Audi streicht Konzerte und Nachwuchsförderung, BWT zieht sich von den Salzburger Festspielen zurück. Gleichzeitig kürzt die öffentliche Hand Kulturhaushalte. Und selbst in den USA wird das Geld knapp. Wer soll die Kultur eigentlich noch bezahlen?
Erst die Politik, jetzt die Wirtschaft. Der Kultur geht langsam das Geld aus. Jüngstes Beispiel: Audi. Der Ingolstädter Autobauer streicht seine Sommer- und Weihnachtskonzerte sowie »Jazz am Audi Forum«. Die Kammerphilharmonie Ingolstadt verliert rund 100.000 Euro jährlich. Besonders hart trifft es die Jugendchorakademie, die bislang mit einem mittleren sechsstelligen Betrag unterstützt wurde. Ein erheblicher Teil ihres Budgets steht auf dem Spiel.
Was bei Audi passiert, könnte zum Vorboten einer größeren Entwicklung werden. Denn ausgerechnet jetzt, da Theater, Orchester und Festivals mehr private Geldgeber finden sollen, beginnt auch die Wirtschaft zu sparen.
Das hat sich die Politik eigentlich anders vorgestellt: Überall, wo staatliche Förderungen eingefroren oder gekürzt werden, ist die Rede von mehr Eigeninitiative, mehr Sponsoren – und weniger Abhängigkeit vom Staat. Eine Rechnung, die nicht aufgeht, wenn auch die Unternehmen den Rotstift ansetzen.
Wenn Sponsoren andere Prioritäten setzen
Auch die Salzburger Festspiele verlieren einen prominenten Förderer. Der österreichische Wassertechnikkonzern BWT hat seine Partnerschaft 2026 beendet. Seit 2021 hatte er die Festspiele jährlich mit einem sechsstelligen Betrag unterstützt. In der Formel 1 bleibt BWT dagegen präsent.
Es geht also nicht nur um wirtschaftliche Not, sondern um Prioritäten. Sponsoring ist keine Spende, sondern Unternehmensstrategie. Wer Geld gibt, erwartet Aufmerksamkeit, Imagegewinn oder neue Zielgruppen. Während die Formel 1 Millionen erreicht, bleibt selbst ein ausverkauftes Opernhaus ein vergleichsweise exklusiver Ort.
BMW hält dagegen an seiner Zusammenarbeit mit der Staatsoper Unter den Linden fest, die Deutsche Bank an ihrer Partnerschaft mit den Berliner Philharmonikern. Große Namen, große Bühnen, große Strahlkraft. Aber wer finanziert die kleineren Einrichtungen?
Auch der Staat spart
In Berlin haben Sparbeschlüsse tiefe Spuren hinterlassen. Theater, Orchester und freie Szene müssen mit weniger Geld auskommen. Projekte fallen weg, Stellen bleiben unbesetzt, künstlerische Spielräume werden enger.
Auch in Sachsen drohen Einschnitte. Im geplanten Doppelhaushalt 2027/28 sollen die Mittel für kommunale Theater und Orchester gegenüber 2026 um 6,3 beziehungsweise 10,1 Prozent sinken. In Chemnitz, gerade erst Kulturhauptstadt Europas gewesen, kämpft das Theater um die Finanzierung seiner fünf Sparten.
Und selbst die Salzburger Festspiele, die BWT verlieren, bekommen ihre öffentlichen Zuschüsse 2026 nicht an die Inflation angepasst. Zwei Geldquellen geraten gleichzeitig unter Druck.
Amerika ist kein Vorbild
Der gern bemühte Verweis auf die USA hinkt. Dort hat privates Mäzenatentum eine andere Tradition und steuerliche Grundlage. Spenden an gemeinnützige Kulturinstitutionen werden steuerlich begünstigt, der Staat finanziert Kultur deutlich weniger direkt. In Deutschland und Europa dagegen ist Sponsoring meist eine zusätzliche Leistung der Unternehmen, neben ihren Steuerzahlungen. Auch hier gibt es steuerliche Vorteile, aber das amerikanische Modell lässt sich nicht einfach übertragen.

Zumal selbst dort das Geld knapper wird. An der Metropolitan Opera in New York sanken die Spenden und Zuwendungen von 185 Millionen Dollar 2023 auf 153 Millionen 2024, bevor sie 2025 wieder auf knapp 180 Millionen stiegen. Met-Intendant Peter Gelb hat unter anderem bei BackstageClassical erklärt, wie schwierig es geworden sei, private Geldgeber zu finden. Inzwischen hat die Met eine Spendenkampagne über 1,5 Milliarden Dollar gestartet. Selbst in Amerika ist Mäzenatentum längst keine Selbstverständlichkeit mehr.
Ein Warnsignal
Eine Untersuchung der Kulturmarketingagentur Causales zeigt, dass Audi und BWT keine isolierten Fälle sein müssen. Für »Quo vadis Kultursponsoring 2024?« wurden 169 Unternehmen und 565 Kulturanbieter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.
Rund 20 Prozent der Unternehmen hatten Kulturpartnerschaften bereits beendet oder nicht verlängert. Für 2024 bis 2028 erwarteten die Befragten gegenüber 2019 bis 2023 einen Rückgang der Sponsoringausgaben um 25,3 Prozent. Eine Prognose, keine Bilanz. Aber ein Warnsignal.
Besonders problematisch ist die Ungleichheit. Ein renommiertes Festival findet leichter Geldgeber als ein regionales Orchester. Eine große Oper verfügt über andere Netzwerke als eine Jugendchorakademie. Und ein prominenter Künstler findet eher Unterstützung als ein Bildungsprojekt, dessen Erfolg sich nicht in Klickzahlen messen lässt.
Noch zieht sich nicht die gesamte Wirtschaft zurück. Aber ein Widerspruch wird deutlich: Der Staat spart und verweist auf die Wirtschaft. Die Wirtschaft spart und verweist auf ihre Zwänge. Und die Kultur soll beides ausgleichen: mit höheren Eintrittspreisen, weniger Personal und immer neuen Förderanträgen.
Privates Sponsoring kann eine wunderbare Ergänzung sein. Aber es ist keine verlässliche Grundlage für kulturelle Infrastruktur.

