Montavon kassiert über eine halbe Millionen Aufhebungs-Euro

Mai 22, 2026
1 min read
Guy Montavon und das Theater Erfurt (Fotos: Theater Erfurt, Collage BC)

Erfurt beendet den Rechtsstreit mit Ex-Intendant Montavon: Der Stadtrat genehmigt 526.000 Euro, inklusive Abfindung. Ab der neuen Spielzeit leitet Christian Illgen das Theater interimistisch.

Der langjährige Rechtsstreit um den früheren Generalintendanten des Theaters Erfurt, Guy Montavon, ist beigelegt – aber die Kosten sind hoch. Der Aufhebungsvertrag, dem der Stadtrat der Thüringer Landeshauptstadt nun zustimmte,  sieht eine Zahlung in Höhe von 526.000 Euro an Montavon vor.

Hintergrund des Konflikts waren Vorwürfe von Machtmissbrauch und sexueller Gewalt am Theater Erfurt, die im Oktober 2023 durch die damalige Gleichstellungsbeauftragte Mary-Ellen Witzmann öffentlich gemacht worden waren. Außerdem gab es immer wieder Kritik am Führungsstil des Intendanten. 

Witzmann wurde später gekündigt und klagte dagegen. Im April 2025 einigte sie sich mit der Stadt auf eine Abfindung von rund 400.000 Euro, zudem sollen sich die Anwaltskosten nach Informationen des mdr auf etwa 800.000 Euro belaufen.

Der Vergleich mit Montavon wurde in den vergangenen Wochen unter Mitwirkung einer Richterin des Bundesarbeitsgerichts ausgehandelt. Frühere Versuche einer gütlichen Einigung waren gescheitert.

Die Summe von über einer halben Millionen Euro für Montavon setzt sich nach Angaben der Stadt unter anderem aus entgangenem Gehalt des Generalintendanten seit seiner Kündigung im Sommer 2024 zusammen. Das Arbeitsverhältnis endet im Zuge des Vergleichs rückwirkend zum 31. März 2026. Zusätzlich erhält Montavon eine Abfindung in Höhe von 150.000 Euro. 

Ins Gesamt ist die Stadt in der gesamten Angelegenheit so vorgegangen, dass Kosten von über 1,7 Millionen Euro entstanden sind. Ab der kommenden Spielzeit übernimmt Christian Illgen, bislang künstlerischer Betriebsdirektor am Staatstheater Cottbus, für zwei Jahre die Interimsintendanz in Erfurt.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Was Sachsens Theatern blüht

Sachsens Kulturszene läuft Sturm gegen den geplanten Doppelhaushalt 2027/28. Der Gesamthaushalt wächst auf rund 53,5 Milliarden Euro, bei der Kultur sind dennoch Einschnitte geplant. Wir zeigen, wen es besonders hart trifft.

Verflacht jetzt auch der Deutschlandfunk?

Die letzte Bastion des Kulturauftrags verändert ihren Kurs. Ein internes »Stylebook« des Deutschlandfunks zeigt, wohin die Reise geht: breiter, zugänglicher, gesellschaftlicher. Was als Öffnung gedacht ist, könnte zu einer massiven Verflachung führen

Sony Classical verliert seine Eigenständigkeit

Per Hauber geht, einen Nachfolger gibt es offenbar nicht. Schon 2024 hatte sich Michael Brüggemann zurückgezogen. Sony Classical bleibt – aber seine Eigenständigkeit schwindet. Dahinter steht eine größere Frage: Wie viel ist

Empathietheater statt Regietheater

Unsere Zeit ist brutal. Und an unseren Bühnen wird die Sehnsucht nach Sanftheit immer lauter. Ein neues Theater entsteht: Es will nicht mehr belehren und entlarven, sondern zuhören und berühren und Menschen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Eine Kritik der Kritik: Alles blöde, nur das Orchester ist gut? Die Kritik will gern was gutes finden. Aber es geht nicht um Lobhudelei, sondern auch um Fakten.

Meisterliches Minden

Mit den »Meistersingern von Nürnberg« endet nach 24 Jahren ein einzigartiges Wagner-Projekt. Philipp v. Studnitz erlebt in dem kleinen Stadttheater große Oper – mit Frank Beermann, einem brillanten Ensemble und einem Minimalismus,

Verpassen Sie nicht ...