»Die Eutiner Festspiele dürfen nicht sterben«

Januar 15, 2026
1 min read
Die Eutiner Festspiele (Foto: Eutiner Festspiele)

Die Eutiner Festspiele stehen vor dem Aus. Die Stadtpolitik will die Veranstaltung nicht weiter tragen. Der international tätige Opernregisseur Anthony Pilavachi hat hier den »Freischütz« inszeniert und kann es nicht fassen. Ein Gastbeitrag für BackstageClassical.

English summary: Eutin Festival faces closure as city politicians withdraw support despite €18m upgrades, rising audiences and profits. Director Antonio Pilavachi is outraged, calling decision a disaster.

Die heutige Nachricht vom Aus der Eutiner Festspiele macht mich fassungslos! Man hatte gerade noch 18 Millionen in den Umbau der alten Tribünen investiert – und das ist kürzester Zeit! Dazu die integrierte Gastronomie und das atemberaubende Promenadendeck mit Blick auf den idyllischen See. Auch finanziell lief alles rund: 2024 verzeichnete Eutin einen Zuwachs an Zuschauern, die Festspiele waren ein deutlicher finanzieller Gewinn für Stadt und Region. 

Und künstlerisch waren die Festspiele ebenfalls erfolgreich. Renommierte Musikkritiker kamen, nicht nur zu meinem Freischütz zur Seebühne – und waren begeistert. Vom Ambiente und von der Kunst. Das Freilufttheater war ein Erfolg auf ganzer Linie. Intendant Falk Herzog hat all das mit so vielen ehrenamtlichen kulturbegeisterten Menschen gestemmt! Was für ein Kraftakt.

Und nun soll alles aus sein? Weil die Lokalpolitiker kein Interesse an Kultur haben? Ein schlechter Witz! Wie kann man einen so grandiosen Aufbruch im Keime ersticken, den Beginn einer neuen Ära derart demontieren? Wieso löscht man eine grandiose Vision so herzlos aus? Ausgerechnet jetzt, da Eutin das Niveau einer echten Festspielstadt erreicht hat? Ich bin fassungslos. Und hoffe, dass die Leute in Eutin zur Besinnung kommen. DAS. DARF. NICHT. GESCHEHEN.

Marius Pallesen als Max in Anthony Pilavachis Freischütz in Eutin(Foto: Eutiner Festspieke, Lagerpusch)

Anthony Pilavachi

Geboren auf Zypem und irischer Staatsbürger. Stipendiat der Foundation Princess Grace of Monaco. 1986 – 1995 Spielleiter an der Bonner und anschließend an der Kölner Oper. Seitdem international tätiger Regisseur mit fast 60 Inszenierungen, u. a. in Berlin (Komische Oper und Deutsche Oper), Houston Grand Opera, Theater Gallen, Grand Théâtre de Bordeaux, Dresdner Musikfestspiele, Händel Festspiele Halle, Expo 2000 Hannover. Uraufführung von Verdis rekonstruierter Fassung von Gustavo III in Göteborg und Darmstadt, 2004. Mehrfach Auszeichnungen, u. a. beste Clemenza di Tito von Mozart und in der Kategorie „Beste/r Inszenierung/Regisseur“ für Zar und Zimmermann von Lortzing in Bremen, 2006. Seit 2007 erfolgreich mit Wagners Ring-Tetralogie am Theater Lübeck bis 2010.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Liebe Buhrufer,

ich war einer von Euch. Was habe ich gebuht, damals, in Stuttgart – beim Ring von vier Regisseuren. Ich habe die Inszenierungen persönlich genommen. Als Beleidigung meiner Wagner-Welt. Ach was: Meines Weltbildes!

Buhs zur »Todesfuge«?

Samstagabend im Stuttgarter Opernhaus: Es gibt Zwischenrufe in der »Meistersinger«-Premiere, ausgerechnet in der »Todesfuge«. Versuch einer Einordnung von Johannes Lachermeier.

Lieber Simon Strauß,

vollkommen legitim, dass Sie Ihre FAZ-Feder spitzen, um Intendant Hinterhäuser im Amt zu halten. Merkwürdig nur, wie Sie das tun: Sie wittern eine Intrige gegen den kongenialen »König« und schieben die Schuld

Der auf den Grenzen tanzt

Biografie eines genialen Exzentrikers: »Pianist – Musiker – Freigeist« heißt ein Buch, in dem sich der Musikwissenschaftler Rüdiger Albrecht den ganz unterschiedlichen Facetten von Friedrich Gulda widmet. Ein exklusiver Vorabdruck bei BackstageClassical.

Dear Yannick Nézet-Séguin,

The conductor defends the clumsy waltz version of Florence Price at the New Year’s Concert — and in doing so also reveals himself.

Tenor Aaron Pegram verstorben

Die Semperoper Dresden trauert um den Tenor Aaron Pegram. Wie das Opernhaus am Montag mitteilte, starb das langjährige Ensemblemitglied am Sonntag in Dresden völlig unerwartet. Pegram gehörte seit der Spielzeit 2009/10 zum

Schlittenfahren mit der Musik 

heute mit einem Neujahrsschwindel, weiteren Entlassungen in der Musikkritik, mit Blicken hinter die Salzburger Festspiel-Kulissen und einer sportlichen Enttäuschung.

Lieber Daniel Froschauer,

Der Vorstand der Wiener Philharmoniker weist Kritik am Arrangement von Florence Prices »Rainbow Waltz« zurück – und macht die Sache damit nur noch schlimmer.

Lieber Michael Andor Brodeur,

Sie sind die gewissenhafte Klassikstimme der Washington Post. Keiner, der große Themen ausgräbt, der Musik in die Mitte der Gesellschaft stellt – aber ein guter Kritiker. Einer der alten Schule.  Nun müssen Sie

Verpassen Sie nicht ...