Wie Konrad und Louis sich zum Bert machen

Januar 8, 2026
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Louis, Opera Bert und Konrad (Fotos: Instagram)

Konrad und Louis sollen die ARD-Klassik aufmischten und sorgen für Fremdscham. Dabei macht Opera Bert vor, dass Klassik so bedeutsam sein kann wie das Lackieren von Fingernägeln.

English summary: ARD Klassik tries to modernize classical music on social media with two new influencers, Louis and Konrad. But instead of making classical music attractive, they come across as awkward and artificial, showcasing gimmicks over genuine artistry. Critics see them as symbols of a broadcaster that no longer trusts culture, replacing authenticity with cringe marketing — unlike influencer opera.bert, who turns classical music into fun, stylish pop.

Was ist da bitte in der Klassik-Welt auf TikTok und Instagram los? ARD Klassik hat offensichtlich zwei neue Poster-Boys gecastet. Sie hören auf die Namen Louis und Konrad. Der eine kann ein bisschen Klavier spielen, der andere kann eigentlich gar nichts. Aber beide wollen uns andauernd erzählen, dass Klassik nicht weh tut, total cool ist – also wirklich und in echt.

Dabei kommen Louis und Konrad so cringe rüber, als wären sie von einer 62jährigen Redakteurin des MDR kurz vor ihrer Pensionierung erfunden worden. Konrad durfte sich in der Weihnachtszeit auf Insta etwas wünschen – »etwas Kleines«. Einen Steinway, Hunderte von CDs oder einen Besuch in der Kaiserloge. Wo der Witz dabei ist? Keine Ahnung! Konrad redet nicht wirklich über Klassik, sieht aber aus wie eine Klassik-Karikatur: Blonde Locken, antiquierter Tweed-Anzug mit Taschenuhr, einer, der schon auf dem Schulhof keine Freunde hatte! Wenn er mit einem »alkoholfreien Sekt« (stilles Wasser) das »Konzertgehen« übt, schämen sich selbst die freakigsten Opernfreaks fremd.

Klassik-Reality-Stars der ARD

Louis spielt immerhin ein bisschen Klavier. Und die öffentlich-rechtlichen Sender behandeln ihn wie RTL seine Reality-Stars: Louis ist ein Perpetuum Mobile der Klassik-Verwertung: Im ZDF bekommt er den Opus-Klassik verliehen, und in den Social-Media-Kanälen der ARD darf er dafür … über Musik reden? Aber nein! Stattdessen darf er zeigen, wie ungeschickt er Weihnachtsgeschenke einpackt, erzählen, dass sein absoluter musikalischer Weihnachts-»Klassiker« nicht von Bach, sondern von Mariah Carey kommt und ein bisschen Haselnüsse für Aschenbrödel klimpern. Was all das mit Klassik zu tun hat? Keine Ahnung!

Mit ihren neuen Klassik-Boys zeigt die ARD, dass sie in der Welt der Musik nicht nur bei Mozart Mozart daneben gegriffen hat. Der Sender scheint der Kunst selber nicht mehr zu vertrauen. Kulturprogramme werden abgeschafft, Sender fusioniert, über Einsparungen bei den Rundfunkorchestern wird nachgedacht. So gesehen sind Louis und Konrad wohl lediglich die Vorboten der endgültigen Aufgabe des Kulturauftrags.

Großes Vorbild: Opera Bert

Als Vorbild diente der ARD wahrscheinlich der opera.bert aus dem privaten Influencer-Kosmos. Der ist allerdings wirklich an der Musik (oder jedenfalls an den Musikerinnen und Musikern, oder zumindest an ihrem Fame) interessiert. 

Opera.bert nutzt die Welt der Klassik gekonnt als Laufsteg in eigener Sache, flirtet mit Joyce DiDonato und Yannick Nézet-Séguin, manche seiner Kurz-Interviews sind tatsächlich lustig. Kein Wunder, dass er gern von internationalen Opernhäusern »gebucht« wird, um deren Welt als schillernd-diversen Laufsteg zu bewerben. Ob seine Zielgruppe dabei eher die junge Generation zukünftiger Klassik-Fans oder die Jungs in den Pressebüros und Intendanzen sind – egal! Immerhin behauptet opera.bert auch nicht, dass er irgendwie journalistisch unterwegs sei. Bei ihm ist alles Spaß und Fashion und (echter!!!) Champagner. Bei Bert wird die Klassik ganz unschuldig zu einer so bedeutenden Beschäftigung wie das Nagellackieren bei anderen Influencerinnen. opera.bert ist Pop, Konrad und Louis sind nur peinlich.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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