Liebe Beatrice Venezi,

Oktober 9, 2025
1 min read
Die Dirigentin Beatrice Venzi

Sie blasen der Frauenquote den Marsch, Sie glauben, dass Musik nationale Identität stiftet, und Ihre beste Freundin ist Giorgia Meloni. Sie sind die Ministerpräsidentin des schlechten Tones!

Bislang kannten wir italienische Dirigenten als Machos und Frauenhelden: Daniele Gatti, Riccardo Muti oder Claudio Abbado. Sie sind auch ein Macho – nur als Frau. Sie sind stolz, dass Sie Karriere auch ohne Genderquote machen. Sie haben Verbindungen. Aber können Sie auch dirigieren? 

Ihr neues Orchester glaubt: Nein! Die Musikerinnen nun Musiker (das schreibe ich nur, um Sie zu ärgern!) des La Fenice wollen Sie nicht. Nicht, weil Sie eine Frau sind. Sondern weil Sie nicht so gut sind wie Ihre Vorgänger und die Gastdirigenten des Orchesters, wie Petr Popelka, Riccardo Muti oder Juri Temirkanow. Sie werden abgelehnt, weil Ihnen Erfahrung fehlt, nicht einmal, weil Sie zu rechts musizieren.

Mein italienischer Lieblingsdirigent ist Arturo Toscanini. Während Karl Böhm und Wilhelm Furtwängler die Jobs von vertriebenen Juden übernahmen, schickte er eine wütende Absage an Hitlers Nazi-Bayreuth! Toscanini hatte Haltung. Er konnte Dirigieren. Er ging nicht hin, wo er nicht gewollt war. Furtwängler war der Albano Power der Dirigenten. Sie sind eine Musik-Melone in Gucci. Treten Sie zurück.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Liebe Intendantinnen und Intendanten,

Während Intendanten und Chefdirigenten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Spitzengehälter kassieren, wird an Kulturprogrammen gespart. Und plötzlich steht eine absurde Frage im Raum: Brauchen wir mehr Orchester oder mehr Kulturjournalismus? Vielleicht fehlt es den

Er war immer schon da

Der Dirigent Herbert Blomstedt ist mit 99 Jahren gestorben. Erinnerungen von Jan Nast an einen außergewöhnlichen Dirigenten, seine Jahre bei der Staatskapelle Dresden und seine Begegnungen mit den Wiener Symphonikern.

Rachmaninow in der Hölle der Gefühle

Drei selten gespielte Einakter von Sergej Rachmaninow, ein Bühnenbild, ein Bariton: Dmitri Tcherniakov verbindet am Opernhaus Zürich »Aleko«, »Der geizige Ritter« und »Francesca da Rimini« zu einem großen Musiktheaterabend.

Chef der Budapester Staatsoper fristlos entlassen

Der langjährige Generaldirektor der Ungarischen Staatsoper in Budapest, Szilveszter Ókovács, ist mit sofortiger Wirkung entlassen worden. Kulturminister Zoltán Tarr habe das Arbeitsverhältnis zum 2. November beendet. Es könnte sich auch um einen

Nicht nur Dresden: Sparpaket statt Strukturwandel?

Dresden will fünf städtische Kultureinrichtungen in zwei Eigenbetrieben zusammenführen. Eigentlich eine vernünftige Idee. Aber aus der Reform ist ein Projekt mit Sparvorgaben in Millionenhöhe geworden. Wie konnte das passieren?

Zwischen Klagen und Begeistern

Der Newsletter: Dirk Kaftan ruft das Publikum zum Protest, Audi streicht sein Sponsoring, und die Salzburger Festspiele kämpfen mit Millionenrisiken.

Verpassen Sie nicht ...