Nationalistischer Kulturkampf in der Slowakei

August 17, 2024
1 min read
Kulturministerin der Slowakei Martina Šimkovičová (Foto: Salek)

Kulturministerin Martina Šimkovičová polemisiert gegen LGBT-Community und entlässt willkürlich Direktoren und Intendanten  – nun formiert sich internationaler Protest.

Kulturkampf in der Slowakei: Kulturministerin Martina Šimkovičová provoziert die Kulturszene des Landes seit ihrem Amtsantritt im Oktober. Sie ist Vertreterin einer »nationalen slowakische Kultur« – und will diese auch durchsetzen. Šimkovičová polemisiert gegen »Gender-Wahn« und »LGBT-Agenda«, Projekte mit diesen Themen sollen aus der staatlichen Förderungen ausgeschlossen werden. Die LGBT-Gemeinde sei verantwortlich für das »Aussterben der weißen Rasse« sagte Šimkovičová, nur heterosexuelle Menschen könnten die Zukunft gestalten, da nur sie Kinder bekämen. Nun hat die Ministerin auch erste Personalentscheidungen getroffen.

Letzte Woche feuerte Šimkovičová zunächst Matej Drlička, den Direktor des Nationaltheaters, danach die Direktorin der Nationalgalerie Alexandra Kusá – fristlos und ohne vorherige Gespräche.

Inzwischen gehen zahlreiche Demonstranten gegen die Ministerin auf die Straße, was Šimkovičová aber nicht zu stören scheint. Gerade hat sie drei Sachverständige aus dem Beirat der Kulturförderung entlassen und in den Auswahlgremien mehr Politiker und weniger Fachleute gefordert.

Die Proteste werden nun auch international. Der Wiener Festwochen-Intendant Milo Rau und die künstlerische Leitungsgruppe des Schauspielhaus Wien – Marie Bues, Martina Grohmann, Tobias Herzberg, Mazlum Nergiz – fordern Premierminister Robert Fico als langjährige Kooperationspartner des Nationaltheaters auf, die in der Vorwoche erfolgte Entlassung mit sofortiger Wirkung rückgängig zu machen, »um eine weitere Beschädigung des internationalen Ansehens der Republik Slowakei sowie des Kulturlebens Ihres Landes zu verhindern«. 

Podcast über Nationalismus in der Kultur

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Ruzicka fordert Missbrauchsverfahren gegen GEMA

Der Komponist und Dirigent Peter Ruzicka geht juristisch gegen die GEMA vor: Beim Bundeskartellamt hat er Beschwerde eingelegt, um die geplante Reform der Kulturförderung kurzfristig zu stoppen. Er sieht die Existenz der

Liebe Künstlerinnen und Künstler,

dieses Mal war es das Berliner Boulevard-Blatt BZ, das die Kosten-Rechnung aufgemacht hat: Während man in der Hauptstadt durchschnittlich 62,20 Euro für ein Opernticket hinblättert, zahlt der Staat für jedes verkaufte Ticket noch mal 251,60

Tod eines umstrittenen Chorleiters

Gerhard Schmidt-Gaden ist tot. Er starb mit 88 Jahren im oberbayerischen Benediktbeuern. Er war eine ebenso prägende wie umstrittene Persönlichkeit im Chorbetrieb.

Endlich bekommt Venedig ein richtiges Wagner-Museum

Nach mehr als 30 Jahren Planung wird ein Richard-Wagner-Museum in Venedig Realität: Ein Abkommen sichert die Zukunft der Wagner-Räume im Palazzo Vendramin Calergi. Ab 2027 soll das Haus Teil des städtischen Museumsnetzwerks

Was ist los in der Klassik?

Podcast: Hannah Schmidt und Axel Brüggemann debattieren die neue Theater-Saison, Opern-Finanzierung, Salzburger Festspiele und Wolfram Weimer.

Der große Spielplan-Check

Die neue Opernspielzeit steht vor der Tür. In Folge I checkt BackstageClassical die Spielpläne der großen Häuser: Vielfalt ist das Motto – und allerhand Namen von der Stange.

Ermittlungen am Teatro San Carlo

Die Polizei in Italien ermittelt Unregelmäßigkeiten am Theater in San Carlo. Im Zentrum stehen Ex-Intendant Stéphane Lissner und verschiedene Künstlerinnen und Künstler, unter ihnen Asmik Grigorian, Claus Guth und Jonas Kaufmann.

Verpassen Sie nicht ...