Liebe Bayreuther Festspiele,

Dezember 3, 2025
1 min read
Axel Brüggemann als 16jähriger Besucher der Bayreuther Festspiele.

es gibt keinen Musik-Ort, der mir näher ist als Du! Mit 16 durfte ich meinen Vater auf den Grünen Hügel begleiten – in silbernem Anzug mit roter Krawatte. Nach den Aufführungen habe ich in den Kneipen der Stadt mit ihm über meine jugendlichen Träume geredet – bis der Nachtwächter uns ins Hotel sang. 

Ich wurde leitmotivsüchtig, kam immer wieder – und wurde irgendwann selber Teil dieser faszinierenden Welt aus fränkischem Holzfurnier und Opern High-End, aus Maisel vom Fass und Führerwein von Schlingensief, aus Wut über Kai Uwes Parsifal, kindischer Freude an Koskys Meistersingern und dem sprichwörtlichen Kotzen über Castorfs Ring (zu viel Weißwein bei einem Interview in Paris) – bis zu meiner Erkenntnis, dass das doch ein ziemlich guter Wurf gewesen ist! 

Nirgends habe ich so tolle und so beknackte Opernabende erlebt wie hier. Und das Schönste: Kritik war immer willkommen – auch noch als Moderator der Kino-Übertragungen!

Es gab viele Hochs und massive Krisen. Schließlich ist Wagner eine Religion, Bayreuth ist gleichsam ihr Mekka und ihr Rom – und die Päpstin kann es sowieso niemandem Recht machen. Wie groß war die Schadenfreude bei einigen, als – nach Corona – nicht alle Tickets sofort wieder verkauft wurden?

Pünktlich zur 150 Jahrfeier nun die gute Nachricht: Alle Restkarten für den Sommer sind verkauft! Bayreuth lebt. Nun muss sich das nur noch bis nach Berlin herumsprechen: Das Land Bayern hat den nötigen Tarifausgleich bereits zugesagt, Wolfram Weimers Bundeskasse lässt derweil noch auf sich warten. Es wäre ein Trauerspiel, wenn Bayreuths Erfolg von einer drohenden Pleite begleitet wird. Der Liebestod gehört schließlich auf die Bühne und nicht in die Wirklichkeit.  

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Marathonlaufen und Konzert spielen

Laufen und musizieren: Die Wiener Symphoniker und der Vienna City Marathon veranstalten 2027 erneut ihr »Konzert zum Marathon«. Läuferinnen und Läufer können sich ab sofort um einen Platz im Orchester bewerben.

Aus dem Archiv ins Leben

Vergessen, verschollen, nie aufgeführt: Die Ruhrtriennale holt mit Charles Tournemire und Roman Padlewski zwei fast ausgelöschte Komponisten zurück ins Licht – und macht daraus einen der musikalisch stärksten Abende des Festivals.

Ds Ende einer Ära

Peter de Caluwe soll Intendant der Salzburger Festspiele werden. Das ist mehr als ein Personenwechsel: Es ist das Ende eines Systems der alten Salzburger Seilschaften. Ein Kommentar von BackstageClassical-Herausgeber Axel Brüggemann

Liebe Findungskommission,

Gehen wir einmal davon aus, dass Peter de Caluwe neuer Festspielintendant in Salzburg wird. Dann zeigt das allerhand. Erst einmal: dass die Findungskommission sehr gut gearbeitet hat. Denn der Name stand – außer

Salzburg habet Papam

Die Salzburger Festspiele stehen offenbar vor einer überraschenden Entscheidung: Peter de Caluwe soll neuer Intendant und damit Nachfolger von Markus Hinterhäuser werden.

Mehr Geld für Berliner Philharmoniker

Mehr Geld für die Berliner Philharmoniker: Der Bund erhöht seine Förderung und beteiligt sich mit 225 Millionen Euro an der Generalsanierung der Philharmonie. Das soll Planungssicherheit schaffen.

Chopin gehört Sony… 

... das jedenfalls behauptet die KI von Instagram. Dumm nur: Die Aufnahme, die sie wegen einer angeblichen Urheberrechtsverletzung sperrt, gehörte unserem Autoren: Werner Dabringhaus vom Label MDG.

Verpassen Sie nicht ...