Folkwang Hochschule bestellt Problem-Intendantin

März 26, 2026
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In der Kritik: Merle Fahrholz. (Fotos: Stadtbildstelle, Brochhagen / Theater Essen)

Merle Fahrholz geriet durch ihren Führungsstil am Theater Essen in die Kritik, inzwischen organisiert Peter Theiler die Zukunft des Hauses. Trotzdem soll die Intendantin nun den Dramaturgie-Nachwuchs an der Folkwang Hochschule unterrichten.

English summary: Merle Fahrholz, criticized for her leadership at Theater Essen, will teach dramaturgy at Folkwang University in 2026. Her appointment raises concern among students, while the university declined to address the controversy.

Verschiedene Studierende haben die Redaktion von BackstageClassical darauf aufmerksam gemacht, dass sich im Vorlesungsverzeichnis der Folkwang Hochschule für Musik in Essen im kommenden Semester auch der umstrittene Namen der Intendantin des Aalto Musiktheaters, Merle Fahrholz, findet. Sie soll im Sommersemester 2026 im Rahmen eines Lehrauftrags das Blockseminar »Dramaturgie Musiktheater mit Fokus auf die Uraufführung Die verzauberte Stadt (Samuel Penderbayne)« leiten.

Was die Studierenden befremdet: Fahrholz war in der Vergangenheit wegen ihres Führungsstils an der Oper massiv in die Kritik geraten. Zum einen wurde Generalmusikdirektor Andrea Sanguineti Mobbing, Einschüchterung und Machtmissbrauch vorgeworfen. Aber auch Intendantin Merle Fahrholz wurde kritisiert. In einem Brief von Mitarbeitenden hieß es: »Seit Frau Dr. Fahrholz die Intendanz übernommen hat, geht es rapide bergab, sowohl qualitativ, als auch hinsichtlich der Akzeptanz des Publikums.« Ein weiterer Vorwurf war, wie der WDR damals meldete, dass die Intendantin ihrer Fürsorgepflicht nicht nachgekommen sei. Die Auslastungszahlen in der Spielzeit 2024/25 lagen bei 63 Prozent.

In einem Schreiben an BackstageClassical erklärte die Pressestelle des Aalto Theaters nach Erscheinen dieses Textes, dass Frau Fahrholz »in den betreffenden Ereigniszeiträumen« im Mutterschutz gewesen sei. Sie war »durch Komplikationen in der Schwangerschaft insgesamt sieben Monate nicht im Dienst und konnte somit ihren dienstlichen Verpflichtungen nicht vollumfänglich nachgehen.«

Die Trägergesellschaft TUP ließ die Vorwürfe damals intern sowie durch externe Juristen prüfen. Nach Angaben des Aufsichtsrats konnten arbeitsrechtlich relevante Verfehlungen nicht nachgewiesen werden, die Beschwerden würden aber ernst genommen und in einem formalisierten Verfahren mit den zuständigen Gremien weiter behandelt. Die Debatten am Hause gingen ebenfalls weiter: Kritiker im Ensemble sahen das Vertrauensverhältnis dauerhaft beschädigt, während die Stadtspitze und der Aufsichtsrat auf Verbesserungen der internen Kommunikation und der Arbeitsbedingungen gedrängt haben. 

Am Ende steht nun die Konstellation, dass Fahrholz angekündigt hat, Essen mit Ablauf ihres Vertrages im Sommer 2027 zu verlassen. Gerade wurde der Ex-Intendant der Semperoper in Dresden, Peter Theiler, bestellt. Obwohl Fahrholz noch am Theater ist, soll er in beratender Funktion eine »Brücke in die Zukunft bauen«. Auch hier stellt die Pressestelle des Theaters fest: »Herr Theiler wurde für die Spielzeit 2027/2028 als Interimsintendant des Aalto Musiktheaters und der Essener Philharmoniker berufen und tritt somit erst nach der noch von Dr. Merle Fahrholz programmierten Spielzeit 2026/2027 in Verantwortung. Zuvor übernimmt er dafür vorbereitende Tätigkeiten und berät die Geschäftsführung und das Aufsichtsgremium der TUP bei der fortlaufenden Intendanzfindung für die Spielzeit 2028/2029.«

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Hochschule einer Stadt die Intendantin des Theaters als Lehrkraft einstellt. Aber offensichtlich spielten die Querelen rund um Fahrholz’  Führungsstil bei der Bestellung keine Rolle. Auf BackstageClasscial-Anfrage, wie sich die Folkwang Hochschule dazu positioniere, dass ausgerechnet Fahrholz mit ihrer Vergangenheit junge Studierende in Sachen Dramaturgie unterrichten solle, und ob im Vorfeld der Bestellung mit ihr über die Kritik an ihrem Führungsstil gesprochen wurde, antwortete die Hochschule nicht. Sie ließ lediglich wissen: »Lehraufträge werden an Folkwang aufgrund der fachlich-inhaltlichen Auswahl des zuständigen Fachbereichs vergeben.« 

Die Antwort verwundert, gerade in einer Zeit, in der Fehlverhalten von Lehrkräften in Musikhochschulen große Themen sind, die an vielen Institutionen mit besonderer Sensibilität behandelt werden. Das scheint in Essen derzeit eher nicht der Fall zu sein.

Korrektur: In einer vorigen Version des Textes hieß es, Fahrholz sei Machtmissbrauch vorgeworfen worden, richtig ist, dass ihr vorgeworfen wurde, ihrer Fürsorgepflicht nicht nachgekommen zu sein. Auch wurde ihr Peter Theiler nicht »an die Seite gestellt«, sondern er organisiert den Übergang zur nächsten Intendanz. Der Artikel wurde nach einer weiteren Intervention des Theater um die entsprechenden Zitate der Pressestelle erweitert.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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