»Die großen Festivals werden es schwer haben«

Juni 25, 2024
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Der Geiger und Intendant der Sommerlichen Musiktage Hitzacker, Oliver Wille

Die Sommerlichen Musiktage in Hitzacker setzen auf Konzentration in der Provinz – und fahren gut damit. Intendant Oliver Wille über sein Erfolgsrezept. 

Die Sommerliche Musiktage in Hitzacker finden ganz weit im Norden, im Wendland, statt. Sie wurden 1946 gegründet und haben Pionierarbeit in Sachen neue Formate geleistet. Am 27. Juli beginnt die neue Saison. Intendant Oliver Wille ist selber Musiker im Kuss Quartett und lässt diesen Sommer alles um die Zahl VIER kreisen: Vierhändige Klaviermusik, vier Saiten, vier Werke an einem Abend – oder eben spannende Quartette. 

Im Gespräch mit BackstageClassical erklärt Wille, warum gerade Hitzacker ein Beweis dafür ist, dass man das Publikum nicht unterschätzen sollte, und dass durchaus Interesse am Komplexen besteht. Hitzacker gilt als »Der Grüne Hügel der Kammermusik«, und Wille ist der festen Überzeugung, dass die Herausforderung ein Teil des Erfolges der Festivalgeschichte ist, dass nachhaltige Kultur und die kreative Entwicklung von Formaten Garanten für die Zukunft sind. 

Gerade in einer Zeit, in der es immer mehr Festivals gibt, wird es wichtig, sich klar zu positionieren, sagt er und befürchtet, dass es in Zukunft eher die großen Veranstalter schwer haben werden, die gezwungen sind, immer weiter zu expandieren (hier der Podcast für alle Formate, unten für Spotify, abonnieren Sie »Guten Morgen« von BackstageClassical auch auf Apple Podcast)

Die wichtigsten Momente des Podcasts

Oliver Wille über die Konkurrenz

Die Konkurrenz der Festivals ist größer und vielfältiger geworden, auch, wenn nach Corona einige nicht mehr da sind. Was sich derzeit wirklich herauskristallisiert, ist, dass es wichtig geworden ist, eine eigene Identität zu finden und zu pflegen. Die Frage nach dem Markenkern ist inzwischen wahrscheinlich so wichtig wie nie: Wir schreiben uns auf die Fahnen, dass wir auf der einen Seite das wohl älteste, von den Ideen her aber das jüngste Kammermusikfestival in Deutschland sind. Markus Fein – heute Intendant der Alten Oper in Frankfurt – war ein großer Pionier neuer Formate. Dieser Geist besteht in Hitzacker auch weiterhin. Mit Skepsis beobachte ich, dass gerade die großen Festivals wie das Schleswig-Holstein Musik Festival oder Mecklenburg in den letzten Jahren immer größer geworden sind – und ich frage mich, ob das so gut gehen wird.  

Oliver Wille über die Provinz

Die Abgeschiedenheit hat den großen Vorteil, dass man sich konzentriert auf etwas einlassen kann. Aber immerhin hat Hitzhacker einen Statdt-Status, auch, wenn es keine vernünftige Bahnverbindung gibt. Aber selbst das hat seinen Reiz. Es geht hier nicht um das Gesehenwerden. In Hitzacker konzentriert sich alles auf die Musik – und das immerhin schon seit 79 Jahren. Im Sommer ist es schwer, hier überhaupt eine Unterkunft zu bekommen, denn viele Leute schauen nicht nur ein Konzert, sondern haben einen Festival-Pass und lassen sich zu 100 Prozent auf die Musik ein.

Oliver Wille über den Reiz der Kammermusik

Kammermusik hat grundsätzlich einen hohen Anspruch, und darin liegt auch ihr Vorteil. Unser Saal fasst rund 700 Menschen, und jeder, der einmal da war, weiß, wie intim unsere Konzerte sind. Unsere Bühne kann höchstens 10 Musikerinnen und Musiker beherbergen, also sind wir gezwungen auf Kammermusik zu setzen. Aber wir haben großen Spaß an neuen Formaten, an Experimenten und Neuentdeckungen. Unsere Philosophie ist es, durchaus anstrengende Programme zu konzipieren. Wichtig ist aber, dass sie dann trotzdem für jeden zugänglich sind. Man braucht kein Musikstudium für unsere Konzerte, sondern lediglich die Bereitschaft, sich auf die Musik einzulassen. Wie hat Helmut Lachenmann es einmal gesagt? Der Weg auf einen Berg ist anstrengend, aber der Blick von oben ist um so schöner.  

Hier geht es zu den Sommerlichen Musiktagen in Hitzacker

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