Liebe Antje Valentin,

Februar 5, 2026
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Antje Valentin, Generalsekretärin des Deutschen Musikrats (Foto: Simon Pauly)

Sie sind Generalsekretärin des Deutschen Musikrates, und Ihre Aufgabe wäre es, Musikerinnen und Musiker zu vertreten und die Musik mitten in unser Heute zu stellen! Aber bitte nicht als angemoderte Bronzefigur!

Die Klassik kämpft gerade an vielen Fronten um ihre Existenz. Gegen die KI. Gegen die Kurzzeitspanne in den Sozialen Medien. Und vor allen Dingen jeden Tag an unseren Schulen. 

Und was machen Sie? Eine Kooperation mit einem der unsexyesten, langweiligsten, unglaubwürdigsten und inzestuösesten Industriepreise der Musik! Sie wollen ausgerechnet mit dem OPUS Klassik kooperieren. Das ist, als wenn Lady Gaga zu Florian Silbereisen geht.

Ich weiß, das ZDF liebt es, junge Reiter auf tote Pferde zu setzen. Aber wetten, dass Ihre OPUS-Kooperation kein Kaulitz-Wunder wird? Warum gehen Sie mit Ihrem Preis für »Den Musikpädagogen des Jahres« ausgerechnet in das Fernsehformat, das selbst John Dowland zu altbacken wäre? In eine Show, die höchstens pensionierte Oberstudienräte schauen? Warum missbrauchen Sie die tägliche Arbeit tausender Musikpädagoginnen und Musikpädagogen, um das Image eines Klassik-Kommerz-Preises aufzuhübschen?

Und überhaupt: Was soll das eigentlich sein, ein »Musikpädagoge des Jahres?« So wie letztes Jahr der OPUS für den Klavierspieler Louis Philippson, dem die ARD nun auch noch die Doku »Plötzlich Fame!« (merken Sie was???) hinterherwirft? 

All das ist eine Ohrfeige für die vielen tollen Musiklehrerinnen und Musiklehrer. Jeder von ihnen ist »Musikpädagoge des Jahres«! 

Vor allen Dingen aber ist es eine weitere Bankrotterklärung für Ihren Musikrat, der in seiner »Vielfalt«-Broschüre schon mal allerhand Männer-Bilder aneinanderreiht oder in den sozialen Medien am liebsten Fotos seiner Funktionäre in Videokonferenzen postet. 

Liebe Antje Valentin, warum bleibt Musik beim Musikrat immer irgendwo zwischen Vorgestern und heute stecken? So geht keine Lobbyarbeit! Sie betreiben eine Demontage des Images von Musikerinnen und Musikern in unserer Zeit.   

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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