Tanz in den Heiligen Abend

Dezember 25, 2025
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Der Dirigent Thomas Guggeis (Foto: Pauly)

Ein musikalisches Weihnachtsgeschenk: Thomas Guggeis kommt nach München und dirigiert das Weihnachtsoratorium.

Im Leben des Dirigenten Thomas Guggeis waren zwei ‚B’s von großer Bedeutung: Berlin und Barenboim. Guggeis war der Assistent des Dirigenten an der Staatsoper Unter den Linden. 2018 sprang er dort – knapp 25 Jahre jung – als Ersatz bei einer Salome-Aufführung ein, nachdem der vorgesehene Orchesterleiter über die Regie entsetzt das Weite gesucht hatte. Guggeis kam, dirigierte und siegte. Sein heutiger Arbeitgeber, Frankfurts Opern-Intendant Bernd Loebe, wird mit den Worten zitiert: »Von einem singulären Talent zu sprechen, ist untertrieben.«

Vor Weihnachten ging es wieder um ‚B’s: Der gebürtige Bayer kam in seine Heimat – und dirigierte Bach. In der Münchener IsarPhilharmonie leitete Thomas Guggeis das Weihnachtsoratorium. Und zwar alle sechs Kantaten – nicht bloß I-III und VI, wie es sonst gern präsentiert wird. Drei musikalische Sternstunden, dank des brillant gestimmten Dirigenten, eines wunderbaren Solistenquartetts und vor allem Dank des makellosen Tölzer Knabenchores.

Für Bach, der einst für eine Leipziger Jungsschule komponierte, ist der Klang eines Männer- und Knabenchores sicher von anderer Bedeutung als ein üblicher gemischter mit Damen und Herren aller Altersgruppen. Es ist freilich eine Geschmacksdiskussion, ob Bachs Thomaner, die ja heute noch singen, besser sind als die (gerade von Finanz-Engpässen gebeutelten) Wiener Sängerknaben oder die fränkische Konkurrenz aus Windsbach. Bei den Tölzern (Einstudierung Christian Fliegner; Ursula Richter für Solostimmen) holte Thomas Guggeis am Pult das Maximum heraus.

Poesie in den Chorälen, Schwung und Kraft in den strahlenden Chorsätzen mit funkelnden Trompeten, immer dynamisch überzeugend und in den Stimmgruppen durchhörbar harmonisch organisiert. Und der Echo-Knabensopran übertraf mit seiner Stimmschönheit im vierten Teil sogar die etwas zwitschernde ‚echte‘ Sopranistin). Die vier Solisten (Marie-Sophie Pollak, Corinna Scheurle, Patrick Grahl, Björn Bürger) brachten sonst den ganzen Abend lang die richtige dramatisierende Klangrede aufs Podium, die zur Anschaulichkeit von Bachs erzählerischer Musik notwendig ist.

Das Oratorium beginnt mit dem Eingangschor »Jauchzet, frohlocket!«, und Thomas Guggeis dirigierte tanzend, jauchzend und frohlockend durch die Partitur und schuf mit dem Tölzer Knabenchor ein musikalisches Weihnachtsgeschenk.

Philipp von Studnitz

Philipp von Studnitz, Jahrgang 1966, ist Literaturwissenschaftler und hat als Autor die People-Berichterstattung in der „BZ Berlin“ geprägt. Er war Kulturchef bei Park Avenue und ist ein begeisterter Klassik-Fan.

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