Epstein und die Klassik

Februar 23, 2026
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Treffen zwischen Jeffery Epstein und Leon Botstein (Foto: US Justizministerium)

In den Epstein Files kommen auch zahlreiche Klassik-Künstler vor – oft sollten sie das Image des kulturinteressierten Mäzen pflegen. 

English summary: The Epstein Files show that Jeffrey Epstein cultivated ties with classical musicians and institutions to polish his image as a cultured patron. Through donations, scholarships and favors, he built networks, gained prestige and influence—while some later distanced themselves, apologized or resigned.

Jeffrey Epstein hat die Welt der klassischen Musik gezielt zur Imagepflege und zum Aufbau eines weitverzweigten Netzwerks genutzt. Das berichtet die britische Zeitung The Telegraph und beruft sich auf eine eigene Recherche in der letzten »Tranche« der sogenannten Epstein Files. 

Demnach pflegte Epstein enge Kontakte zu renommierten Musikern, Kulturfunktionären und Institutionen und nutzte Spenden, Stipendien, Instrumentenleihen und persönliche Gefälligkeiten, um sich als kunstsinniger Mäzen zu inszenieren und Einfluss sowie gesellschaftliches Prestige zu gewinnen. Epstein trat als Förderer des Interlochen Center for the Arts auf, finanzierte zeitweise das Studium der Cellistin Melissa Solomon an der Juilliard School und bewegte sich im Umfeld weiterer junger Talente, von denen sich mindestens eine später als Opfer sexueller Gewalt bezeichnete.

Es ging ums Image

Laut Telegraph prahlte Epstein in seinem Umfeld mit einer überhöhten musikalischen Vita, etwa der angeblichen Zusammenarbeit mit der britischen Starcellistin Jacqueline du Pré, und gab sich in E-Mails als exzentrischer Beethoven-Kenner. Sein Fokus habe jedoch weniger auf der Musik selbst als auf deren Protagonisten gelegen: Dirigenten, Intendanten und Professoren, die er durch Einladungen, Honorare oder Sachzuwendungen in ein System gegenseitiger Abhängigkeiten eingebunden habe.

Besonders im Blick steht die langjährige Korrespondenz mit dem Dirigenten und Bard-College-Präsidenten Leon Botstein. E-Mails zeigen laut Telegraph, dass Botstein 2012 einen Aufenthalt auf Epsteins Privatinsel Little Saint James plante und sich später ausdrücklich für die Einladung bedankte. Zudem erhielt er Beraterhonorare in Höhe von rund 150.000 Dollar aus einer Epstein-nahen Stiftung, verschaffte Epstein Zugang zu Orchesterproben und ließ Empfehlungen für Programmplanungen zu, während er öffentlich später betonte, es habe sich ausschließlich um Fundraising-Kontakte gehandelt.

Ein weiterer Fall betrifft den israelischen Cellisten Yoed Nir, Schwiegersohn des früheren israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak. Epstein ließ sich von einem Profi-Cellisten ein italienisches Instrument im Wert von etwa 165.000 Dollar vermitteln, das Nir unentgeltlich über Jahre nutzte. Nir spricht von einer in der Klassik üblichen Leihgabe durch eine Stiftung und betont, von Epsteins Straftaten erst 2019 erfahren zu haben, während Barak erklärt, von der Instrumentenleihe nichts gewusst zu haben.

Verteidigungen, Entschuldigungen und Rücktritte

In Frankreich taucht der Name des Dirigenten Frédéric Chaslin hunderte Male in den Unterlagen auf. E-Mails zufolge bot er Epstein exklusive Opernführungen, Bootsfahrten in Paris und sogar ein mögliches Treffen mit Präsident Emmanuel Macron und Regisseur Woody Allen an. Besonders heikel ist eine Nachricht von 2013, in der Chaslin ankündigt, er habe eine »tolle« 21-jährige Studentin für Epsteins nächsten Paris-Aufenthalt gefunden; inzwischen bezeichnet er diese Formulierung als »inadmissible« und »unangemessen« und spricht von einer missverstandenen Empfehlung einer Dolmetscherin.

Auch der in Paris lebende Pianist Simon Ghraichy wird in den Akten als Profiteur von Epsteins Förderung geführt. Epstein half ihm laut ausgewerteten Mails bei der Karriereplanung, vermittelte Kontakte, finanzierte kosmetische Zahnbehandlungen und stellte den Musiker Woody Allen vor. Im Gegenzug bat Epstein Ghraichy 2017, eine junge Assistentin im Alter zwischen 20 und 24 Jahren für seine Reisen in Europa zu finden.

Die Enthüllungen schlagen auch auf die Kulturpolitik durch: So trat Frankreichs früherer Kulturminister Jack Lang Anfang Februar als Präsident des Pariser Institut du Monde Arabe zurück, nachdem sein Name hunderte Male in den Epstein-Dokumenten aufgetaucht war und die Justiz Vorermittlungen zu möglichen finanziellen Verflechtungen eingeleitet hatte. 

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