Mannheim streicht Repin

Januar 20, 2026
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Exklusiv bei BackstageClassical: Nach Einspruch der ukrainischen Botschaft nehmen die Mannheimer Philharmoniker ein Konzert mit Vadim Repin aus dem Programm. Dem Geiger wird Russlandnähe vorgeworfen.

English summary: The Mannheim Philharmonic canceled a concert with violinist Vadim Repin after objections from Ukraine’s embassy. Repin, linked to Kremlin-funded cultural projects and state honors, was to perform days before the invasion anniversary. Citing solidarity with Ukrainians, the orchestra withdrew the event. Repin remains scheduled in Gstaad.

Die Mannheimer Philharmoniker haben ihr Konzert mit dem Geiger Vadim Repin abgesagt. Zuvor wurde in Florenz bereits ein Ballettabend, den Repin gemeinsam mit seiner Frau, der kremlnahen Tänzerin Swetlana Sacharowa, geplant hatte, gestrichen. Der Geiger sollte am 22. Februar gemeinsam mit den Mannheimer Philharmonikern das 2. Violinkonzert von Sergei Prokofjew spielen – unmittelbar vor dem vierten Jahrestag der russischen Vollinvasion in die Ukraine.

Vor einigen Tagen war die Internetseite mit der Veranstaltung bei den Mannheimer Philharmonikern nicht mehr abrufbar, immer wieder wurde BackstageClassical bei Anfragen vertröstet. 

Einspruch der Ukrainischen Botschaft

Im Vorfeld hatte sich die ukrainische Botschaft in Berlin besorgt über den geplanten Auftritt Repins in Mannheim geäußert und sich mit einem offiziellen Schreiben an den Mannheimer Oberbürgermeister und die Veranstalter gewandt. Repin sei seit Jahren in staatlich geförderte Kulturprojekte des Kremls eingebunden, hieß es, und habe nach Kriegsbeginn Auszeichnungen und Fördergelder aus Russland erhalten.

Repins Frau ist Primaballerina am Moskauer Bolschoi und war Abgeordnete der Kremlpartei Einiges Russland. Repin selber gilt als weniger politisch, steht jedoch laut Recherchen ukrainischer Medien in engem Verhältnis zu russischen Staatsstrukturen. So erhielt er 2022 den Titel »Volkskünstler der Russischen Föderation« und trat mehrfach bei offiziell propagandistischen Konzerten auf.

Die Erklärung von Mannheim

Bislang hatten die Stadt Mannheim und die Philharmonie auf Anfragen erklärt, dass es sich um eine private Kulturveranstaltung handle, auf die staatliche Stellen keinen direkten Einfluss hätten. Nun gibt es gegenüber BackstageClasscial ein offizielles Statement des Orchesters: »Vor wenigen Tagen erreichte uns ein Schreiben der Botschaft der Ukraine in Deutschland mit der Bitte, auch das Konzert der Mannheimer Philharmoniker mit Vadim Repin abzusagen. In diesem Schreiben wurden die Bedenken der ukrainischen Gemeinschaft in Deutschland klar und nachvollziehbar dargelegt. Da die Mannheimer Philharmoniker seit Jahren aktiv für die Unterstützung ukrainischer Kriegsgeschädigter eintreten, haben wir diese Bitte mit größtem Ernst und Respekt aufgenommen. Nach intensiver interner Beratung haben wir uns einstimmig entschieden, dem Wunsch unserer ukrainischen Mitmenschen hier nachzukommen und das Konzert abzusagen. Uns war es wichtig, die Perspektive der ukrainischen Gemeinschaft nach dieser direkten Bitte zu berücksichtigen.«

Repin in Gstaad?

In der der Schweiz soll Repin ab 30. Januar noch auftreten, er ist einer der Hauptkünstler beim Gstaad Festival Les Sommets Musicaux. Die CH Media Group hatte den Gstaader Festivalleiter Renaud Capucon bereits nach der Absage in Florenz gefragt, warum er an Repin festhalte. Capucon erklärte, dass er sich sehr freue, seinen Freund und Kollegen Vadim Repin in Gstaad begrüssen zu dürfen: »Als Künstler und Mensch liegt mir die Harmonie zwischen den Menschen am Herzen, und ich glaube, dass Musik vielleicht einer der wenigen Wege ist, den Frieden zwischen den Menschen zu bewahren.«

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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