Liebe Dresdner Philharmonie,

März 10, 2026
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klar, Du musst sparen. Aber muss das wirklich sein, indem Du ausgerechnet jene zur Kasse bittest, die für Dich singen? Deine Intendantin Frauke Roth will eine alte Dresdner Tradition beenden: Bislang haben die 70 Chorsängerinnen und Chorsänger der Philharmonie ehrenamtlich geprobt und gearbeitet. Haben ihre Zeit investiert. Ihre Abende. Und ihre Leidenschaft. Nun sollen sie plötzlich 25 Euro Monatsmitgliedschaft hinblättern – später vielleicht auch mehr. Dafür, dass sie singen dürfen. Mein lieber Herr Gesangsverein!

Es geht hier weniger um das Geld als vielmehr um ein Zeichen. Immer wider hören wir, dass die Kulturnation in Gefahr sei. Dass ehrenamtliches Engagement gefördert werden soll! 21.000 Euro könnten die neuen Beiträge der Philharmonie pro Jahr bringen. Damit würden die Sängerinnen und Sänger nicht einmal die (unbestätigte) 40.000 Euro Gehaltserhöhung kompensieren, die Intendantin Roth nach Berechnung lokaler Medien gerade erst erhalten hat!

Diskussion scheint in Dresden unerwünscht. Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch hat die kommende Sitzung des Kulturausschusses abgesagt – es gäbe nichts zu beraten. So klingt Kakophonie! 

Mensch, Dresden – hoffentlich verstummst Du nicht!   

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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