Der stille Architekt des Berliner Konzertlebens: Witiko Adler ist tot

April 15, 2026
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Witiko Adler und Leonard Bernstein (Foto: Konzertagentur Adler)

Er prägte das Berliner Musikleben über Jahrzehnte: Witiko Adler, ehemaliger Leiter der traditionsreichen Konzertdirektion Hans Adler und einer der letzten großen Konzertveranstalter, ist im Alter von 97 Jahren gestorben.

English summary: Witiko Adler, longtime head of Berlin’s historic Hans Adler Concert Agency, has died at 97. For decades he shaped Germany’s postwar classical scene, launching careers of stars like Barenboim and Mutter. Known for his discretion, humor, and devotion to music, he was a pillar of Berlin’s culture.

»Seine Liebe zur Musik überspannte viele Jahrzehnte des Konzertlebens im 20. Jahrhundert in Berlin«, schreibt Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson zum Tod von Witiko Adler. Der einstige Chef der traditionsreichen Konzertdirektion Hans Adler ist im Alter von 97 Jahren gestorben, wie die Agentur mitteilte. Mit ihm verliert das Berliner Musikleben eine Persönlichkeit, die wie kaum ein anderer den Nachkriegs-Konzertbetrieb geprägt hat – als Brückenbauer zwischen Künstlern, Orchestern und Publikum, zwischen Altmeister-Glanz und neuer Generation.

Als Witiko Adler 1948 nach dem frühen Tod seines Vaters Hans das Familienunternehmen übernehmen wollte, war er erst 20 Jahre alt – und musste sich eigens für volljährig erklären lassen, um die Geschäfte führen zu dürfen. Eigentlich hatte er Architekt werden wollen. Doch er entschied sich für die Musik und baute das elterliche Unternehmen zur wichtigsten privaten Konzertagentur Berlins aus.

Wiederaufbau und künstlerische Vision

Nach dem Krieg war Berlin ein Trümmerfeld – gerade auch kulturell. Witiko Adler brachte Leben zurück in diese Szene: Er lockte Altmeister wie den Pianisten Alfred Cortot und den Dirigenten Otto Klemperer ins ruinöse Nachkriegs-Berlin, präsentierte 1950 den 19-jährigen Friedrich Gulda, übernahm bald die Deutschland-Vertretung für Yehudi Menuhin und organisierte später über Jahrzehnte die Klavierabende von Daniel Barenboim.

Zu Barenboims Karriere hatte Adler früh beigetragen. »1963 hat er mein Debüt bei den Berliner Philharmonikern arrangiert«, erinnerte sich Barenboim nun zum Tod seines Freundes. »Seitdem waren wir verbunden. Witiko Adler war die Professionalität und Diskretion in Person. Seine stets feine Präsenz und sein trockener Berliner Humor werden mir fehlen.«

Auch die deutsche Erstvorstellung vieler späterer Weltstars trug Adlers Handschrift. »Mein Ziel war es, sowohl jene großen Interpreten nach Deutschland zurückzuholen, die von den Nazis vertrieben worden waren, als auch eine neue Generation von Künstlern aufzubauen«, schrieb er einmal. So vermittelte seine Agentur die Debüts von Claudio Abbado, Lorin Maazel, Seiji Ozawa, Bernard Haitink und Zubin Mehta.

Vermittler großer Karrieren

Witiko Adler war ein Mann, der sich mit feinem Gespür und stoischer Ruhe zwischen Künstlerkarrieren und Konzertbühnen bewegte. 1976 arrangierte er die Begegnung zwischen Herbert von Karajan und der damals 13-jährigen Anne‑Sophie Mutter – ein Zusammentreffen, das Musikgeschichte schrieb.

Mit seiner Agentur formte Adler nicht bloß Karrieren, sondern auch Verbindungen. Gemeinsam mit seiner Frau Jutta Riedel, Tochter einer Berliner Musikalienhändlerfamilie, führte er das Haus mit altmodischem Flair. 2018 feierte die Konzertdirektion ihr 100-jähriges Bestehen – mit Bundespräsident Steinmeier im Publikum und einem Jubiläumskonzert in der Berliner Philharmonie.

Vor einigen Jahren verkauften Witiko und Jutta Adler ihre Agentur an die MünchenMusik‑Gruppe, blieben ihr aber beratend verbunden. Bis ins hohe Alter war Adler täglich im Büro, verfolgte aufmerksam Konzerttermine und Förderprojekte, und behielt dabei den Blick eines kultivierten Pragmatikers.

Witiko Adler hinterlässt seine Frau Jutta und zwei Kinder. Sein Name bleibt mit der Geschichte der Berliner Konzertlandschaft untrennbar verbunden – als Inbild professioneller Diskretion, als Zeuge einer vergehenden Epoche.

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