Eine vergessene Oper von Delibes, Breinschmids herrlicher Wahnsinn, Chopin ohne Kitsch, Bartóks Skandalmusik und ein Akkordeon auf neuen Wegen: Unsere fünf Empfehlungen der Woche zeigen, wie vielfältig klassische Musik sein kann. Viel Vergnügen beim Hören!

Léo Delibes: »Jean de Nivelle« – Cyrille Dubois, Mélissa Petit, Marie-Andrée Bouchard-Lesieur, Ungarische Nationalphilharmonie, György Vashegyi (Bru Zane)
Eine echte Opernentdeckung! Delibes’ 1880 uraufgeführte Oper war einst ein Publikumserfolg und verschwand weitgehend von den Spielplänen. Nun wird sie in einer rekonstruierten Fassung wieder hörbar. Französische Operngeschichte abseits von »Carmen« und »Lakmé«.

Georg Breinschmid: »Breinology« – Georg Breinschmid, Benjamin Schmid, Thomas Gansch, Peter Erskine, La Philharmonica, CelloXang u. a. (Gramola)
Breinschmid pendelt zwischen Jazz, Volksmusik, Dada und Klassik: Eine »Fantasie« für Violine und Klavier, eine hochvirtuose »Zwiefacher Suite« für La Philharmonica und »Boid is’ goa« zeigen seinen herrlich verschrobenen Wahnsinn! Dazu kommt ein schräges Rossini-Medley mit Thomas Gansch und Benjamin Schmid – und mit der Schnellpolka »Nein« ein Höllenritt des Teufels-Bassisten!

Frédéric Chopin: »Nocturnes« – Pavel Kolesnikov, Klavier (Harmonia Mundi)
Chopin ohne Salon-Sentimentalität? Kolesnikov nimmt sämtliche Nocturnes auf und versteht sie als Erinnerungen, Träume und Visionen. Sein Debüt bei Harmonia Mundi ist ein sehr persönlicher, nie kitschiger Blick auf diese viel gespielte Musik.

Béla Bartók: »Der wunderbare Mandarin« / Konzert für Orchester, WDR Sinfonieorchester, Cristian Măcelaru (Linn Records)
Ein musikalischer Skandal wird 100! Bartóks »Wunderbarer Mandarin« sorgte 1926 bei seiner Kölner Uraufführung für einen Eklat. Măcelaru und das WDR Sinfonieorchester spielen die vollständige Ballettmusik und das Konzert für Orchester. Rhythmische Gewalt trifft auf orchestrale Raffinesse.

»Danish Resonances« – José Valente, Akkordeon (Dacapo Records)
Sie suchen etwas Außergewöhnliches? Bitteschön: Das Akkordeon als Instrument unserer Zeit! José Valente spielt Werke von Hans Abrahamsen, Per Nørgård und Niels Rosing-Schow sowie vier eigens für ihn komponierte Stücke in Weltersteinspielungen. Ein ungewöhnlicher Streifzug durch die dänische Gegenwartsmusik.

