Neue Bewegung in den Epstein-Klassik-Files

März 4, 2026
1 min read
Die Epstein-Files sind auch in der Klassik angekommen (Bild: KI)

In neu veröffentlichten Epstein-Akten tauchen die Namen von Dirigent Frédéric Chaslin und Pianist Simon Ghraichy mehrfach auf. Beide weisen jede Verbindung zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zurück.

Die jüngst von der US-Regierung veröffentlichten Millionen Seiten aus den sogenannten Epstein-Akten belasten auch zwei französische Musiker aus der klassischen Szene. In den Dokumenten taucht der Name des Dirigenten Frédéric Chaslin hunderte Male auf; in einer E-Mail von 2013 schreibt er an den wegen Sexualverbrechen an Minderjährigen verurteilten US-Finanzier Jeffrey Epstein: »Ich habe ein großartiges Mädchen für deinen nächsten Aufenthalt in Paris gefunden, eine Philosophiestudentin, 21 Jahre alt, sie sieht der jetzigen Frau Polanskis ein wenig ähnlich.«

Darüberhinaus meldet Radio France dass eine junge Frau, die anonym bleiben möchte, erklärt, Chaslin habe sie 2013 über Facebook kontaktiert und gefragt, ob sie Interesse habe, Epstein »für drei bis vier Tage während seines Aufenthalts in Paris auf Französisch zu assistieren«; nachdem sie auf Wikipedia dessen frühere Verurteilung entdeckt habe, habe sie »den Kontakt zu Chaslin kurz darauf abgebrochen«.

Anzeige gegen Chaslin

Ebenfalls laut Radio France habe die amerikanische Sopranistin Amelia Feuer (38) Strafanzeige gegen Chaslin wegen sexueller Belästigung gestellt und dabei Textnachrichten aus dem Jahr 2016 vorgelegt. In einem Chat über ein Feuerwerk in Versailles habe er ihr geschrieben: »Liebling, du musst auf mich warten, um das Feuerwerk zu sehen. Wir könnten es uns gemeinsam ansehen. Du könntest einen warmen Mantel tragen. Ich würde meine Hände und meinen Mund überall dorthin legen, wo dir kalt ist. Ich verspreche dir, du würdest sehr schnell warm werden«, später habe er ihr vorgehalten, sie habe »eine neue Gelegenheit, mit mir zu arbeiten, verspielt«.

Chaslin weist die Vorwürfe als »Anzeige ohne Grundlage« zurück, spricht von »Ausschnitten privater Nachrichten, aus ihrem Kontext gerissen«, fordert, »mit seiner Anklägerin konfrontiert« zu werden, und betont, er habe Epstein »sehr selten getroffen« und dessen »monströse Seite« erst 2019 erkannt.

Der Fall Simon Ghraichy

Auch der französisch-libanesisch-mexikanische Pianist Simon Ghraichy wird in den Unterlagen über 1.000 Mal genannt; dokumentiert sind E-Mails mit Epstein zwischen 2014 und 2018. Auf die Bitte, eine »Assistentin« für dessen Paris- und Europa-Geschäfte zu finden, antwortete er laut Akten: »Ich habe eine gefunden, aber sie liegt nicht in der geforderten Altersgruppe, sie ist in den Dreißigern, eine Großmutter«, später wünschte er Epstein ein Jahr »dekadent und musikalisch«.

Ghraichy betont, er habe mit Epstein »ausschließlich Beziehungen zwischen Mäzen und Künstler« unterhalten, sei »unschuldig an jeder verwerflichen Handlung« und bedaure einen »ungeschickten Scherz« über das Alter der Assistentin; zugleich bekunde er seine »Solidarität« mit den »wahren Opfern dieser Affäre«. Nach Bekanntwerden der E-Mails wurde der Pianist kurzfristig aus mehreren Konzerten, unter anderem in Straßburg, Metz und Thionville, gestrichen.

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