Wie trifft Österreichs Spar-Kurs die Kultur?

Mai 16, 2025
1 min read
Wiener Staatsoper (Foto: BC)

Die geplanten Einsparungen der österreichischen Bundesregierung im Kulturbereich sorgen für Unruhe. Bis 2026 sollen 38,1 Millionen Euro eingespart werden.

English summary: The planned spending cuts by the Austrian government in the cultural sector are causing unrest, especially among institutions of classical music. By 2026, a total of 38.1 million euros is to be saved. While the operating budgets of major institutions remain stable, investments in construction projects are being postponed. Uncertainty about the impact on smaller ensembles and the independent scene is growing.

Die geplanten Einsparungen der österreichischen Bundesregierung im Kulturbereich sorgen für Unruhe, auch bei Institutionen der klassischen Musik. Das Kulturministerium muss laut Budgetvorgaben bis 2026 insgesamt 38,1 Millionen Euro einsparen. Während die laufenden Budgets der Bundestheater und Bundesmuseen stabil bleiben, werden Investitionen in Bauprojekte wie neue Eingangsbereiche am Kunsthistorischen Museum, Naturhistorischen Museum und Belvedere verschoben. Auch eine Verschiebung der Umbauten bei den Salzburger Festspielen schloss Kulturminister und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) nicht aus.

Trotz der Kürzungen betonen die Bundespolitik und Stadt Wien die Bedeutung der Klassik-Branche. Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler verwies auf die wirtschaftliche Bedeutung der Musik, die österreichweit 7,5 Milliarden Euro Wertschöpfung und zahlreiche Arbeitsplätze generiert. Sie brachte die Debatte um einen Tourismus-Euro auf: »Wir haben einen Tourismusboom der Sonderklasse«, konstatierte Kaup-Hasler, Kultur sei der Hauptreisegrund, der Menschen aus aller Welt nach Wien ziehe. Daher könne sie den Überlegungen, die Kultur von den gestiegenen Nächtigungszahlen in Form einer gewidmeten Abgabe auch direkt profitieren zu lassen, viel abgewinnen: »Ich finde, die Einführung eines Kultur-Euro ist absolut überlegenswert.«

Die Förderlandschaft für Konzertveranstalter und Musiktheater soll vorerst erhalten bleiben, allerdings ist die Unsicherheit groß, wie sich die geplanten Einsparungen konkret auswirken werden. Die IG Autorinnen Autoren und der Kulturrat Österreich warnen vor einer »Zweiklassengesellschaft« im Kulturbereich und fordern Transparenz über die künftige Mittelvergabe. Während die großen Institutionen mit stabilen Basisabgeltungen rechnen können, drohen vor allem der freien Szene und kleineren Ensembles spürbare Kürzungen.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

BackstageClassical ist in den Sommerferien

Die Klassik-Welt dreht weiter, aber wir machen Ferien. Am 1. September sind wir wieder für Sie da – mit täglichen News aus der Welt der Klassik. Bis dahin hier ein wenig Lektüre und

Publikumsbeschimpfug ist auch keine Lösung, Herr Mondtag

Ersan Mondtag nennt das Salzburger Publikum nach den Buh-Rufen für seine „Ariadne auf Naxos“ provinziell. Doch wer Kritik als Unfähigkeit abtut, verwechselt künstlerischen Anspruch mit Überheblichkeit – und verliert den Respekt vor

Friedman, Rienzi, Ring und Co. – eine Bayreuth-Bilanz

Peter Huth, ehemaliger Chefredakteur der Welt am Sonntag und Kommunikationschef von Axel Springer, bespricht mit Axel Brüggemann die erste Festspielwoche im Podcast von BackstageClassical. Auch Nathalie Stutzmann, Michel Friedman oder Katharina Wagner

Warum fällt Hinterhäuser der Abschied so schwer?

Markus Hinterhäuser ist nicht mehr Intendant der Salzburger Festspiele. Dennoch ist er allgegenwärtig. Der Streit um seine Trennung wirft Fragen nach Transparenz auf – und nach der Fähigkeit, ein Amt auch wirklich

Rienzi ist Wagners Monster

Die Dirigentin Natalie Stutzmann und die Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka haben in Bayreuth mit ihrer Lesart von Wagners Rienzi begeistert – hier blicken sie hinter die Kulissen und erklären Ihre Ansätze.

Neuer Blick auf Karajan

Karajans Rolle im Nationalsozialismus muss historisch genau betrachtet werden, sagt Biograf Wolfgang Rathert und fordert wissenschaftliche Sachlichkeit in der Karajan-Debatte. Dabei attestiert er dem Dirigenten Skrupellosigkeit in seiner Karriere.

12 Wurstfinger und ein König

Der KI-Ring in Bayreuth ist ein anstrengendes Unterfangen. Die von Marcus Lobbes kuratierten Bilder erinnern an die Pionierzeit der künstlichen Intelligenz. All das scheint nicht nur das Publikum abzulenken, sondern auch das

Diktator sind wir alle

150 Jahre Bayreuth: Zwischen Festakt und Rienzi drehen die Festspiele ihre eigene Geschichte durch den Necker-Würfel. Ein Essay über Erinnerung, Macht, Populismus – und die Verantwortung jedes Einzelnen.

Lieber Igor Levit,

Igor Levit und Danger Dan dürfen beim ZDF nicht auftreten – nun stilisieren sie sich zum Opfer. So geht PR.

Verpassen Sie nicht ...