Die Highlights der neuen Opern-Saison

August 27, 2026
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So wirbt die Hamburgische Staatsoper für Macbeth (Foto: Hamburgische Staatsoper)

Die neue Opernsaison steht vor der Tür – und selten war die ästhetische Vielfalt so groß. In drei Teilen hat BackstageClassical die Spielpläne der wichtigsten Häuser gecheckt: Was macht neugierig, wo regiert die Oper von der Stange – und wer traut sich wirklich etwas?

English summary: The new opera season is just around the corner – and rarely has there been such a wealth of aesthetic diversity. In three parts, BackstageClassical has taken a close look at the programmes of the leading opera houses: What sparks curiosity, where does opera-by-numbers rule – and who really dares to take risks?

Im ersten Teil führen Hamburg und Dresden das Feld an. Tobias Kratzer lockt in seiner zweiten Saison als Intendant mit Petruschka, Henzes El Cimarrón und eigenen Inszenierungen von Macbeth und Guillaume Tell. Dresden überzeugt mit Eva-Maria Höckmayrs Rienzi, Martinůs Greek Passion und spannenden Trouvaillen. Auch Aviel Cahn setzt an der Deutschen Oper Berlin mit Stockhausens Mittwoch aus Lichtgleich ein Ausrufezeichen.

Teil zwei zeigt: Auch jenseits der großen Häuser wird gesucht. Leipzig stemmt trotz Spardruck Saariahos Innocence, Dortmund entdeckt Magnards Guercœur, Weimar setzt mit Valentin Schwarz auf Dialog und Widerspruch. Am radikalsten bleibt Kassel: Florian Lutz mischt Wagner mit Gegenwart, Revolution, Heavy Metal und neuen Formen.

Im dritten Teil wird manches etwas muffiger. Stuttgart setzt auf alte Provokations-Garanten, die Komische Oper erneut auf Ex-Intendant Barrie Kosky. Spannender sind Hannover mit Dusapins Il Viaggio Dante und Nürnberg mit Anno Schreiers Mafia-Oper Cosa nostra. Die Volksoper Wien wiederum pflegt unbeirrt ihr ganz eigenes Regenbogen-Wien. Fazit: Oper 2026/27 kann vieles sein – Experiment, Eskapismus, Klassiker und Gegenwart. Nur eines sollte sie möglichst nicht sein: langweilig.

Diese 10 Premieren sollten Sie 2026/27 auf keinen Fall verpassen:

12. September 2026 – Hamburgische Staatsoper: Verdi, Macbeth
Dirigent: Tomás Hanus | Regie: Tobias Kratzer
Hamburg startet in die zweite Saison der Intendanz Kratzers: Er eröffnet mit Verdis Macbeth – und inszeniert später auch Rossinis Guillaume Tell.

16. September 2026 – Komische Oper Berlin: Reimann, Lear
Dirigent: Nicholas Carter | Regie: Barrie Kosky
Barrie Kosky kehrt zu einem der großen deutschen Opernwerke des 20. Jahrhunderts zurück. Reimanns Lear ist ein Brocken aus Macht, Wahnsinn und Familienzerstörung – und ziemlich genau das Material, an dem Koskys Theater seine Stärken ausspielen kann.

19. September 2026 – Deutsche Oper Berlin: Stockhausen, Mittwoch aus Licht
Dirigenten: Maxime Pascal / Jeremy Bines | Regie: Susanne Kennedy / Markus Selg
Der wahrscheinlich verrückteste Abend der Saison: Hubschrauber-Streichquartett, Weltparlament, kosmische Visionen. Stockhausens Mittwoch aus dem monumentalen Licht-Zyklus trifft auf die Bilderwelten von Susanne Kennedy und Markus Selg. Allein der Größenwahn macht neugierig.

10. Oktober 2026 – Staatsoper Hannover: Dusapin, Il Viaggio, Dante
Dirigent: Roland Kluttig | Regie: Claus Guth
Pascal Dusapins monumentale Reise durch Dantes Welt ist eines der faszinierendsten Musiktheaterwerke der jüngeren Vergangenheit. Claus Guth inszeniert, Roland Kluttig dirigiert. Hannover setzt damit ein Zeichen für die Gegenwart – statt nur den Kanon neu zu verpacken.

29. Oktober 2026 – Bayerische Staatsoper München: Wagner, Siegfried
Dirigent: Vladimir Jurowski | Regie: Tobias Kratzer
Der Münchner Ring geht weiter. Nach Rheingold und Walküre treffen Kratzers Wagner-Welt und Jurowskis analytischer Zugriff nun auf den schwierigsten Helden des Zyklus: Siegfried. Im Juni folgt mit der Götterdämmerung der Abschluss.

28. November 2026 – Staatstheater Nürnberg: Anno Schreier, Cosa Nostra
Dirigent: Jan Croonenbroeck | Regie: Jens-Daniel Herzog
Eine Mafia-Oper als Uraufführung: Anno Schreier beschäftigt sich mit Macht, Gewalt und den Strukturen des organisierten Verbrechens. Nürnberg zeigt damit, dass neue Oper nicht immer nach abstraktem Diskurstheater aussehen muss.

24. Januar 2027 – Hamburgische Staatsoper: Rossini, Guillaume Tell
Dirigentin: Susanna Mälkki | Regie: Tobias Kratzer
Rossinis gewaltige Freiheitsoper im Hamburger Zirkuszelt: Schon diese Kombination ist einen Besuch wert. Dazu Susanna Mälkki am Pult und Tobias Kratzer auf der Bühne. Eine Grand opéra über Revolution, Unterdrückung und Freiheit – ziemlich viel Material für die Gegenwart.

4. Februar 2027 – Bayerische Staatsoper München: John Adams, Doctor Atomic
Dirigentin: Gemma New | Regie: Claus Guth
Oppenheimer und die Geburt der Atombombe: John Adams’ Doctor Atomic gehört zu den politischen Schlüsselwerken der neueren Operngeschichte. Claus Guth inszeniert, Gemma New dirigiert. Ein Stück über wissenschaftlichen Fortschritt und moralischen Kontrollverlust.

13. März 2027 – Semperoper Dresden: Martinů, The Greek Passion
Dirigent: Erik Nielsen | Regie: Elisabeth Stöppler
Flüchtlinge kommen in ein griechisches Dorf – und werden abgewiesen. Martinůs Oper nach Nikos Kazantzakis erzählt von Religion, Ausgrenzung und der Frage, was christliche Nächstenliebe eigentlich wert ist, wenn sie etwas kostet. Eines jener Werke, bei denen man sich fragt, warum sie nicht häufiger gespielt werden.

26. Juni 2027 – Semperoper Dresden: Wagner, Rienzi
Dirigent: Patrick Hahn | Regie: Eva-Maria Höckmayr
Wagners ungeliebtes Monster zum Saisonende: Rienzi ist Grand opéra, Politthriller und eine Studie über Populismus und den Rausch der Masse. Patrick Hahn dirigiert, Eva-Maria Höckmayr inszeniert. Nach der spektakulären Bayreuther Wiederentdeckung 2026 bekommt Wagners Frühwerk nun seine nächste große Chance.

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