Liebe Karin Bergmann, Sie sind die Richtige!

April 7, 2026
2 mins read
Karoline Edtstadler zaubert Karin Bergmann aus dem Festspiel-Hut (Bild: KI)

Karin Bergmann soll neue Intendantin der Salzburger Festspiele werden. Axel Brüggemann schreibt ihr einen Brief und erklärt, warum das eine geniale Wahl ist.

Willkommen als erste Intendantin der Salzburger Festspiele! Ihre Ernennung ist auf so vielen Ebenen so unglaublich gut, dass man die Dinge erst einmal sortieren muss, um sie zu verstehen. Zunächst einmal zeigt Ihre Berufung: Es geht Ihnen offensichtlich um die Kunst und nicht um den Klüngel!

Noch vor wenigen Monaten haben Sie vertraulich mit Markus Hinterhäuser über die Zukunft der Festspiele geredet – und waren wahrscheinlich nicht abgeneigt, die Aufgabe als Schauspielchefin an seiner Seite zu übernehmen. 

Inzwischen wurde Hinterhäuser von der Politik abgesägt: Nicht, weil er Sie favorisierte (dagegen gab es keinerlei Einwände!), sondern weil er angeblich Absprachen mit dem Kuratorium missachtet und sich auch gegenüber Dritten nicht intendantenwürdig verhalten haben soll. Es ist wichtig festzuhalten: Markus Hinterhäuser stürzte nicht über Sie, Frau Bergmann, sondern über sich selbt. 

Es geht nicht um die Einmischung in die Kunst

Klar, Sie hätten die Intendanz aus Loyalität zum alten Intendanten ablehnen können. Warum sollten Sie noch einmal das Chaos eines österreichischen Mega-Kulturbetriebes sortieren, das einer der Kultur-Alpha-Kerle hinterlassen hat? Das haben Sie schließlich schon getan, als Sie den Burgtheater-Dampfer von Matthias Hartmann übernommen und wieder fahrtüchtig gemacht haben.

Sie haben Landeshauptfrau Karoline Edtstadler zugesagt, obwohl Sie es gar nicht nötig hatten. Und hier liegt die zweite Ebene dieser literaturreifen Geschichte: Alle, die der Landeshauptfrau (und »der Politik« im Allgemeinen) vorgeworfen haben, Markus Hinterhäuser entlassen zu haben, weil der zu »unbequem« gewesen sei und sich damit »in die Kunst eingemischt« hätte, werden nun eines Besseren belehrt. 

Im Salzburger Machtkampf ging es eben nie um Eingriffe in die Kunstfreiheit. Es ging stets um die Frage der Führung. Und ja: um Benehmen! Die letzten Monate haben gezeigt, dass ungebremste und zerstörerische Emotionalität zum Glück gegen ein mutiges und kreatives Schachspiel verliert. Testosteron ist langfristig eben kein Sieger-Hormon!

Testosteron ist kein Sieger-Hormon

Es ist bezeichnend, dass nun ausgerechnet zwei Frauen klüger und verantwortungsvoller gehandelt haben als Markus Hinterhäuser. Als jener Intendant, über den eine anonyme Festspiel-Mitarbeiterin im Spiegel sagte, er sei »narzisstisch« und gebe den Druck an seine Mitarbeiter gern weiter – dabei träfe es »immer zuerst die Frauen.«

Dass Sie, liebe Karin Bergmann, die Dinge nun wieder etwas besonnener ordnen werden, stimmt hoffnungsvoll. Sie sind eine Versöhnerin. Innerhalb des Festspielhauses ist der Ton längst auf Kooperation gewechselt und auf die gemeinsame Überwindung der Ära Hinterhäuser durch die Arbeit an der Kunst (sowohl an der Kunst, die er geplant hat, als auch jener, die neu gedacht wird). 

Diese Art des Miteinanders ist nach der Intendanz von Markus Hinterhäuser, der sein Umfeld allzu gern in Freunde und Feinde getrennt hat, eine der wichtigsten Qualitäten, die Salzburg jetzt braucht.

Die Welt von gestern

Dass die alte Clique um Regisseur Romeo Castellucci und Peter Handke sich noch einmal zu Wort meldet und vielleicht zum letzten Mal sein fast schon ritualisiertes »Schacka-Schacka« ruft, wirkt inzwischen nicht mehr bedrohlich, sondern fast schon nostalgisch. Es ist das Echo einer Welt von gestern, das sich im Raum verbrüllt. Wie sagte es Stefan Zweig: »Was einmal war, ist unwiederbringlich verloren.«

Sie, Frau Bergmann, sind eine Expertin darin, die Vergangenheit geordnet zu begraben und eine neue Zukunft beginnen zu lassen. Dabei wünsche ich Ihnen ein glückliches Händchen. 

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Opernhäuser beraten Umbauten

Die führenden Opernhäuser im deutschsprachigen Raum trafen sich in München, um enger bei teuren Sanierungen und Interimsspielstätten zusammenzuarbeiten und ihre künstlerische Kontinuität zu sichern.

Graben im Klang des Schicksals

In der Komischen Oper Berlin treffen MOOR MOTHERs radikale Klangkunst und Tschaikowskis fünfte Symphonie aufeinander. Ein Abend über kollektive Erinnerung, Befreiung und die tiefen Resonanzen von Trauma und Triumph in Musik.

Anna Handler geht nach Los Angeles

Die deutsch-kolumbianische Dirigentin und Pianistin Anna Handler wird ab der Saison 2026/27 »Conductor-in-Residence« beim Los Angeles Philharmonic.

Probier doch mal was Neues!

Jeder will eine Stradivari. Wirklich jeder? Es gibt großartige Instrumente, die heute gebaut werden. Im BackstageClassical-Podcast erklärt Geigenbauerin Julia Pasch, warum ein neues Instrument durchaus Vorteile für Solisten aber auch für Orchester

Lieber Teodor Currentzis,

ich habe mich lange genug an Ihnen abgearbeitet. Besonders, als Sie noch SWR-Kohle von unseren öffentlich-rechtlichen Rundfunkgebühren kassiert haben und Ihr russisches Ensemble gleichzeitig Rubel von Gazprom und der VTB-Bank abgegriffen hat. 

Liebe Oper,

Du hast es auch nicht immer leicht. Was für schöne Namen haben wir Dir schon gegeben! Du warst unser »Kraftwerk der Gefühle« (Alexander Kluge),  »Debattenort unserer Städte« oder – ganz früher –

Bonn braucht klugen Atem

Während die Politik in Bonn um Sanierung, Neubau und neue Standorte der Oper debattiert, melden sich jetzt die Intendanten Bernhard Helmich und Steven Walter und der GMD Dirk Kaftan zu Wort. Sie

Verpassen Sie nicht ...