na, da haben Sie aber wieder einen rausgehauen! Die Qualitätsmedien müssten ihre Perspektive überdenken, haben Sie der katholischen Nachrichtenagentur gesagt: »Wir sind Anwalt der Wirklichkeit und nicht Anwalt der vermeintlich Schwachen, der Machtlosen oder der Opfer.«
Als Chef des Giga-Unternehmens SWR haben Sie das, was wir »Wirklichkeit« nennen, allerdings sehr oft sehr gut im Piano bespielt – jedenfalls was die Musik betrifft: Die Causa Teodor Currentzis und seine Russland-Verbindungen, die Vorwürfe gegen dessen Nachfolger François-Xavier Roth, das Rumoren in Ihrem Orchester, den Protest Ihres Publikums – klare Positionierungen von Ihrer Seite zu diesen »Wirklichkeiten« fielen in der Regel leise aus.
Außerdem haben Sie in Ihrem Interview gegen Journalistenkollegen gepoltert, die recherchieren und aufdecken. Viele würden gern in der Dramastruktur »David gegen Goliath« erzählen. Das sei eine »wunderbare Geschichte«, haben Sie gesagt, die immer funktioniert, »aber leider nicht das, was ich unter Perspektivenvielfalt verstehe.«
Aber was genau meinen Sie mit Perspektivenvielfalt? Wenn Ihr Sender die Russlandbeziehungen seines Chefdirigenten kaum zum Thema macht? Wenn Musikerinnen und Musikern mitgeteilt wird, nicht mit der Presse zu sprechen? Wenn die Kolumne eines Journalisten aufgekündigt wird, weil der Kritik an Currentzis und an Ihrer Orchesterleiterin äußert? Oder gilt die Perspektivenvielfalt intern nicht?
Nein, lieber Kai Gniffke: Wenn Sie als Goliath nun auch noch anfangen, über die Davids da draußen zu jammern, wirkt das ein wenig lächerlich. Goliath verspottete die israelitische Armee, der Hirte David zog dagegen in den Kampf. Goliath fiel über seinen Hochmut.


