Liebe Skadi Jennicke,

Januar 30, 2026
1 min read
Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke.

gibt es bei Ihnen nicht irgendwo einen »Reset«-Knopf? Einen für den Neuanfang? Der alles, was bislang war, vergessen macht? Schauen Sie doch Mal unter Ihrem Schreibtisch nach!

Sie sind Kulturbürgermeisterin von Leipzig. Der Stadt von Bach. Von Wagner. Von Oper und Gewandhaus. Das kann man doch eigentlich nicht versemmeln!

Für mich als Bremer ist Leipzig eine Blaupause: Gleiche Größe, aber klüger – Sie haben in Bildung investiert, in Hochschulen – in die Zukunft. Leipzig ist jung und sexy! 

Aber was machen sie mit der Kultur? Die Ausschreibung ihrer Opernintendanz: ein Kindertheater. Am Ende konnten Sie sich nicht entscheiden, und nun will keiner mehr zu Ihnen kommen. Dann das Herumgewürge bei der Verlängerung ihres Gewandhauskapellmeisters. Das Orchester flirtet mit anderen, und dann doch: Weiter so wie immer. Für viel Geld. Geld, das nun in der Oper fehlt. 

Drücken Sie endlich den »Reset«-Knopf, Frau Jennicke. Wagen Sie einen Neuanfang. Organisieren Sie Gewandhaus, Oper und Musikalische Komödie neu. Fassen Sie Strukturen zusammen, die derzeit gegeneinander kämpfen. Machen Sie Klassik aus einem Guss. Machen Sie Leipzig endlich wieder so attraktiv, wie es ist und nicht zum kulturpolitischen Trauerspiel.

Sie sind doch nicht Dresden, das sich auf seinem alten Gold ausruht. Sie sind Leipzig: Innovativ. Konstruktiv. Mutig. Das Gute an Ihrer Situation ist: Wenn es zu spät ist, hat man nichts mehr zu verlieren. 

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Liebe Buhrufer,

ich war einer von Euch. Was habe ich gebuht, damals, in Stuttgart – beim Ring von vier Regisseuren. Ich habe die Inszenierungen persönlich genommen. Als Beleidigung meiner Wagner-Welt. Ach was: Meines Weltbildes!

Buhs zur »Todesfuge«?

Samstagabend im Stuttgarter Opernhaus: Es gibt Zwischenrufe in der »Meistersinger«-Premiere, ausgerechnet in der »Todesfuge«. Versuch einer Einordnung von Johannes Lachermeier.

Lieber Simon Strauß,

vollkommen legitim, dass Sie Ihre FAZ-Feder spitzen, um Intendant Hinterhäuser im Amt zu halten. Merkwürdig nur, wie Sie das tun: Sie wittern eine Intrige gegen den kongenialen »König« und schieben die Schuld

Der auf den Grenzen tanzt

Biografie eines genialen Exzentrikers: »Pianist – Musiker – Freigeist« heißt ein Buch, in dem sich der Musikwissenschaftler Rüdiger Albrecht den ganz unterschiedlichen Facetten von Friedrich Gulda widmet. Ein exklusiver Vorabdruck bei BackstageClassical.

Dear Yannick Nézet-Séguin,

The conductor defends the clumsy waltz version of Florence Price at the New Year’s Concert — and in doing so also reveals himself.

Tenor Aaron Pegram verstorben

Die Semperoper Dresden trauert um den Tenor Aaron Pegram. Wie das Opernhaus am Montag mitteilte, starb das langjährige Ensemblemitglied am Sonntag in Dresden völlig unerwartet. Pegram gehörte seit der Spielzeit 2009/10 zum

Schlittenfahren mit der Musik 

heute mit einem Neujahrsschwindel, weiteren Entlassungen in der Musikkritik, mit Blicken hinter die Salzburger Festspiel-Kulissen und einer sportlichen Enttäuschung.

Lieber Daniel Froschauer,

Der Vorstand der Wiener Philharmoniker weist Kritik am Arrangement von Florence Prices »Rainbow Waltz« zurück – und macht die Sache damit nur noch schlimmer.

Lieber Michael Andor Brodeur,

Sie sind die gewissenhafte Klassikstimme der Washington Post. Keiner, der große Themen ausgräbt, der Musik in die Mitte der Gesellschaft stellt – aber ein guter Kritiker. Einer der alten Schule.  Nun müssen Sie

Verpassen Sie nicht ...