Lieber BR Klassik,

Oktober 10, 2025
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Du bist die schönste und größte Blume unter den Klassik-Seiten der deutschen Radiosender. Eine einsame Fackel des öffentlich-rechtlichen Kulturauftrages. Aber was ist denn los mit Dir? Geht Dir der Sauerstoff aus? 

Vor lauter Selbstfindung startest Du gerade eine Umfrage. Willst Du meine Meinung wissen? Deine Themen werden immer weniger, Deine Texte immer leichter und Deine Artikel immer mehr zur Selbstbestätigung: Das BRSO ist großartig!, Simon Rattle ist sowieso der Allerallerallerbeste – und Deine eigene (sorry, aber etwas maue) Serie Tatort Klassik bewirbst du seit Tagen ohne Rücksicht auf uns Leser. Mensch, BR-Klassik, hast Du das nötig? Du bist doch nicht der SWR! 

Da haust Du endlos-Kritiken über weit entfernte Opernpremieren in Wien raus (darfst Du das in diesem Stil und jenseits des Radioprogramms überhaupt?) und dann verkaufst Du uns wieder für dumm: der Downton Abby-Soundrtack, das Moll des Herbstlaubes, Bratschenwitze und andere Gefühlsduseleien – Mensch, das können die von Klassik-Radio besser!

Musst Du jetzt etwa auch bei der ARD-Klassik-Welle mitschwimmen? Bei der Überflutung des ARD YouTube-Kananals, der andere Orchester ins mediale Abseits drängt? Bei den Fremdschäm-Insta-Posts und den oberflächigen Nicht-News? Statt in die schöne blaue Klassik-Tiefe hüpfst Du neuerdings mit einem Köpper ins flache Wasser der Musik-Verblödung. Brich Dir bitte nicht den Hals dabei! 

Liebes BR-Klassik, Du bist doch der »Dicke-Hose-Söder« unter den Klassik-Sendern. Kannst du nicht wieder ein bisschen gutes altes Klassiksplaining wagen?

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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