Liebes München,

März 18, 2026
1 min read
Simon Rattle und Lahav Shani in Lederhosen (Bild: KI)

Ich weiß, dass Du vor regionalem Stolz fast platzt wie eine Weißwurst. Und als Bremer frage ich Dich: Wie machst Du das nur, dass jeder, der zu Dir kommt, sofort zum Volksmusikclown wird? Das war bei Franck Ribéry so, und bei Arjen Robben. Aber du verwandelst selbst Klassik-Ikonen zu kleinen Karl Moiks!

Erst musste Simon Rattle den »Symphonischen Hoagascht« dirigieren, und nun ist überall das Gesicht des neuen GMD der Münchner Philharmoniker, Lahav Shani, zu sehen: »Servus!« steht da drunter.

Bei Simon Rattles Antritt bei den Berliner Philharmonikern war man noch stolz darauf, dass ein Brite nach Deutschland kommt und plakatierte ganz weltgewandt: »Welcome!« (manche witzelten weiter: … »Hair Rattle«).

Ja, und was für eine Kampagne wäre es gewesen »Shalom« zu plakatieren, um nun das weltoffene München mit seinem neuen GMD zu symbolisieren.

Aber irgendwie lässt Du Dich von fremden Kulturen nicht so gern inspirieren, sondern gemeindest sie lieber blau-weiß ein. Bayernkulti statt Multikulti! Dabei genehmigt sich selbst Euer Ministerpräsident manchmal ’nen »Söder-Döner«. 

Mensch, München, öffne Dich! Wachs mal aus Dir heraus und mach a moi muadige Musi!

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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