Hinterhäusers Truppen

Februar 20, 2026
2 mins read
Markus Hinterhäuser (Foto: Salzburger Festspiele, Neumayr)

Mit einer Unterschriftenliste bekennen sich Künstlerinnen und Künstler zu Salzburgs Festspielintendant Markus Hinterhäuser – eine Unterstützung, die auch kontraproduktiv sein könnte.

English summary: Artists have signed a petition backing Salzburg Festival director Markus Hinterhäuser ahead of next week’s board meeting on his future. Yet this show of support may backfire: many signatories benefit from his tenure, and critics see the move as proof of an insular network resisting renewal.

Kommenden Donnerstag soll in einer Sitzung des Kuratoriums der Salzburger Festspiele über die Zukunft von Intendant Markus Hinterhäuser entschieden werden. Landeshauptfrau Karoline Edtstadler hatte Hinterhäuser bereits die »gelbe Karte« gezeigt, Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger sieht das Vertrauen gefährdet. Anlass war das unabgestimmte Vorgehen des Intendanten bei der Suche nach einer neuen Schauspielchefin. Ursache der Kritik dürfte allerdings eine lange Liste von Vorfällen sein, mit denen Hinterhäuser das Ansehen der Festspiele nicht gerade gefördert hat (mehr dazu hier).

Doch der Intendant scheint nicht aufgeben zu wollen. In den letzten Wochen hat man bereits gesehen, dass Journalisten wie FAZ-Mann Simon Strauß, die Hinterhäuser – zum Teil auch beruflich – verbunden sind, die Stimme für ihn erheben. Dabei betreiben sie in ihren Kommentaren ziemlich viel Whateboutism und versuchen ein neues Narrativ zu installieren, das von den eigentlichen Vorwürfen ablenkt. Demnach soll – so könnte man das zugespitzt zusammenfassen – der geniale Intendant von zwei unwissenden Frauen (Karoline Edtstadler und Festspielpräsidentin Kristina Hammer) gestürzt werden, die Politik würde die künstlerische Freiheit gefährden.

Eskalation statt Ausgleich

Kein Wort von Hinterhäusers Alleingängen, seinem problematischen Verhalten, darüber, dass es die Verantwortung der Träger der Festspiele ist, auch das Betriebsklima im Auge zu haben. Hinterhäusers Verteidigung klingt zuweilen ziemlich misogyn und lässt Kritik an den eigentlichen Verfehlungen des Intendanten oft außen vor. All das dürfte das entscheidende Gremium am Ende weniger umstimmen als verärgern. Statt auf Ausgleich setzen Hinterhäusers Unterstützer offensichtlich auf Eskalation – und die kann in Salzburg gerade niemand gebrauchen.

Kontraproduktiv könnte sich auch eine neue Unterschriftenliste auswirken, in der Künstlerinnen und Künstler sich nun öffentlich für den Verbleib Hinterhäusers aussprechen. Auffällig ist auch hier, dass ein Großteil der Unterzeichnenden direkt von Hinterhäusers Intendanz profitiert. Es tauchen Namen wie der Pianist Igor Levit auf, der regelmäßig in Salzburg zu hören ist, die Regisseure Krysztof Warlikowski, Romeo Castellucci oder Robert Carsen, die für Hinterhäusers fehlende Innovationsfähigkeit stehen. Auch die Künstler Ingo Metzmacher, Elfriede Jelinek oder Peter Handke stehen auf der Salzburger Payroll und haben offensichtlich ein persönliches Interesse am Verbleib des Intendanten. Da verwundert es wenig, dass auch der Vorsitzende der Kunst-Kurie, Peter Noever, die Solidaritätserklärung unterschrieben hat – gemeinsam mit Hinterhäuser gehört er zu den öffentlichen Förderern des umstrittenen Dirigenten Teodor Currentzis und schlug Kulturminister Andreas Babler vor, ihm einen Österreich-Orden zu verleihen. 

Die üblichen Verdächtigen

Was aussieht wie ein Befreiungsschlag des amtierenden Intendanten könnte sich am Ende als Bumerang herausstellen. Die Unterschriftenliste ist ein weiteres Argument für all jene, die den Intendanten lieber heute als morgen gehen sehen möchten. Sie ist Beweis eines jahrelangen Freundschafts-Netzwerkes, das die Salzburger Festspiele vielleicht auch in jene künstlerische Krise gestürzt hat, in der sie nun stecken. Außerdem spiegeln die Namen ein zum großen Teil veraltetes Bild von Kunst und Kulturmanagement wider, das mit einem innovativen Anspruch nur wenig zu tun hat.  Auf der Waagschale für den Verbleib Hinterhäusers dürfte diese Aktion eher gegen ihn ausschlagen. Leute wie Serge Dorny an der Bayerischen Staatsoper, der Regisseur Barrie Kosky, Berlins Intendantin Elisabeth Sobotka, Zürichs Intendant Matthias Schulz oder der Mortier-Schüler und Stuttgart-Intendant Viktor Schoner dürften all das mit Interesse verfolgen.  

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Der große Naxos-Poker

Bei Naxos gibt es Streit zwischen den Eigentümern. Gründer Klaus Heymann hat einst die Mehrheit verkauft und später auch die operative Kontrolle verloren. Nun fordert er Darlehen zurück – und betreibt ausgerechnet

Liebe Caruso-Leute,

Caruso war ein genialer Werbeträger. Und ist es offenbar noch heute. Zwei große Feuilletons lutschen begeistert am neuen Caruso-Bonbon – und liefern dem Hersteller nebenbei die schönste Werbung.

Das Geschäft mit der Hoffnung junger Stimmen

1.099 Euro für Kontakte zur Opernwelt: Das Vienna Opera Lab verkauft jungen Sängerinnen und Sängern den Zugang zu einem begehrten Netzwerk. Nach Anfragen von BackstageClassical ziehen nun erste prominente Teilnehmer Konsequenzen –

Im Weltall wird es eng

Karlheinz Stockhausens Mittwoch aus Licht gerät an der Deutschen Oper Berlin zu einer kosmischen Messe. Musikalisch präzise und von hoher Qualität, verliert sich Susanne Kennedys Inszenierung zwischen klugen Impulsen, Überladung und Inhaltslosigkeit.

Marathonlaufen und Konzert spielen

Laufen und musizieren: Die Wiener Symphoniker und der Vienna City Marathon veranstalten 2027 erneut ihr »Konzert zum Marathon«. Läuferinnen und Läufer können sich ab sofort um einen Platz im Orchester bewerben.

Aus dem Archiv ins Leben

Vergessen, verschollen, nie aufgeführt: Die Ruhrtriennale holt mit Charles Tournemire und Roman Padlewski zwei fast ausgelöschte Komponisten zurück ins Licht – und macht daraus einen der musikalisch stärksten Abende des Festivals.

Verpassen Sie nicht ...