Liebe Met,

September 25, 2026
1 min read
Metropolitan Opera New York (Foto: MET)

du willst jeden Monat 10.000 Karten verschenken – an New Yorkerinnen und New Yorker, die zuvor keine Karte gekauft haben. 70.000 Tickets pro Saison. 20 Prozent aller Karten. Was ist denn das für eine gefährliche Umsonst-Mentalität?

Ihr wollt dadurch neues Publikum locken. Aber was für eine Botschaft sendet Ihr? Was nichts kostet, ist nichts wert! Oder schlimmer noch: Weil Ihr Eure Bude nicht vollkriegt, singt Ihr nun umsonst.

Nichts dagegen, Oper für Leute zu öffnen, die sie sich nicht leisten können. Aber dann doch bitte zielgerichtet. Nach sozialen und nicht nach lokalpatriotischen Prinzipien. Nehmt nicht alle New Yorker, sondern Arbeitslose, Schüler, Studierende, Auszubildende! Oder wollt Ihr die in Wahrheit gar nicht in Eurem Haus?

Und wie passt die Gratis-Aktion dazu, dass Ihr nach Eurem geplatzten Scheich-Deal nun unter dem Motto »Make the Met Forever« 1,5 Milliarden Dollar Sponsorengelder einwerben wollt? Wer in alle Richtungen reitet, wird irgendwann zerrissen!

Eure 20.000 »Rush-Tickets« für 25 Dollar sind doch bereits ein guter Weg. Aber wer die teuerste Kunst der Welt verschenkt, entwertet sie.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Sony Classical verliert seine Eigenständigkeit

Per Hauber geht, einen Nachfolger gibt es offenbar nicht. Schon 2024 hatte sich Michael Brüggemann zurückgezogen. Sony Classical bleibt – aber seine Eigenständigkeit schwindet. Dahinter steht eine größere Frage: Wie viel ist

Empathietheater statt Regietheater

Unsere Zeit ist brutal. Und an unseren Bühnen wird die Sehnsucht nach Sanftheit immer lauter. Ein neues Theater entsteht: Es will nicht mehr belehren und entlarven, sondern zuhören und berühren und Menschen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Eine Kritik der Kritik: Alles blöde, nur das Orchester ist gut? Die Kritik will gern was gutes finden. Aber es geht nicht um Lobhudelei, sondern auch um Fakten.

Meisterliches Minden

Mit den »Meistersingern von Nürnberg« endet nach 24 Jahren ein einzigartiges Wagner-Projekt. Philipp v. Studnitz erlebt in dem kleinen Stadttheater große Oper – mit Frank Beermann, einem brillanten Ensemble und einem Minimalismus,

Entdeckt, gefördert – und dann?

Unsere Recherche zum Vienna Opera Lab hat eine Debatte über das Geschäft mit der Hoffnung junger Sänger ausgelöst. Dorothea Gregor, die seit Jahren für die Liz Mohn Stiftung in der Nachwuchsförderung arbeitet,