren, und ohne digitalen Zwischenschritt. 180 Gramm, nummerierte Edition, 51 Minuten orchestraler Rausch zwischen Nacht, Gipfel, Gewitter und Abstieg. Hier gehrt es wuchtig zur Sache! 

★★★★☆

Havergal Brian: »Psalm 23«, »By the Waters of Babylon«, »Doctor Merryheart« – BBC National Orchestra & Chorus of Wales, Martyn Brabbins · (Lyrita)

Eine echte Repertoireentdeckung. Havergal Brian ist bekannt für seinbe monumentalen Sinfonien. Hier wird sein Frühwerk beleuchtet: Die komische Ouvertüre »Doctor Merryheart« entstand 1911/12, »Psalm 23« beschäftigte Brian über rund vier Jahrzehnte, und »By the Waters of Babylon« musste nach seinem Tod aus dem erhaltenen Klavierauszug rekonstruiert werden. Spätromantischer Klangfülle, britische Chortradition und erstaunliche Eigenwilligkeit.

★★★★☆

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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