Der Schott-Vordenker Peter Hanser-Strecker ist tot

Januar 24, 2026
1 min read
Peter Hanser Strecker (Foto: Schott)

Am Donnerstag ist der langjährige Chef des Mainzer Schott-Verlags, Peter Hanser-Strecker im Alter von 83 Jahren in Wiesbaden gestorben.

Peter Hanser-Strecker war ein leiser Machtmenschen der Musik. Er stand selten im Rampenlicht, hat aber grundlegendes Verändert. Am Donnerstag ist der langjährige Chef des Mainzer Schott-Verlags im Alter von 83 Jahren in Wiesbaden gestorben.

Hanser-Strecker wurde 1942 in München geboren und ausgebildet: Musik, Musikwissenschaft und Jura. 1968 stieg er in den Familienverlag ein, 1974 rückte er in die Geschäftsführung auf, ab 1983 stand er an der Spitze des Hauses – und begann, Schott behutsam, aber konsequent in die digitale und globale Gegenwart zu schieben.

Er ließ den Notensatz auf Computer umstellen, investierte früh in eine Internetpräsenz und knüpfte ein Netz von Tochtergesellschaften in Europa, Amerika und Asien. Während andere Verlage lange auf ihre Tradition verwiesen, dachte Hanser-Strecker bereits in Rechten, Datensätzen und weltweiten Aufführungsketten – ohne die verlegerische Grundfigur aus dem Blick zu verlieren: das Vertrauensverhältnis zum Komponisten.

Besonders sichtbar wurde das an der zeitgenössischen Musik. Unter seiner Leitung positionierte sich Schott als Adresse für Komponisten, die den Konzertbetrieb herausforderten und erweiterten. Namen wie György Ligeti oder Krzysztof Penderecki standen im Katalog neben Carl Orff und großen wissenschaftlichen Editionen, etwa zu Wagner, Schumann oder Hindemith. Hanser-Strecker verstand den Verlag als Gelenkstelle zwischen Kanonpflege und Gegenwartslärm – ein Ort, an dem sich das Repertoire von morgen formt.

Seine Einflusszonen reichten weit über den eigenen Verlag hinaus. Im Deutschen Musikverleger-Verband, dessen Präsident er zeitweise war, mischte er sich ein, wenn es um Urheberrecht, Rundfunkgebühren oder die Stellung der Kunst im öffentlichen Raum ging. Er saß in Stiftungen, Universitätsgremien und Aufsichtsräten, ohne je zum bloßen Kulturfunktionär zu werden. 

Auffällig war seine Neigung, verlegerische Arbeit mit gesellschaftlichem Engagement zu verbinden. In den von ihm mitinitiierten Stiftungen spiegelte sich ein Interesse an vergessenen Komponistinnen und Komponisten, an Musikpädagogik, an Chancen für Kinder, die ohne Förderung kaum Zugang zur Kunst hätten. Die enge Verbindung zu Hilfsprojekten wie »Menschen für Menschen« zeigte, dass er Kultur nicht als in sich geschlossene Sphäre verstand, sondern als Teil einer größeren sozialen Verantwortung.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Sony Classical verliert seine Eigenständigkeit

Per Hauber geht, einen Nachfolger gibt es offenbar nicht. Schon 2024 hatte sich Michael Brüggemann zurückgezogen. Sony Classical bleibt – aber seine Eigenständigkeit schwindet. Dahinter steht eine größere Frage: Wie viel ist

Empathietheater statt Regietheater

Unsere Zeit ist brutal. Und an unseren Bühnen wird die Sehnsucht nach Sanftheit immer lauter. Ein neues Theater entsteht: Es will nicht mehr belehren und entlarven, sondern zuhören und berühren und Menschen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Eine Kritik der Kritik: Alles blöde, nur das Orchester ist gut? Die Kritik will gern was gutes finden. Aber es geht nicht um Lobhudelei, sondern auch um Fakten.

Meisterliches Minden

Mit den »Meistersingern von Nürnberg« endet nach 24 Jahren ein einzigartiges Wagner-Projekt. Philipp v. Studnitz erlebt in dem kleinen Stadttheater große Oper – mit Frank Beermann, einem brillanten Ensemble und einem Minimalismus,

Entdeckt, gefördert – und dann?

Unsere Recherche zum Vienna Opera Lab hat eine Debatte über das Geschäft mit der Hoffnung junger Sänger ausgelöst. Dorothea Gregor, die seit Jahren für die Liz Mohn Stiftung in der Nachwuchsförderung arbeitet,

Verpassen Sie nicht ...