Liebe Elisabeth Leonskaja,

November 26, 2025
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Die Komponistin Elisabeth Leonskaja (Foto: Borggreve)

ich muss noch einmal auf Ihren Auftritt in Moskau zurückkommen. Gerade, weil ich Sie als Künstlerin schätze. Sie haben Anfang des Monats in Russland gespielt, Tickets für Ihr Konzert wurden kostenlos an Angehörige von Soldaten der russischen Armee verteilt. Neben Ihnen auf der Bühne: der Bratschist, Dirigent und Putin-Vasall Yuri Bashmet. 

Sie wurden Österreicherin, weil Russland Sie zu lange eingesperrt hatte! War es Sentimentalität? War es das Heimatgefühl einer 80jährigen? Oder war es einfach nur Ignoranz? Egal! So nebensächlich Ihnen Ihr Auftritt erscheinen mag: Genau diese Konzerte sind Teil der russischen Kulturpropaganda.

Bashmet ist ein glühender Verteidiger des brutalen Krieges. Und eine seiner Aufgaben ist es, Künstlerinnen und Künstler aus dem Westen nach Russland zu locken. Egal, ob Piano-Plauderonkel Justus Frantz oder AfD-Cellist Mathias Moosdorf – ihre Auftritte werden als Zeichen der Bedeutung Russlands für Künstler aus aller Welt ausgeschlachtet. Ebenso wie russische Medien immer wieder die europäischen Erfolge von Teodor Currentzis im Westen feiern. Künstler wie Sie spielen den Kriegs—Mördern einen vermeintlich weltoffenen Rehabilitierungswalzer.  

Sie haben Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 gespielt, mit diesem wunderschönen und all zu menschlichen Adagio – eine Art Lullaby. Am Vorabend wurden im ukrainischen Ternopil 39 schlafende Zivilisten von russischen Bomben getötet, darunter 6 Kinder. 

Sagen Sie nicht, Musik sei unpolitisch! 

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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