»Ich plane ein Zentrum gegen Burnout in der Klassik«

Mai 19, 2025
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Die Sopranistin Olga Peretyatko (Foto: CSAM)

Sopranistin Olga Peretyatko blickt im Gespräch mit Axel Brügemann im Backstage Classical Podcast auf ihre internationale Karriere zurück und spricht offen über ihre Herausforderungen und veränderten Prioritäten. 

English summary: Despite her success, Peretyatko faced burnout and self-doubt. Constant travel took its toll, so she now prioritizes sleep, exercise, nature, and silence. She avoids reading opinions about herself and studies psychology, aiming to help musicians with burnout. A mother since the pandemic, she shifted focus to health and family. Artistically, she remains true to Belcanto, Mozart, and Verdi.

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Trotz großer Erfolge erlebte Peretyatko auch Krisen, darunter Burnout und Selbstzweifel. Das ständige Reisen als Teil des Berufs kann anstrengend sein. Irgendwann kommt Burnout, es sei »normal«. Um sich zu schützen, setzt sie auf Schlaf, Sport, Spaziergänge, Natur, Lesen und Stille. Peretyatko liest keine Meinungen über sich mehr, da dies früher zu Stress führte. 

Die Sängerin ist überzeugt, dass Burnout oft psychologisch bedingt ist und mit dem Verlust von Sicherheit zusammenhängt. Daher studiert sie nun Psychologie und hat die Idee, ein Zentrum für Musiker zu gründen, um ihnen in Sachen Burnout zu helfen. Positives Denken sei der Schlüssel, um gesund zu bleiben. Ihre Erfahrung im Umgang mit jungen Sängern teilt sie in Meisterkursen. Sie weiß, dass ein einziges Wort im Leben eines jungen Künstlers viel verändern kann und versucht, diese zu unterstützen. »Das ist ein Thema, über das nur wenige reden – aber es ist in unserem Beruf von großer Bedeutung«, sagt Peretyatko.

Ein entscheidender Einschnitt in ihrer Karriere war die Geburt ihrer Tochter während der Pandemie. Dies veränderte ihren Blick und setzte Prioritäten neu: Gesundheit – ihre eigene und die ihrer Tochter – steht an erster Stelle. Peretyatko versucht seither, so viel Zeit wie möglich mit ihrer Tochter zu verbringen, die bereits im Alter von zehn Tagen zu reisen begann. 

In Bezug auf ihr Repertoire traf Peretyatko bewusste Entscheidungen. Sie lehnte Rollen im Wagner-Fach früh ab und betrachtet ihre Wagner-Karriere, die nur kleine Partien wie Waldvogel oder Blumenmädchen umfasste, als »schon beendet«. Auch Anfragen für anspruchsvolle Verdi-Rollen wie Lady Macbeth oder Lulu lehnte sie ab. Sie bleibt ihrem Belcanto-, Mozart- und Verdi-Repertoire treu. Zukünftig möchte sie sich vermehrt den ernsten Belcanto-Partien, wie den Königinnen von Bellini oder Donizetti, sowie dem ernsten Rossini widmen.

Das erste Treffen zwischen Brüggemann und Peretyatko liegt über ein Jahrzehnt zurück, anlässlich der ZDF/Arte-Sendung Stars von morgen. Peretyatko hat seit 2011 in nahezu allen großen Opernhäusern der Welt gesungen und viele Partien verkörpert. Sie beschreibt ihren Weg als sehr lang, auf dem sie stets ihr Bestes gab. Als Perfektionistin wollte sie immer sofort perfekte Resultate.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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