Liebe Asmik Grigorian,

Januar 14, 2026
1 min read
Asmik Grigorian (Foto: Kolesnikow)

Sie sind derzeit die heißeste Stimme im Klassik-Bizz! Sie können nicht nur singen. Sie verkörpern Ihre Charaktere, ihren Wahn, ihre Verzweiflung! Wo Sie auftreten, gibt es Applaus. Zu Recht. Aber ein Leben in Opern-Extremen ist in der echten Welt gefährlich. Eine Turandot ist auch nur ein Mensch. 

Franz Welser-Möst hat Sie damals als Salomé entdeckt! Seither will jeder Intendant Ihren Kopf auf einer Silberschüssel. Und Sie sagen meistens: »Ja«! 

Wer bin ich, Sie zu belehren? Sie sind schließlich keine Gucci-Diva, sondern eine der klügsten Stimmen unter der Sonne. Aber, bitte, bitte, seien Sie vorsichtig! Sie sind so »hot«, dass jeder Intendant mit Ihnen sein Haus verkaufen will. Und klar, Sie werden selbst dem Festspielhaus in Baden-Baden eine Nacht lang seinen alten Charme zurückgeben, bei Hinterhäusers Salzburger Festspielen (hoffentlich) Teodor Currentzis vergessen machen, Sie werden selbst eine Turandot in Dortmund aufpeppen und alle warten auf Ihr nächstes Wagner-Debüt in Bayreuth! Sie sind alles andere als »mild und leise«!

Liebe Asmik Grigorian, Sie sind einfach die Beste! Bleiben Sie es. Bleiben Sie klug und mit beiden Beinen immer bei sich selber. 

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Hat die Oper Bonn eine Zukunft?

426 Millionen Euro für einen Neubau – oder bald gar keine Oper mehr? Die Finanzkrise in Bonn stellt plötzlich die Zukunft der städtischen Bühnen infrage. Im Stadtrat wird bereits über eine Schließung

Von der Straße in den Klangrausch

Das Lucerne Festival will raus aus dem Konzertsaal – und zugleich die großen Orchester feiern. Der neue Intendant Sebastian Nordmann schickt junge Musiker auf die Straßen, und das KKL bleibt, was es

Liebe Auslastungszahlen,

99 Prozent in München, mehr als 99 Prozent in Salzburg, Besucherrekorde überall: Die Klassik feiert ihre Auslastung. Aber was sagen volle Häuser eigentlich aus – außer, dass Intendanten gern mit Zahlen protzen?

Kosky für Salzburg? Bitte keinen neuen König!

Ab Dienstag beginnen die letzten Hearings: Barrie Kosky gilt als Favorit für die Nachfolge von Markus Hinterhäuser. Aber vielleicht stellt Salzburg die falsche Frage. Es geht nicht darum, wer neuer Intendant wird

»Kein Glück ohne Leiden« 

Am 4. September beginnt Bayreuth Barock. Intendant und Sänger Max Emanuel Cenčić über Händel, Sex, Macht und das Glück des Leidens.

Antonino Fogliani mit 50 Jahren gestorben

Der italienische Dirigent Antonino Fogliani ist im Alter von 50 Jahren gestorben. Das teilte die Bayerische Staatsoper in München mit. Fogliani sei dem Haus über viele Jahre eng verbunden gewesen und weit

Verpassen Sie nicht ...