Katharina Wagner eröffnet das Jubiläum 150 Jahre Bayreuther Festspiele mit einer Klaren Absage an Antisemitismus und einem Bekenntnis zu historischer Verantwortung. BackstageClassical bringt ihre Rede im Wortlaut.
Es ist mir eine große Freude, Sie heute zum Festakt anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Bayreuther Festspiele begrüßen zu dürfen.
Ein Jubiläum wie dieses ist weit mehr als ein Anlass zum Feiern. Es lädt dazu ein, innezuhalten und zurückzublicken – auf eine außergewöhnliche künstlerische Geschichte, aber auch auf die Verantwortung, die mit ihr verbunden ist. Die Bayreuther Festspiele waren nie losgelöst von ihrer Zeit. Ihr Erbe umfasst große künstlerische Leistungen ebenso wie Kapitel, die einer kritischen Auseinandersetzung bedürfen. Beides ist Teil ihrer Geschichte und prägt den Umgang mit diesem Erbe bis heute.
Nicht verklären
Gerade darin liegt, so glaube ich, eine der besonderen Aufgaben der Festspiele: die Tradition ernst zu nehmen, ohne sie zu verklären, und sie immer wieder neu in die Gegenwart zu übersetzen. Dass die Bayreuther Festspiele nach 150 Jahren ihre besondere Ausstrahlung bewahrt haben, verdanken sie nicht zuletzt der Bereitschaft, sich mit ihrem eigenen Erbe auseinanderzusetzen und dabei immer wieder neue künstlerische Wege zu gehen.
Ich freue mich sehr, dass wir dieses Jubiläum heute gemeinsam begehen und dass sich meine Cousine Frau Prof. Nike Wagner bereit erklärt hat, heute die Festrede bei diesem Festakt zu halten.
Lieber Herr Prof. Friedman, angesichts der Unstimmigkeiten und Fehler im Vorfeld, die wir zu verantworten haben, freue ich mich persönlich Sie heute unter uns begrüßen zu dürfen. Ich danke Ihnen.
Ihr Satz, lieber Herr Friedman, „Wenn man sich entschuldigt und mit einem Schritt auf mich zugeht, gehe ich mit noch einem größeren Schritt auf den anderen Menschen zu.“, ermöglicht es uns, mit Ihnen am morgigen Vormittag gemeinsam die Gedenkveranstaltung „Verstummte Stimmen“ zu begehen. Lassen Sie mich, meine Damen und Herren, auch an dieser Stelle noch einmal betonen, wie wichtig dieses Gedenken gerade auch im Moment des Feierns für mich ist.
Nein zu Verharmlosung
In Anbetracht der engen, teils sehr persönlichen Verknüpfung meiner Familie mit dem NS-Regime und den Festspielen als kulturelles Aushängeschild des Dritten Reichs, aber auch eingedenk der Tatsache, dass unsere deutsche Demokratie heute erneut von Kräften bedroht wird, welche versuchen, Antisemitismus, Rassismus, Chauvinismus und Nationalismus erneut staatstragend zu machen, sind wir im Festspielhaus genau am richtigen Ort, um hierzu „Nein“ zu sagen – „Nein“, auch zu Verharmlosungen und Beschönigungen jeglicher Art, die bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts bei diesem Thema weit verbreitet waren.
Sie entsprechen in keiner Weise meiner Auffassung. Historisches Unrecht muss aufgearbeitet werden, damit die Zukunft nicht erneut in der Finsternis der Vergangenheit endet. Lieber Herr Professor Friedman, lassen Sie uns hierfür morgen gemeinsam einen weiteren wichtigen Schritt gehen!
Meine sehr geehrten Damen und Herren, Ihre Anwesenheit verleiht diesem Festakt einen besonderen Rahmen und unterstreicht die Bedeutung der Bayreuther Festspiele als Ort der Kunst, der Auseinandersetzung und des kulturellen Dialogs.
(Die Rede von Katharina Wagner vom 25.7.2025)

