Mit einer Unterschriftenliste bekennen sich Künstlerinnen und Künstler zu Salzburgs Festspielintendant Markus Hinterhäuser – eine Unterstützung, die auch kontraproduktiv sein könnte.
English summary: Artists have signed a petition backing Salzburg Festival director Markus Hinterhäuser ahead of next week’s board meeting on his future. Yet this show of support may backfire: many signatories benefit from his tenure, and critics see the move as proof of an insular network resisting renewal.
Kommenden Donnerstag soll in einer Sitzung des Kuratoriums der Salzburger Festspiele über die Zukunft von Intendant Markus Hinterhäuser entschieden werden. Landeshauptfrau Karoline Edtstadler hatte Hinterhäuser bereits die »gelbe Karte« gezeigt, Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger sieht das Vertrauen gefährdet. Anlass war das unabgestimmte Vorgehen des Intendanten bei der Suche nach einer neuen Schauspielchefin. Ursache der Kritik dürfte allerdings eine lange Liste von Vorfällen sein, mit denen Hinterhäuser das Ansehen der Festspiele nicht gerade gefördert hat (mehr dazu hier).
Doch der Intendant scheint nicht aufgeben zu wollen. In den letzten Wochen hat man bereits gesehen, dass Journalisten wie FAZ-Mann Simon Strauß, die Hinterhäuser – zum Teil auch beruflich – verbunden sind, die Stimme für ihn erheben. Dabei betreiben sie in ihren Kommentaren ziemlich viel Whateboutism und versuchen ein neues Narrativ zu installieren, das von den eigentlichen Vorwürfen ablenkt. Demnach soll – so könnte man das zugespitzt zusammenfassen – der geniale Intendant von zwei unwissenden Frauen (Karoline Edtstadler und Festspielpräsidentin Kristina Hammer) gestürzt werden, die Politik würde die künstlerische Freiheit gefährden.
Eskalation statt Ausgleich
Kein Wort von Hinterhäusers Alleingängen, seinem problematischen Verhalten, darüber, dass es die Verantwortung der Träger der Festspiele ist, auch das Betriebsklima im Auge zu haben. Hinterhäusers Verteidigung klingt zuweilen ziemlich misogyn und lässt Kritik an den eigentlichen Verfehlungen des Intendanten oft außen vor. All das dürfte das entscheidende Gremium am Ende weniger umstimmen als verärgern. Statt auf Ausgleich setzen Hinterhäusers Unterstützer offensichtlich auf Eskalation – und die kann in Salzburg gerade niemand gebrauchen.
Kontraproduktiv könnte sich auch eine neue Unterschriftenliste auswirken, in der Künstlerinnen und Künstler sich nun öffentlich für den Verbleib Hinterhäusers aussprechen. Auffällig ist auch hier, dass ein Großteil der Unterzeichnenden direkt von Hinterhäusers Intendanz profitiert. Es tauchen Namen wie der Pianist Igor Levit auf, der regelmäßig in Salzburg zu hören ist, die Regisseure Krysztof Warlikowski, Romeo Castellucci oder Robert Carsen, die für Hinterhäusers fehlende Innovationsfähigkeit stehen. Auch die Künstler Ingo Metzmacher, Elfriede Jelinek oder Peter Handke stehen auf der Salzburger Payroll und haben offensichtlich ein persönliches Interesse am Verbleib des Intendanten. Da verwundert es wenig, dass auch der Vorsitzende der Kunst-Kurie, Peter Noever, die Solidaritätserklärung unterschrieben hat – gemeinsam mit Hinterhäuser gehört er zu den öffentlichen Förderern des umstrittenen Dirigenten Teodor Currentzis und schlug Kulturminister Andreas Babler vor, ihm einen Österreich-Orden zu verleihen.
Die üblichen Verdächtigen
Was aussieht wie ein Befreiungsschlag des amtierenden Intendanten könnte sich am Ende als Bumerang herausstellen. Die Unterschriftenliste ist ein weiteres Argument für all jene, die den Intendanten lieber heute als morgen gehen sehen möchten. Sie ist Beweis eines jahrelangen Freundschafts-Netzwerkes, das die Salzburger Festspiele vielleicht auch in jene künstlerische Krise gestürzt hat, in der sie nun stecken. Außerdem spiegeln die Namen ein zum großen Teil veraltetes Bild von Kunst und Kulturmanagement wider, das mit einem innovativen Anspruch nur wenig zu tun hat. Auf der Waagschale für den Verbleib Hinterhäusers dürfte diese Aktion eher gegen ihn ausschlagen. Leute wie Serge Dorny an der Bayerischen Staatsoper, der Regisseur Barrie Kosky, Berlins Intendantin Elisabeth Sobotka, Zürichs Intendant Matthias Schulz oder der Mortier-Schüler und Stuttgart-Intendant Viktor Schoner dürften all das mit Interesse verfolgen.

